Unter meinen Füßen knirscht der frische Schnee. Ich hinterlasse die ersten Fußstapfen in der geschlossenen Schneedecke. Um mich herum ist es still. Ich genieße die Ruhe. Und ich staune über die Schönheit der Natur. Denn ich bin unterwegs im Winterwunderland. Die Szenen und Aussichten, die mich auf dem Weg zum Ochsenkopf im Fichtelgebirge empfangen, könnten so auch einem kitschigen Film entsprungen sein.

Lohnt sich die Winterwanderung zum Ochsenkopf?

Der Ochsenkopf ist der zweithöchste Berg im Fichtelgebirge und sowohl im Sommer als auch im Winter ein beliebtes Ausflugsziel in der Region rund um Bischofsgrün. Im Winter gelangen Wintersportler wie Skifahrer, Rodler oder Snowboarder in der Regel mit der Seilbahn nach oben. Für all diejenigen, die zu Fuß unterwegs sind und die verschneite Landschaft erkunden möchten, gibt es zudem ein breites Netz an ausgewiesenen Winterwanderwegen. Auch zahlreiche Loipen stehen für Langläufer zur Verfügung.

Wir wählen einen Rundweg. Über insgesamt 11 km und etwa 400 Höhenmeter führt uns die Runde von der Talstation der Bahn in Bischofgrün zuerst in Richtung Karchesweiher und dann vorbei am Weißmainfelsen und der Weißmainquelle hinauf zum Gipfel.

So kommt ihr nach Bischofsgrün

Die Anreise nach Bischofsgrün ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Ab Nürnberg geht es mit der Regionalbahn nach Bayreuth und von dort in regelmäßigen Abständen per Bus weiter nach Bischofsgrün. Inhaber einer Gästekarten fahren mit dem Bus zwischen Bayreuth und Bischofsgrün sogar kostenlos.

Wenn ihr mit dem Auto anreist, gibt es an der Talstation Nord der Ochsenkopfbahn einen großen Parkplatz. Die Parkgebühr beträgt 2 Euro für den gesamten Tag. Dort befindet sich auch das Ausgangspunkt unserer Winterwanderung.

Rücksichtnahme im verschneiten Wald

Strecke:11 km
Höhenmeter:370 m
Dauer:3 Stunden
Höchster Punkt:1.024 m
Beste Reisezeit:Dezember bis März

Der größte Teil des Wegs wird im Wald zurückgelegt. Achtet darauf, dass ihr auf den ausgewiesenen Winterwanderwegen bleibt. Zwar gibt es in Bayern kein Wegegebot, aber gerade im Winter ist die Natur empfindlich. Unter der fluffig weichen Schneeschicht sind am Waldboden junge Pflanzen begraben. Wenn die durch Winterwanderer oder Skitourengeher platt gemacht werden, kann es passieren, dass sie im Frühjahr nicht mehr weiter wachsen.

Zudem gibt es auch Tiere im winterlichen Wald. Die halten sich in der Regel dort auf, wo sie Ruhe haben und sind deshalb neben den Winterwanderwegen meist nicht zu sehen. Wenn man aber zu tief in den Wald hineingeht, können sie aufgeschreckt werden. Das ist nicht gut, weil die Tiere im Winter sowieso weniger Futter bekommen und sich die Energiereserven in der kalten Jahreszeit gut einteilen müssen.

Rücksichtnahme gilt aber nicht nur gegenüber der Wildnis, sondern auch im Miteinander auf den Wanderwegen oder Loipen. Wenn es zum Beispiel eine Trennung von Loipen und Wanderwegen gibt, solltet ihr euch daran halten. Die Langläufer sehen es in der Regel nicht gern, wenn die Loipe von Fußspuren durchzogen ist. Auch der präparierte Teil neben den beiden gerade gezogenen Spuren ist nicht unbedingt ein Wanderweg. Wenn es sich um eine Loipe handelt, ist dieser Teil für Skater präpariert, die mehr Platz brauchen.

Dasselbe gilt aber auch, wenn ihr mit dem Schlitten unterwegs seid. Auch da sollten Rodler auf Winterwanderwegen nicht Vollgas bergab heizen. Wenn alle ein bisschen Rücksicht aufeinander nehmen, kann jeder die Natur genießen.

Instatipp: Ein besonders schöner Fotospot ist am Weißmainfelsen. Dort blickt ihr von einer Aussichtsplattform auf den Wald hinab.

Winterwunderland wie aus dem Bilderbuch

Völlig begeistert nehme ich die Schönheit der Winterwelt in mich auf. Um mich herum wachsen hauptsächlich Fichten und auf den Zweigen der Nadelbäumen liegt massenhaft Schnee. Hin und wieder rieseln ein paar Schneeflocken in Richtung Boden. Und auch unter meinen Füßen befindet sich eine Schneedecke aus fluffig-weichem, trockenen Schnee. Das Knirschen, das meine Schuhe bei jedem Schritt macht, ist das einzige Geräusch, das ich ausmache.

