Wünsdorf: Geisterstadt und Lost Place in Brandenburg

Zwischen dichten Kiefernwäldern, nur eine gute Stunde südlich von Berlin, liegt ein Ort voller Geheimnisse: Wünsdorf, auch bekannt als die „verbotene Stadt“. Wo früher die Wehrmacht und später die sowjetische Armee ihre Kommandozentralen hatten, herrscht heute eine gespenstische Stimmung. Verlassene Schwimmbäder, ein eingestaubter Theatersaal und verblasste Wandbilder lassen erahnen, wie es hier vor vielen Jahren einmal ausgesehen haben muss. Aber wie viel steckt noch im Hype um den berühmten deutschen Lost Place?

Lohnt sich eine Führung durch die Geisterstadt Wünsdorf?

Während des Zweiten Weltkriegs war Wünsdorf ein zentraler Ort der Wehrmacht. Von hier aus wurden Operationen geplant, Kommandos erteilt und ganze Kriegszüge gesteuert. Nach 1945 übernahm die sowjetische Armee den Standort und machte ihn zum größten Militärstützpunkt Europas. Mehr als 40.000 Soldaten lebten hier, während die deutsche Bevölkerung keinen Zutritt hatte. Heute hat die Natur weite Teile des Geländes zurückerobert.

Zwischen verfallenen Gebäuden sprießen Brennnesseln, Efeu rankt über Betonmauern, das ehemalige Freibad ist zu einem Tümpel geworden und beherbergt quakende Frösche. Doch auch heute ist Wünsdorf kein Ort, den man einfach so betreten kann. Wer die Geisterstadt erkunden möchte, muss sich vorher für eine Führung anmelden. Die Teilnahme kostet 14 Euro, Tickets gibt es per E-Mail oder telefonisch über die Website der „Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf“. Rund zwei Stunden lang kann man so die Geisterstadt mit ihren unzähligen Lost Places erkunden.

Fototipp: In den dunkleren Räumen wie dem Theater oder den Wohnräumen der Soldaten solltest du auf jeden Fall den Blitz einschalten. Sei außerdem schnell beim Auslösen: In einer Gruppe kann leicht jemand unerwartet ins Bild laufen.

Anreise nach Wünsdorf

Lage:Zossen, Brandenburg
Anreise:ÖPNV/PkW
Must-Do:Führung
Must-See:Altes Schwimmbad & Theater
Früher:Militärstützpunkt

Wünsdorf ist ein Ortsteil der Stadt Zossen, südlich von Berlin im Landkreis Teltow-Fläming. Mit dem Pkw braucht man für die knapp 50 Kilometer rund eine Stunde. Am Bürgerhaus gibt es einen Parkplatz.

Ich entscheide mich für den ÖPNV und steige am Berliner S-Bahnhof „Südkreuz“ in die R8 Richtung Baruth und lasse die Großstadt hinter mir. Die Fahrt dauert etwa 50 Minuten und endet an der Haltestelle Wünsdorf-Waldstadt.

Von dort geht es rund 1,5 Kilometer zu Fuß weiter, zum Teil über unebene Waldwege, zwischen Wurzeln und Gestrüpp. Mehr als einmal überlege ich, ob ich wirklich auf dem richtigen Pfad bin. Die Anreise mit dem Auto wäre wohl ein bisschen angenehmer gewesen.

Mit 30 Personen startet die Führung durch Wünsdorf

Zum Glück taucht schnell wieder ein befestigter Weg vor mir auf. Ich gehe eine lange Allee entlang, bis ich vor einem verschlossenen, etwa zweieinhalb Meter hohen Zaun stehe. Hier trifft sich eine Gruppe von rund 30 Personen zur Führung durch die verbotene Stadt. Ein Mann mit Klemmbrett schließt auf und begleitet uns an diesem Tag.

Wir starten vor einem Schloss, das – wie das gesamte Areal – zum Verkauf steht. Der Kaufpreis wirkt zunächst fast überraschend niedrig, doch die nötige Sanierung würde ein Vielfaches verschlingen und lässt alle Besitzträume schnell platzen. Von außen wirkt das Gebäude trotz dreißigjährigem Leerstand noch erstaunlich gut erhalten.

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Weiter zum alten Schwimmbad

Auf ein Zeichen laufen wir weiter. Die Wege sind gut zu erkennen, aber im Spätsommer stark zugewuchert. Ich bin froh über meine lange Hose, als ich die vielen Brennnesseln sehe. Nach vielleicht 50 Metern erreichen wir das ehemalige Schwimmbad. Man erkennt noch die roten Bahnentrenner, einige Sprungtürme und ein Sprungbrett – nur das Wasser fehlt, seit dreißig Jahren.

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen sollte das Bad zwar weiter genutzt werden, bestand jedoch die Sicherheitsprüfung nicht und verfällt seitdem. Vor der Tür liegt ein zweites Becken, dessen Wasser einst ebenfalls abgelassen wurde und das sich allein durch Regen wieder gefüllt hat. Es ist so stark zugewuchert, dass man die Beckenränder kaum noch erkennt. Frösche quaken von allen Seiten, überall wächst Moos.

Vorhang auf im ehemaligen Theater in Wündsdorf

Knorn führt die Gruppe weiter und öffnet eine schwere Tür, hinter der sich das ehemalige Theater befindet. Es war einst das kulturelle Herz der „verbotenen Stadt“. Hier versammelten sich Soldaten und Offiziere, um Aufführungen zu besuchen und sich für einen Moment vom Krieg und von den täglichen militärischen Übungen abzulenken. Heute wirkt das Gebäude verlassen und still: Staub liegt auf den Sitzen, am Vorhang haben vermutlich schon Motten genagt, der Boden knarrt unter jedem Schritt. Dennoch lässt sich beim Betreten des Theaters leicht erahnen, wie lebendig dieser Ort einmal gewesen sein muss.

Zum Abschluss steht noch die Besichtigung des Schlosses vom Anfang der Tour an. Die Gruppe streift durch die ehemaligen Wohnräume der Soldaten, in denen noch immer Spuren vergangener Zeiten sichtbar sind. Überall blättert der Lack von den Wänden, in den Ecken und auf den Treppenstufen liegt Mausekot, es riecht nach Keller. Die Gänge wirken schier unendlich, und es drängt sich die Frage auf, wie sich die Soldaten früher merken konnten, welches Zimmer ihr eigenes war.

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Fazit

Ein Besuch in Wünsdorf lohnt sich auf jeden Fall. Die verfallenen Gebäude und geheimnisvollen Ecken bieten unzählige Fotomotive. Auch die Natur rund um Wünsdorf ist wunderschön: dichte Wälder und weite Felder, soweit das Auge reicht. Wer die „verbotene Stadt“ erkunden möchte, sollte am besten mit dem Auto anreisen, denn in der Umgebung gibt es nicht mehr viel zu sehen.

Die Auswahl an geöffneten Restaurants in Bahnhofsnähe war bei meinem Besuch gleich null. Zum Glück hatte ich mir einen Müsliriegel eingepackt, sonst wäre ich auf der Bahnfahrt nach Hause wohl ziemlich nörgelig geworden.

Lage

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