Wir balancieren über einen schmalen Felsgrat. Rechts und links geht es bis zu 500 Meter in die Tiefe. Es gibt immer wieder Ketten zum Festhalten, ansonsten ist man auf sich allein gestellt. Ein falscher Schritt und das war’s … Aber vielleicht ist es genau das, was den Reiz ausmacht. Denn die Wanderung zum Angels Landing im Zion Nationalpark gilt nicht nur als eine der gefährlichsten der Welt, sondern zählt auch zu den beliebtesten in den USA.
Lohnt sich die Wanderung zum Angels Landing?
Der Gipfel von Angels Landing erhebt sich inmitten des Zion-Nationalparks im Westen der USA. Von unten sehen wir bereits eine steil aufragende Felswand. Ansonsten lässt sich schwer erahnen, was auf dieser Tour auf uns wartet. Die ersten Meter sind auch noch erstaunlich entspannt. Der Weg ist breit, gut ausgebaut, betoniert. Wir schlängeln uns die berühmten Serpentinen von Walter’s Wiggles hinauf bis zum Scout Lookout.
Auch auf dem Papier klingt die Tour mehr als machbar: Rund 8,7 km Strecke und etwa 450 Höhenmeter gilt es bis zum Gipfel zu meistern. Aber spätestens ab dem Scout Lookout wird aus der entspannten Runde eine echte Herausforderung. Denn der Aufstieg über den schmalen Grat verlangt volle Konzentration, Trittsicherheit und starke Nerven. Es gibt zwar Ketten zum Festhalten, aber diese Sicherheitsvorkehrungen fühlen sich beinahe lächerlich gering an, wenn man bedenkt, dass es zu beiden Seiten bis zu 500 m in die Tiefe geht.
Fototipp: Der beste Fotospot wartet etwa auf der Hälfte des Grats. Es ist wohl das schmalste Stück. Links und rechts geht’s steil bergab. Und es wirkt, als würde man geradewegs auf dem Kamm balancieren.
Anreise nach Springdale in den Zion Nationalpark
| Höchster Punkt: | ca. 1.765 m |
| Strecke: | ca. 8,7 km (hin & zurück) |
| Höhenmeter: | ca. 450–500 hm |
| Gehzeit: | etwa 3–5 Stunden |
| Beste Reisezeit: | Frühling & Herbst |
Um möglichst vor dem Besucherstrom auf die Tour zu starten, sind wir bereits am Vorabend nach Springdale in Utah angereist. Das Örtchen liegt direkt am Eingang des Zion-Nationalparks. Für die Wanderung müssen wir dann noch ein Stückchen weiter hinein. Allerdings ist der Nationalpark autofrei. Somit sind wir auf die Busverbindungen angewiesen. Wir halten uns an den ersten Bus um 7:00 Uhr morgens. Ich bin überrascht, dass man die einfach kostenlos nutzen kann (Stand 10/25).
Es ist noch dunkel, als wir an den massiv aufragenden Felswänden vorbeidüsen. Der eigentliche Startpunkt befindet sich dann an der Zion National Park Lodge. Hier könntet ihr natürlich auch übernachten, dann seid ihr morgens noch früher dort.
Auch interessant: Das ist der höchste Wolkenkratzer der USA





Unbedingt auf Permit bewerben
Für den letzten Abschnitt zu Angels Landing braucht ihr seit einiger Zeit eine Genehmigung. Diese wird vor Ort zusammen mit einem Ausweisdokument von einem Ranger kontrolliert. Ohne Permit ist ab dem Scout Lookout Schluss. Um solch eine Eintrittskarte in die Bergwelt zu bekommen, könnt ihr euch vorher bei der Lottery auf der Webseite des Nationalparks registrieren.
Der Name ist hier allerdings Programm. Es braucht tatsächlich ein bisschen Glück, um am Ende gezogen zu werden. Deswegen ist es ratsam, sich in Zeiträumen zu bewerben, in denen die Besucherströme nicht ganz so groß sind. Frühjahr und Herbst sind hierfür ideal.
Entspannt bis zum Scout Lookout
In engen Kehren schrauben wir uns den Berg hinauf, während die Sonne langsam die roten Felswände zum Leuchten bringt. So erreichen wir nach einigen Höhenmetern bereits den Scout Lookout. Bis hierhin war die Tour gut machbar. Wir halten kurz inne und genießen den Blick vom Aussichtspunkt.
Falls ihr euch nicht weitertraut, ist das bereits ein sehr lohnenswerter Ort! Und man sieht vom Scout Lookout auch zum ersten Mal, worauf man sich wirklich eingelassen hat. Der Weg führt nun nämlich weiter über einen schmalen Felsgrat, der nach oben hin filigran zuläuft und beinahe unbezwingbar wirkt.
Auch interessant: Rim Walk-Wanderung im Outback



Nichts für schwache Nerven!
Nun beginnt also der Teil, der diese Wanderung so legendär macht. Der Weg wird plötzlich extrem ausgesetzt. Links und rechts geht es mehrere Hundert Meter steil nach unten. Es gibt zwar Ketten zum Festhalten und der raue Sandstein ist unter den Füßen recht griffig, aber ein falscher Schritt kann fatal enden. Ich bin super fokussiert. Nicht nach links schauen, nicht nach rechts. Kleine Bewegungen, kontrolliert, ruhig. Und genau das macht irgendwie auch den Reiz aus. Denn währenddessen bin ich absolut im Moment unterwegs. Im Hier und Jetzt, ohne Ablenkung.
Es gibt Passagen, da hören die Ketten kurz auf und ihr müsst frei über den Fels gehen. Da ist absolute Konzentration gefragt. Gleichzeitig werdet ihr aber ständig belohnt. Die Aussicht ist die ganze Zeit phänomenal. Oben angekommen, stehen wir dann auf einem natürlichen Aussichtsbalkon. Angels Landing ragt wie eine Spitze in den Canyon hinein. Tief unter uns schlängelt sich der Virgin River durch das Tal, während sich die Landschaft in alle Richtungen öffnet.
Auch interessant: Die besten Sehenswürdigkeiten in den USA
Fazit
Die Wanderung zu Angels Landing ist kurz, aber intensiv. Weniger wegen der Strecke, sondern wegen der mentalen Herausforderung. Wer Höhenangst hat oder sich unsicher fühlt, sollte spätestens am Scout Lookout umdrehen. Für alle anderen gilt: Diese Tour gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen im Zion National Park. Der Nervenkitzel, die Ausgesetztheit und die Aussicht machen sie einzigartig.
Wenn ihr noch Zeit habt, könnt ihr den Tag perfekt erweitern. Zum Beispiel mit den Emerald Pools oder einer Wanderung durch die Narrows. Beide liegen ebenfalls im Canyon und zeigen noch einmal ganz andere Facetten dieser beeindruckenden Landschaft. Aber ganz ehrlich: Allein Angels Landing ist schon ein Erlebnis, das lange im Kopf bleibt.
Schreibe einen Kommentar