Ansonsten herrscht eine wohltuende Ruhe. Die Natur scheint sprichwörtlich im Winterschlaf zu sein. Und nicht nur das: Ich bin außerdem ganz alleine unterwegs, so wie es scheint. Bis zum beinahe komplett gefrorenen Karchesweiher geht es vorwiegend eben hin. Der Weg ist breit und hält keine Schwierigkeiten bereit. Trotzdem sind wasserdichte, warme Schuhe mit einem guten Profil beim Winterwandern ein Muss.

Steiler und rutschiger Aufstieg zum Weißmainfelsen

Kurz darauf wird es dann auch steiler und der Weg wird schmaler. Der Wald um uns herum wird immer verschneiter und felsdurchsetzter. In regelmäßigen Abständen liegen dicke Felsblöcke zwischen den Bäumen. Auf einen solchen Felsbrocken, den sogenannten Weißmainfelsen, halten wir geradewegs zu.

Der Fels ist deutlich größer als die anderen Brocken am Wegesrand. Vor der steinernen Kulisse, die auf der linken Seite des Weges auftaucht, befinden sich Bänke zum Rasten. Durch eine Spalte führt eine steinerne Treppe hinauf. Der folgen wir nach oben.

Die Stufen sind mit einer dicken Schneeschicht bedeckt. Durch Wanderer, die vor uns schon aufgestiegen sind, ist der Schnee zu Hügel festgetreten. Das macht das ganze etwas schwieriger. Denn bei jedem Schritt müssen wir unsere Füße vorsichtig auf der wulstigen Schicht aufsetzen und aufpassen, dass wir auf dem gepressten Schnee nicht ausrutschen.

Der Aufstieg lohnt sich allerdings. Denn einige Stufen weiter erreicht ihr eine umzäunte Aussichtsplattform. Und der Blick von dort ist sensationell. Zum einen schauen wir von oben auf den gefrorenen Winterwald hinab und haben etliche verschneite Baumwipfel zu Füßen liegen, zum anderen können wir aber auch richtig weit schauen. Am Horizont ragen der Bayerische Wald und das Erzgebirge auf. Bei schönem Wetter könntet ihr von hier sogar bis nach Tschechien blicken. Nebenan sind dann der Seehügel und der Schneeberg zu sehen. Im Tal liegt Bischofsgrün und auf der anderen Seite ist bereits das Ziel in Sichtweite. Denn dort liegt der Ochsenkopf.

Gipfelsieg mit Wahrzeichen

Um dorthin zu kommen, geht es noch kurze Zeit durch den Wald weiter und an der Weißmainquelle vorbei. Das Fichtelgebirge ist eine europäische Wasserscheide. So fließen der weiße und der rote Main, die den Main bilden irgendwann in den Rhein und gen Norden in die Nordsee. Einige Meter entfernt entspringt allerdings auch die Naab. Die fließt mündet in die Donau und das Wasser fließt in Richtung Süden ins Schwarze Meer hinein.

Dann taucht auch schon der markante Sendemast vor uns auf. Der obere Teil verschwindet im dichten Nebel. Vom Felsen eben hatten wir die bessere Aussicht. An schönen Tagen lohnt es sich allerdings denn Asenturm zu erklimmen. Der erhebt sich über der Berggastronomie. Und dort erwartet euch auch ein schöner Blick. Wir lassen das aufgrund der Sicht bleiben und machen uns auf die Suche nach dem „Wahrzeichen“ des Ochsenkopfs.

Das entdecken wir ganz in der Nähe. Auf Höhe der Seilbahnstation weist uns ein Schild den Weg zum eingemeisselten Stierkopf. Der ist klar und deutlich im Fels zu erkennen. Und auf diese Felsbildhauerei geht wohl auch der Name des Berges zurück. Denn so wurde der ehemalige Fichtelberg zur Zeit des Bergbaus erstmals als „Ochsenkopf“ in einem Dokument erwähnt. Zeit, um an diesem geschichtsträchtigen Platz mal kurz durchzuschnaufen.

Fazit

Die Winterwanderung zum Ochsenkopf war wunderschön. Wir haben auch einen perfekten Tag erwischt, an dem alles tief verschneit aussah. Allerdings sieht es im Fichtelgebirge im Winter öfter mal so aus. Wenn ihr flexibel seid, dann wartet also am besten einen Neuschneetag ab, damit die Bäume auch frisch angezuckert aussehen. So wirkt dann alles noch idyllischer.

Die meiste Zeit sind wir übrigens einsam und alleine durch den Wald gestapft, obwohl am Parkplatz doch einige Autos standen. Viele waren wohl nur zum Rodeln da. Nichtsdestotrotz solltet ihr besser die Wochenenden oder die Ferienzeit meiden, wenn ihr die Natur mit allen Sinnen genießen möchtet.

Lage

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