Görlitz gilt als eine der schönsten Städte in Europa. Die Architektur der Altstadt reicht über mehrere Epochen zurück und ist vielerorts perfekt erhalten. Hollywood nutzt die schöne Kulisse für viele Filmproduktionen. Aber auch darüber hinaus soll sich ein Besuch in der Neißestadt in Kombination mit dem nahegelegenen Berzdorfer See lohnen. Ob die östlichste Stadt Deutschlands wirklich eine Reise wert ist, habe ich mir genauer angeschaut.

Lohnt sich ein Besuch in Görlitz?

Görlitz ist eine Kleinstadt mit knapp 60.000 Einwohnern und liegt direkt an der Grenze zu Polen in Niederschlesien. Die polnische Seite ist als Zgorzelec bekannt. Die Neiße trennt die beiden Teile voneinander und der Übergang wird unter anderem durch die Altstadtbrücke ermöglicht.

So treffen in der Europastadt zwei Kulturen, zwei Sprachen und zwei Währungen aufeinander. Von Dresden kommend ist Görlitz über die Autobahn A4 in einer Stunde mit dem Auto zu erreichen. Mit der Bahn geht es genauso schnell. Das ist im Zweifel vielleicht sogar die bessere Anreisemöglichkeit.

Denn schon allein der Bahnhof Görlitz ist ein imposantes Gebäude mit riesiger Empfangshalle und im Innenstadtbereich sind die Parkplätze wie überall gebührenpflichtig. Vier Stunden Parken kosten in der Nähe des Untermarkts, also im Zentrum der Altstadt, beispielsweise drei Euro.

Stadtführung durch 500 Jahre Geschichte

Hoteltipp:Insel der Sinne
Einkehrtipp:Café Herzstück
Must-See:Untermarkt
Must-Do:SUP / Berzdorfer See
Beste Reisezeit:April bis September

Als wir in Görlitz ankommen, hänge ich an der Fensterscheibe und lasse die Augen über die historischen Fassaden gleiten. Mein erster Stopp ist der Rathausturm. Aus 50 Meter Höhe überblicke ich die gesamte Altstadt.

Wie farbenfroh Görlitz von oben doch ist? Was mir sofort auffällt, sind die vielen Türme, die die Hausdächer überragen und das Stadtbild bestimmen. Sie gehörten im Mittelalter zur Stadtbefestigung.

Anschließend spazieren wir durch die engen Gassen. Viele Straßen sind autofrei. Wir schlendern vorbei an Häusern, die aus Gotik, Renaissance, Barock, Jugendstil und Gründerzeit stammen. Insgesamt 4.000 Baudenkmäler aus über 500 Jahren Geschichte gibt es in Görlitz zu bestaunen. Eine Besonderheit sind die Hallenhäuser, die sogenannten Kaufmannspaläste.

Eines davon besichtigen wir von innen. Der Name kommt nicht von ungefähr. Im Eingangsbereich erhebt sich die hohe Halle über mehrere Stockwerke. Die Decke ist bunt bemalt. Das Haus war ehemals die Heimat von Tuchmachern, die an der Handelsstraße Via Regia gelebt haben.

Große Räume zeugen vom damaligen Reichtum. Viele Hallenhäuser sind auch heute wieder bewohnt. In dem öffentlich zugänglichen Haus erinnern noch Tapetenreste an der Wand daran, wie es hier wohl zu DDR-Zeiten ausgesehen haben könnte.

Mit den Hallenhäusern in der Altstadt möchte Görlitz übrigens auch UNESCO-Weltkulturerbe werden. Die Gebäude werden gerade erforscht, um sich anschließend bewerben zu können.

Instatipp: Die Altstadtbrücke ist ein super Fotomotiv. Ein Bild lohnt sich in beide Richtungen. Auf der einen Seite blickt ihr auf die imposante Peterskirche, auf der anderen Seite könnt ihr die bunten Fassaden in Zgorzelec in den Fokus nehmen.

Ein Abstecher nach Hollywood

Die Baukunstwerke ziehen aber nicht nur Kulturliebhaber, sondern auch Filmemacher an. So war selbst Hollywood schon mehrere Male zum Drehen in Görlitz zu Besuch. Görliwood nennt man die Stadt unter Kennern auch. Mitten in der Stadt steht ein riesiges Jugendstilhaus.

In der Neuzeit hat Karstadt die Fläche zum Verkaufen genutzt. Mittlerweile steht es leer und hat zum Beispiel dem mit vier Oscars ausgezeichneten Film „Grand Budapest Hotel“ als Kulisse gedient.

Ich laufe durch die große Halle. Hebe den Blick und schaue in Richtung der imposanten Glaskuppel. Darunter hängen riesige Kronleuchter. Das Gebäude wirkt auf mich nicht leerstehend. Es wirkt herrschaftlich. Ich kann mir gut vorstellen, wie hier die Darsteller in ihren Kostümen und noch weit zuvor unsere Vorfahren in ihren Gewändern durch die Gänge gewandert sind.

Sonnenuntergang am Berzdorfer See

Die Sonne nähert sich mittlerweile bereits dem Horizont. Die Beine machen sich auch bemerkbar. Zeit für den entspannten Teil des Tages. Mit dem Auto geht es weiter zum Berzdorfer See. Nach rund 15 Minuten Fahrzeit erreichen wir das Ufer und einen von vielen Badestränden.

Hier erhebt sich auch die „Insel der Sinne“, eine neue Hotelanlage. Die Zimmer haben teilweise direkten Zugang zum Wasser. Wir checken nicht ein, leihen uns aber ein SUP am Sportstrand aus.

Und während die Sonne untergeht, paddle ich auf den See. Niemand sonst ist hier draußen unterwegs. Die Wasseroberfläche ist spiegelglatt und während ich in Richtung Sonnenuntergang rausfahre, merke ich selbst, dass das Szenario beinahe kitschig wirkt.

Fazit

Wenn ihr euch für Baugeschichte und Kultur interessiert, ist Görlitz definitiv einen Besuch wert. Viele Gebäude könnt ihr auch von Innen besichtigen. Das lohnt sich auch oft. Nicht nur bei den Hallenhäusern, sondern zum Beispiel auch bei der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften.

Für mehr Hintergrundinformationen kann eine Stadtführung beitragen. Das werde ich bei meinem nächsten Besuch nachholen. Und wenn ihr euch anschließend noch ein bisschen die Beine in der Natur vertreten wollt, ist ein Aufstieg zur Landeskrone, dem Hausberg von Görlitz, empfehlenswert.

In der Nähe liegen auch die Königshainer Berge und das Zittauer Gebirge mit seinen markanten Felsformationen. Auch der Berzdorfer See ist einen Abstecher wert. Neben dem Verleih von SUPs besteht auch die Möglichkeit, mit einem Segelschiff über das Wasser zu kreuzen.

Lage

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