Wilder Kaiser: Wanderung über den Panorama-Höhenweg

Der Wilde Kaiser zeigt sich auf dem Panorama-Höhenweg von seiner eindrucksvollsten Seite: schroffe Felswände, stille Almwiesen, wunderschöne Wasserfälle und Weitblicke bis zu den Hohen Tauern. Doch man muss sich dieses Panorama zuerst verdienen und die Tour ist durchaus kräftezehrend. Aber ich will mich nicht beklagen. Immer wieder bleibe ich stehen, schaue hinauf zu den Felswänden und frage mich, wie gewaltig dieses Gebirge eigentlich ist.

Lohnt sich die Wanderung über den Panorama-Höhenweg?

Wer an den Wilden Kaiser denkt, hat meist sofort senkrechte, schier unbezwingbar wirkende Felswände im Kopf. Doch wie gewaltig sich dieses Massiv anfühlt, begreift man erst, wenn man sich darin auch mal bewegt. Die Tour über den Panoramaweg fordert zwar etwas Kondition, hält aber ansonsten keine technischen Schwierigkeiten bereit. Und der Name ist auf dieser Tour Programm. Denn ihr habt unterwegs herrliche Ausblicke bis zu den Hohen Tauern.

Die 940 Höhenmeter über teilweise knackig steile Wiesenflanken sind trotzdem kein gemütlicher Sonntagspaziergang und werden euch ins Schwitzen bringen. Aber wenn ihr die Kraft in den Aufstieg investiert, bekommt ihr die gesamte Bandbreite des Wilden Kaisers serviert. Denn neben dem genialen Panorama sind die mächtigen Felsflanken zum Greifen nah, unterwegs könnt ihr euch an zwei Wasserfällen erfrischen und auch die Kulinarik am Wegesrand kommt nicht zu kurz.

Fototipp: Mein liebstes Fotomotiv ist der Schleierwasserfall. Und zwar genau an der Stelle, wo sich der Wanderweg über schmale Serpentinen seitlich vorbeischlängelt. Hier könnt ihr den Wasservorhang mit oder ohne euch perfekt ablichten.

Anreise nach Going am Wilden Kaiser

Höhenmeter:940 m
Strecke:14,1 km
Gehzeit:6 Stunden
Einkehrtipp:Gaudeamushütte
Beste Reisezeit:Juni bis September

Wir starten am Badesee in Going. Hier gibt es einen riesigen Parkplatz, der vor allem morgens noch nicht super voll ist. Die meisten parken hier erst mittags, wenn das Wetter warm genug ist, um ins kühle Nass zu hüpfen. Gerade an heißen Tagen ist es zudem eine schöne Motivation zu wissen, dass man nach der schweißtreibenden Tour direkt am Badesee wieder ankommt und direkt abtauchen kann.

Kleiner Tipp: Auch wenn ihr den Parkplatz bequem mit Karte zahlen könnt, ein bisschen Bargeld solltet ihr für später dabei haben. Denn an den Hütten in der Region kann man häufig nur bar zahlen.

Per Zug geht es von München mit der Regionalbahn nach Kufstein. Dort steigt ihr in den Bus Richtung St. Johann in Tirol um. Bis Going am Wilden Kaiser dauert die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln knapp drei Stunden.

Filigranes Naturschauspiel am Schleierwasserfall

Zunächst geht’s recht gemütlich über eine breite Forststraße nach oben. Gut zum Reinkommen und nie zu steil. Und so vergeht der erste Teil wie im Flug und stehen nach 1 Stunde bereits vor dem malerischen Schleierwasserfall. Wenn man ihn so anschaut, wird sofort klar, woher dieser Ort seinen Namen hat. Das Wasser stürzt nicht wild und tosend herab, sondern bewegt sich wie ein sanfter Schleier gen Tal. Es wirkt fast schon wie ein seidenes Tuch, so filigran plätschert das kühle Nass über den gewaltigen Felsüberhang.

Während in den Felswänden daneben oft geübte Kletterer in den extrem überhängenden Routen hängen, spazieren wir geradewegs hinter den Wasserfall. Das sorgt auch für eine willkommene, kleine Erfrischung. Denn überall um uns herum ist ein leichte Gischt in der Luft zu spüren.

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Aussichtsreicher Panorama-Höhenweg

Nun wird der Weg schlagartig aussichtsreicher. Wir sind mittlerweile oberhalb der Baumgrenze unterwegs und schauen geradewegs auf die vergletscherten Hohen Tauern am Horizont. So wandern wir gemütlich am zweiten Wasserfall der Tour, am Stiegenbach-Wasserfall, vorbei und queren eine herrlich blühende Almwiese, bis wir die Obere Regalm erreichen. Diese urige Hütte bietet sich für eine kurze Pause an (nur am Wochenende geöffnet).

Und wer jetzt denkt: Ach, das war ja alles easy, wird spätestens jetzt noch mal richtig gefordert. Nun heißt es Zähne zusammenbeißen. Der Aufstieg zum Baumgartenköpfl (1.572 m) ist anstrengend. Über eine sehr steile Grasflanke schlängelt sich der Weg bergauf. Vor allem in der Mittagshitze ist man hier der Sonne gnadenlos ausgeliefert. Denkt also unbedingt an ausreichend Trinkwasser.

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Aussichtsbalkon mit Hohe Tauern-Blick

Doch die Schinderei auf den letzten Metern lohnt sich. Oben angekommen, haben wir eine wundervolle Aussicht. Man steht hier wirklich wie auf einem riesigen Aussichtsbalkon. Direkt in unserem Rücken baut sich der Wilde Kaiser mit seinen gewaltigen, schroffen Felswänden auf. Die markanten Felswände von Ellmauer Halt, Regalmspitze und Ackerlspitze ragen gut sichtbar in den Himmel.

Und wenn wir den Blick auf die andere Seite wenden, sind wir umgeben von den Kitzbüheler Alpen und namhaften Berggipfeln. Wir sehen die Leoganger Steinberge, blicken hinab auf Sankt Johann im Tal und erkennen das markante Kitzbüheler Horn mit der Antenne ganz oben. In der Ferne glänzen die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern. Besonders der Großvenediger ist mit seinen langen Gletscherflächen unfassbar gut zu erkennen.

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Fazit

Die Runde ist noch nicht vorbei, aber nun geht’s ausschließlich bergab. Mit ordentlich Hunger im Gepäck. Zum Glück kommen wir noch an der Gaudeamushütte vorbei. Und hier gibt’s super leckeren Kaiserschmarren. Ein verdienter Abschluss einer genialen Tour. Das beste: Es war unterwegs kaum was los. Vielleicht ist diese Wanderung sogar noch ein kleiner Geheimtipp im Kaisergebirge?

Wer noch ambitionierter unterwegs ist und wirklich hoch hinaus möchte, dem kann ich anschließend die Wanderung zur Ellmauer Halt empfehlen. Auf den höchsten Gipfel des Wilden Kaisers kommt ihr aber nur, wenn ihr Erfahrung im Bergsteigen mitbringt. An der einen oder anderen Stelle müsst ihr sogar ein bisschen kraxeln. Ebenfalls schön und etwas einfacher ist die Bergtour zur Hinteren Goinger Halt.

Lage

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