Stell dir vor, du schwebst Hunderte Meter über einer gewaltigen Schlucht und nur eine transparente Glasscheibe trennt dich vom Abgrund. Genau das erlebe ich heute! Die gläserne Hängebrücke über den Grand Canyon in Zhangjiajie verspricht Nervenkitzel pur. Mit mulmigem Gefühl im Magen und großem Respekt vor der extremen Tiefe wage ich mich auf dieses verrückte Bauwerk. Ob das Glas unter den Füßen wirklich hält?
Lohnt sich der Besuch der gläsernen Hängebrücke in Zhangjiajie?







Dieser Ort ist weit mehr als nur ein schnöder Steg über dem Nichts. Das Gebiet rund um den Canyon präsentiert sich als gigantischer Outdoor-Freizeitpark. Die 2016 eröffnete Brücke, entworfen vom israelischen Architekten Haim Dotan, schwingt sich majestätisch zwischen zwei steilen Bergklippen hindurch.
Mit einer Länge von 430 Metern thront sie weltrekordverdächtige 300 Meter über dem Boden. Wer hier unberührte Naturidylle sucht, liegt völlig falsch. Stattdessen locken krasse Ziplines, Bootsfahrten auf einem smaragdgrünen Fluss und ein waghalsiger Klettersteig. Der Spaß ist nicht ganz günstig – Canyon und Brücke kosten zusammen stolze 216 RMB (27 Euro) Eintritt.
Fototipp: Legt euch direkt auf das Glas und lasst euch von oben fotografieren. Fangt unbedingt die Landschaft im Hintergrund mit ein, damit die gewaltigen Dimensionen wirken. Sucht euch vorher aber eine saubere Platte aus, da manche Glaspaneele leider etwas verschmutzt sind.
Anreise zum Grand Canyon in Zhangjiajie
| Lage: | nahe Wulingyuan |
| Länge: | 430 m |
| Höhe: | 300 m |
| Ausrüstung: | Rutschesocken |
| Beste Reisezeit: | Nebensaison |
Um zu diesem architektonischen Spektakel zu gelangen, sind Bus oder Taxi die beste Wahl. Von Zhangjiajie dauert die Fahrt etwa eine Stunde, von Wulingyuan sogar nur zwanzig Minuten. Wir schnappen uns ein Didi und fahren bequem über eine Mautstraße hinauf zum Einstieg. Dort zeigt sich China von seiner effizientesten Seite.
Es gibt massig Parkplätze, und die Abläufe sind wie überall in China streng durchorganisiert: Zuerst eine Personen- und Taschenkontrolle, dann der Ticketschalter. Besuchergruppen werden hier nahezu perfekt durchgeschleust. Wer unter Höhenangst leidet, sollte spätestens jetzt besser umdrehen.
Es fühlt sich an wie im Jurassic Park
Das massive Eingangsportal erinnert mich stark an den Film „Jurassic Park“. Sobald man das Gebäude hinter sich lässt, wird man vom Trubel regelrecht überrollt. Laute Musik, ein Showtanz und surrende Drohnen am Himmel machen sofort klar: Das hier ist reinstes Entertainment.
Vor mir breitet sich die gigantische Brücke aus, fest verankert zwischen zwei gewaltigen Felsensäulen. Beim Blick hinab faszinieren die üppig bewaldeten, fast senkrecht abfallenden Klippen und der sanft fließende Fluss am Grund. Wir teilen uns dieses Panorama mit unzähligen anderen Besuchern. Bis zu 800 Menschen dürfen gleichzeitig auf das Bauwerk watscheln.
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Rutschfeste Stoffüberzieher für die Hängebrücke
Bevor wir das Konstrukt betreten, steht ein kleines modisches Umstyling an. Wir bekommen dunkle, rutschfeste Stoffüberzieher, die wir gewissenhaft über unsere eigenen Schuhe stülpen. Das schützt die insgesamt 99 Glaspaneele vor unschönen Kratzern.
Jede dieser massiven Platten ist zwölf Quadratmeter groß, fünf Zentimeter dick und wurde zuvor ausgiebig getestet. Ein tonnenschwerer Geländewagen ist über die Glasplatten gefahren, ohne dass diese nachgaben. Ein beruhigender Gedanke, wenn man bedenkt, in welcher schwindelerregenden Höhe man sich gleich bewegt. Ein wichtiger Sicherheitshinweis am Rande: Bei starkem Wind oder Regen wird die Attraktion ohne Vorwarnung dichtgemacht. Mit unseren Schühchen ausgestattet, sind wir nun bereit.
Zipline, Rutschen, Klettersteige und Bootstour
Wir lassen uns von der Menge treiben und setzen zögerlich den ersten Schritt auf das Glas. Man testet unweigerlich aus, ob diese transparente Fläche das eigene Gewicht aushält. Andere Gäste haben null Berührungsängste: Sie legen sich für spektakuläre Selfies direkt auf den durchsichtigen Boden oder springen fröhlich darauf herum.
Auf der anderen Seite der Schlucht warten neue Abenteuer. Statt schnöde umzukehren, sausen wir mit einer Zipline im Geschwindigkeitsrausch über die Baumwipfel hinweg auf die gegenüberliegende Seite. Anschließend gleitet man auf einer Rutsche weiter hinab in die Schlucht, wo gemütliche kleine Boote für die entspannte Rückfahrt bereitstehen. Oben wieder angekommen, lockt noch ein waghalsiger Klettersteig direkt an der steilen Felswand des Canyons. Eigentlich hätte ich diese Kletterpartie über dem Abgrund gerne gewagt, doch hier kostet jede einzelne Attraktion extra.
Bungee-Jumping von der Hängebrücke
Was den Puls jedoch endgültig durch die Decke treibt, passiert genau in der Mitte der Konstruktion. Hier befindet sich eine Anlage, von der aus sich völlig Furchtlose beim Bungee-Jumping in die extreme Tiefe stürzen. Ein Blick über das Geländer reicht mir völlig aus: Tief unten über den dichten Wäldern baumelt ein winziger Mensch am Seil.
Ich überlasse diesen spektakulären Sprung gerne anderen und feiere stattdessen den grandiosen Flug mit der Zipline. Mit hohem Tempo über diesen gewaltigen Canyon zu fliegen und den perfekten Überblick über das gesamte Gelände zu haben, sorgt für das pure Adrenalin.
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Fazit
Dieser Park in Zhangjiajie ist ein perfekt inszenierter, wenn auch teurer Wahnsinn, den man mit eigenen Augen gesehen haben muss. Man sollte definitiv kein ruhiges Naturerlebnis erwarten, sondern sich voll und ganz auf das Spektakel einlassen. Die bauliche Leistung ist und bleibt ein gigantisches Erlebnis, das größten Respekt einflößt.
Mein Rat: Packt wirklich nur das Nötigste ein, lasst Wertsachen im Schließfach und genießt den Nervenkitzel. Wer danach Lust auf ungestörte Einsamkeit hat, kann im angrenzenden Zhangjiajie-Nationalpark richtige Naturpfade erkunden. Bis dahin bleibt uns nur die Erkenntnis: Bodenständig ist hier höchstens das bombensichere Glas unter unseren Füßen!

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