Es ist dunkel. So dunkel das ich selbst nicht die Hand vor Augen sehe. Das leise Plätschern des Holzbootes kann die animalischen Geräusche, die aus dem Dickicht des Regenwaldes kommen, nicht dämpfen. Der Regenwald schläft nie. Für einen kurzen Moment kommt Zweifel auf: Wenn wir jetzt sinken sollten, wird uns niemand finden. Die Bootsfahrt auf dem spiegelnden Wasser des Amazonas ist ein Abenteuer der besonderen Art und davon berichte ich euch gerne.

Bootsexpidition auf dem Amazonas in Kolumbien

Der Amazonas ist der größte Fluss der Erde und fließt durch die Länder Kolumbien, Peru und Brasilien. Mein Traum war es jahrelang, wildlebende Faultiere zu sehen, diese kann man entlang am Amazonas besonders gut beobachten, sodass ich mich zu einer 4-tägigen Bootsexpedition in einem kleinen Örtchen in der Nähe Leticias, der südlichsten Stadt Kolumbiens entschloss. Die Einheimischen fahren hier in ihren traditionellen Booten aus ausgeholten Baumstämmen. Das mir ein nasses und zugleich schweißtreibendes Abenteuer bevorstand, davon hatte ich keine Ahnung.

#amazonas #kolumbien

Instatipp: Unser Guide Sergio hat einen besonderen Blog rund um den Amazonas. Erste Eindrücke und wunderbare Bilder findet ihr auf seinem Insta-Profil @amazonasking.

Anreise in den Amazonas

Gebucht hatte ich die Expedition bei Amazonas Jungle Tours, die mir von meinen kolumbianischen Freunden empfohlen wurde. Von Bogota kann man einen Direktflug nach Leticia buchen, wo die Expedition startet. Der zweistündige Flug kostet hin und zurück ca. 150 bis 200 Euro. Angekommen, wird man sehr nett am Flughafen in Empfang genommen und in ein kleines Büro im Herzen Leticias gebracht, wo man eine Einführung bekommt. Dann wird man mit ein paar Gummistiefeln und einer Regenjacke ausgerüstet und zum Bootssteg begleitet. Das Schnellboot brachte mich dann in einer dreistündigen Fahrt zum Anfangspunkt der Expedition, in ein kleines Städtchen names Puerto Narino.

Wo das Wasser Leben bedeutet

Mein Blick schweift über die endlose Wasserlandschaften unter dem strahlend blauen Himmel. Es ist heiß und stickig und die hohe Luftfeuchtigkeit, die bei nahe 100 Prozent liegt, steigt mir zu Kopf. Bereits im Sitzen merke ich, dass es wohl auch körperlich zu einer Herausforderung wird. Überall sehe ich entlang der teilweise 100 m breiten Flussmündung kleine selbstgebaute Häuser, Kinder spielen neben ihren Müttern, die die Wäsche waschen. Fischer begleiten uns einen Teil weiter hinein in den Amazonas und ich bestaune diese fremde und neue Welt, die sich rund ums Wasser abspielt.

Vorbereitung auf die Expedition

Man muss sich darauf einstellen, nur kleines handliches Gepäck in Rucksackform mitnehmen zu dürfen. Größeres Gepäck kann an der Rezeption in Leticia untergebracht werden. Bedenken sollte man, dass man im Boot unterwegs ist, was nicht viel Fassungsvermögen besitzt. Helle Sachen werden empfohlen, da dunkle Kleidung die Moskitos stärker anlocken können. Regencovers für Handys und Kameras ist ein Muss, da es im Amazonas und im Regenwald sehr nass ist. Moskito-Spray soviel es geht mitnehmen, da die Moskitos leider sehr aggressiv und für Europäer leider eine echte Plage sind.

Die Bewohner des Amazonas

Trotz der zahlreichen Moskitos um mich herum, springt mein Herz vor Aufregung. In der Weite kann ich einen kleinen brauen Fleck in der hohen Baumkrone erkennen. Wir schalten den Motor aus und paddeln weiter mit unseren hölzernen Paddeln, um besonders leise voran zu kommen. Die dichten Zweige der Mangroven, die im Amazonas eine andere Welt preisgeben, voller Leguane und paradiesischen Vogelarten, machen uns das Vorankommen schwer. Aber jeder Meter bringt mich näher an mein Ziel. Ein Dreifinger-Faultier frisst hingebungsvoll mit geschlossenen Augen von den süßen Früchten des Baumes und gibt mir mein perfektes Fotomotiv. Ich bin verliebt – in das Faultier und den Amazonas.

Fazit

Es war nass, es war anstrengend und teilweise wusste ich nicht, ob der Regen oder mein eigener Schweiß schlimmer war. Nachts machten mich die Moskitos schlaflos und am Tage leicht genervt, aber ich würde es jederzeit wieder machen. Die Schönheit und Einzigartigkeit des Amazonas ist einfach atemberaubend. Unser Guide Micael ist ein leidenschaftlicher Verfechter seiner traditionellen und umweltorientierten Herkunft und hat uns, mit den Geschichten seiner Vorväter, die Sprache verschlagen. Ich habe es genossen, soviel über den Amazonas und den Regenwald zu lernen.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Neben Ausflügen auf dem Amazonas zu pinken Delphinen, Kaimanen und Piranhas werden ebenso Führungen auf dem Land angeboten, um die Flora und Fauna näher kennenzulernen. Zusätzlich wird man in die traditionsreiche Welt der Eingeborenen eingeführt. Besonders war die eine Nacht ohne fließend Wasser und Strom beim Stamm der Ticunas, die mich mit ihrer Gastfreundschaft, trotz ihres sehr einfachen Lebensstil, sehr bereichert hat. Spanisch ist von Vorteil, da die Einheimischen nur wenig Englisch sprechen, aber mit Freundlichkeit wird man hier überall herzlich aufgenommen.

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