Eindrucksvolle Gletscherwelten, tiefblaue Seen, einfache Kletterpassagen, urige Hütten und geniale Ausblicke. Das alles erwartet Wanderer auf dem Berliner Höhenweg. Doch um all das zu sehen, muss auch einiges an Strecke zurückgelegt werden. Teilweise sind die Tagesetappen von Hütte zu Hütte sogar richtig anspruchsvoll. Lohnt sich die Mehrtagestour durch die Zillertaler Alpen?

Lohnt sich die Wanderung über den Berliner Höhenweg?

Der Berliner Höhenweg ist eine mehrtägige Wanderung in den Zillertaler Alpen in Tirol. Auf den verschiedenen Etappen werden insgesamt rund 6.600 Höhenmeter überwunden. Dabei sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Denn es geht durch hochalpine, geröllige Landschaften hindurch. Gletscher müsst ihr jedoch nicht queren. Häufig verläuft der Weg auf einer Höhe über 2.000 m. Es geht sogar an einem Tag auf über 3.000 m hinauf. Der höchste Punkt des gesamten Höhenwegs verläuft auf 3.106 m, knapp unterhalb des Gipfels des Schönbichlerhorns.

Übernachtet wird in typischen Schutzhütten. Von jeder Hütte ist es aber auch möglich, ins Tal abzusteigen. Dadurch könnt ihr den Weitwanderweg in der Länge nach Belieben variieren, zu einem späteren Punkt einsteigen oder früher aufhören. Die Mehrtagestour ist auf 8 Etappen ausgelegt. Dadurch habt ihr zwischendurch Tage mit kürzeren Gehzeiten, an denen ihr euch ein bisschen regenerieren könnt.

Instatipp: Eines der beliebtesten Fotomotive ist die Hängebrücke an der Olpererhütte. Aber auch an anderen Orten unterwegs sind genial zum Fotografieren. So liegt auch die Berliner Hütte sehr fotogen von Bergen umgeben in der Landschaft.

Vorbereitung, Ausrüstung & Know-How

Länge:85,5 km
Etappen:8 Tage
Höhenmeter:↑ 6.605 m
↓ 6.840 m
Höchster Punkt:3.106 m
Beste Reisezeit:Juni bis September

Eine Mehrtagestour ist auch immer mit ein bisschen mehr Vorbereitung verbunden. Mehrmals kontrolliere ich den Inhalt meines Rucksacks auf Vollständigkeit. Das Geheimnis ist, nicht zu viel, aber auch auf keinen Fall zu wenig dabeizuhaben. Für Fernwanderungen eignet sich ein Rucksack mit einem Volumen von 30 bis 40 Litern.

Achtet darauf, dass ihr ausreichend Wasser dabei habt. Das könnt ihr zwar auf jeder Etappe wieder neu auffüllen, aber die Gefäße sollten mindestens ein Fassungsvermögen von zwei Litern haben. Hinzu kommen ein paar Snacks zur Verpflegung während der jeweiligen Etappen. Richtig stärken könnt ihr euch jeweils beim Frühstück und Abendessen auf den Hütten.

Weil die Tour in einer nicht zu unterschätzenden Höhe stattfindet, gehören auch Sonnencreme, Sonnenbrille und ein Sonnenschutz für den Kopf in den Rucksack. Es kann aber auch regnerisch und kalt sein, deshalb sind genauso die Regenjacke, eine Isolationsjacke oder ein dicker Pullover sowie eine lange Hose ratsam. Beim Schuhwerk ist ebenfalls die Höhenlage entscheidend. Nicht selten liegt auf den Wegen noch Schnee. Die Schuhe sollten also wasserdicht sein und beim Gehen durch Geröll einen sicheren Halt bieten. Mütze, Stirnband und Handschuhe sind auch nicht verkehrt. Ein Erste-Hilfe-Set gehört ebenso ins Gepäck.

Wechselkleidung solltet ihr auch einpacken, aber da könnt ihr trotzdem spartanisch denken. Ich wasche ein T-Shirt abends auf der Hütte auch per Hand kurz durch und lasse es über Nacht oder am nächsten Tag am Rucksack trocknen. So brauch ich oft nicht mehr als zwei oder drei T-Shirts.

Denkt auch daran, dass ihr auf Hütten übernachtet. Dafür benötigt ihr einen Hüttenschlafsack und ein Handtuch. Um sicher einen Schlafplatz zu bekommen, solltet ihr die Hütten vor allem in der Hauptsaison vorab reservieren. Das geht meist telefonisch. Je nach Hütte gibt es auch abgetrennte Zimmer und nicht nur Lager. Achtet darauf, genügend Bargeld dabei zu haben. Viele Hütten nehmen keine Kartenzahlung entgegen.

Anreise nach Finkenberg

Der Ausgangspunkt des Berliner Höhenwegs liegt in Finkenberg im Zillertal. Von München aus sind es bis dahin knapp zwei Stunden mit dem Auto. Dadurch, dass es sich um eine Art Rundwanderung handelt, kommt ihr auf der letzten Etappe auch wieder in der Nähe von Finkenberg raus und könnt das Auto somit auch wieder leicht erreichen. Der Parkplätze befindet sich an den Finkenberger Almbahnen.

Alternativ ist die Anreise auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Dann müsst ihr in Jenbach in Tirol in die Zillertalbahn bis nach Mayrhofen umsteigen und schließlich den Bus für die letzten Kilometer bis nach Finkenberg nehmen.

Von Hütte zu Hütte durch die Zillertaler Alpen

Vom Parkplatz steigt ihr am ersten Tag auf die erste Hütte auf. Das sind rund 1.000 Höhenmeter zur Gamshütte nach oben. Auf der zweiten Etappe steuert ihr dann direkt die höchstgelegene Hütte der gesamten Tour an. Es geht zum Friesenbergerhaus auf 2.498 m Höhe. Knapp 8 Stunden solltet ihr für die Tagestour einplanen. Vielleicht ein bisschen mehr, denn unterwegs wartet an der Kesselalm ein Rastplatz mit Blick auf einen Wasserfall, wo sicher etwas Zeit verbringen werdet.

Der nächste Tag ist dafür deutlich kürzer und eher entspannt zum Wandern. Die dritte Etappe führt nämlich zur Olpererhütte. Zwar ist die Landschaft auf dem Weg dorthin schon eindrucksvoll, richtig sensationell wird es aber vor allem an der Hütte direkt. Dort blickt ihr auf den Schlegeisspeicher unter euch und einige Dreitausender im Hintergrund. Da seid ihr aber leider auch nicht mehr alleine unterwegs, denn auch viele Fotografen und Instagrammer wissen genau diesen Blick zu schätzen.

Wenn ihr fit seid, könnt ihr nach den zwei Stunden zur Olpererhütte auch den weiteren Weg zum Furtschaglhaus noch dranhängen. Dazu geht es zuerst bergab zum Schlegeisspeichersee und dann knapp 500 Höhenmeter wieder bergauf. Wenn ihr es ruhiger angehen wollt, macht ihr das am nächsten Tag.

Auch interessant: Wanderung zur berühmten Hängebrücke im Zillertal

Gletscher, Bergseen und hochalpines Gelände

Vom Furtschaglhaus geht es weiter zum höchsten Punkt der Tour. Der Gipfel des Schönbichler Horns liegt zwar nicht auf dem direkten Weg, aber die knapp 30 Höhenmeter solltet ihr der genialen Aussicht wegen noch aufsteigen. Anschließend geht es bergab zur Berliner Hütte. Die Hütte ist riesig und schon von Weitem zu sehen. Im Inneren wirkt sie herrschaftlich. Ganz anders als die kleineren Berghütten. Es wirkt fast, als sei man nicht in einer Hütte, sondern in einem Berghotel.

Immer wieder denkt man, es könne gar nicht mehr besser werden. Doch auch der nächste Tag setzt noch mal eins drauf. Dann geht es nämlich in Richtung Greizer Hütte an eindrucksvollen Gletscherflanken vorbei, während ihr über Moorböden stapft. Das ist ein toller Kontrast. Unterwegs passiert ihr dann noch den erfrischenden Schwarzsee, der an windstillen Tagen eine geniale Spiegelung der umliegenden Bergwelt bereithält.

Zwei Hütten müsst ihr nun noch bis zum Ende ansteuern. Eine davon ist die Kasseler Hütte. Auf dem Weg dorthin hat man einen herrlichen Blick ins Stilluptal. Zum Schluss folgt die Karl-von-Edel-Hütte. Diese letzte Etappe solltet ihr aber nur bei trockenem Wetter und guter Witterung gehen. Es gibt zwischendurch nämlich keinen Notabstieg und die steilen Wiesenflächen werden bei Nässe gefährlich rutschig. Wenn das Wetter passt, ist das aber ein grandioser Abschluss mit zahlreichen seilversicherten Passagen und leichter Kletterei.

EtappeStreckeDauer
1. Finkenberg bis Gamshütte↑ 1.000 m ↓ 0 m 3 Std.
2. Gamshütte bis Friesenberghaus↑ 1.400 m ↓ 850 m8 Std.
3. Friesenberghaus bis Olpererhütte↑ 150 m ↓ 250 m2 Std.
4. Olpererhütte bis Furtschaglhaus↑ 500 m ↓ 600 m4 Std.
5. Furtschaglhaus bis Berliner Hütte↑ 900 m ↓ 1.060 m6 Std.
6. Berliner Hütte bis Greizer Hütte↑ 1.200 m ↓ 1.100 m7 Std.
7. Greizer Hütte bis Kasseler Hütte↑ 650 m ↓ 700 m5 Std.
8. Kasseler Hütte bis Karl-von-Edel-Hütte↑ 800 m ↓ 750 m9 Std.

Fazit

Die Hüttentour durch die Zillertaler Alpen lohnt sich vor allem für konditionsstarke und erfahrene Wanderer. Tagesetappen mit Gehzeiten von bis zu 8 Stunden stehen euch bevor. Zudem tragt ihr durch den größeren Rucksack einiges an Gewicht mit euch herum. Deshalb ist die Tour in dieser Form nicht für ungeübte Wanderer zu empfehlen.

Denkt daran, dass ihr euch im alpinen Gelände befindet, d.h. die Tour sollte nur bei einwandfreiem Wetter gemacht werden. Im Zweifel holt euch den Rat von den Hüttenwirten vor Ort ein oder macht einen Tag Pause, wenn ihr euch nicht sicher seid.

Wenn ihr aber die konditionellen Anforderungen mitbringt und das Wetter mitspielt, könnt ihr euch auf eine sensationelle Wanderung in den Bergen freuen. Die Landschaft ist vielseitig. Es gibt keine Passagen, die „langweilig“ werden könnten. Klar muss man sich hin und wieder mal durchbeißen, weil es anstrengend wird und sicher fragt man sich auch immer mal, warum man sich das antut. Meiner Meinung nach ist es der Wanderweg aber allemal wert.

Und wenn ihr die Tour nicht im Ganzen gehen wollt, lohnt es sich ebenso, einzelne Tageswanderungen zu den einzelnen Hütten zu machen. So könnt ihr beispielsweise den Schwarzsee bei der Berliner Hütte in einem Tag vom Tal aus erreichen. Oder ihr pickt euch nur die Hängebrücke an der Olpererhütte als Ziel heraus. Das bietet sich dann auch für diejenigen an, die sich die Wanderung über mehrere Tage nicht zutrauen, oder wenn es zeitlich nicht möglich ist.

Lage

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