Bis zu 1.000 Meter tief fallen die Felswände am Cruz del Cóndor in die Tiefe. Doch ich schaue nach oben. Kurz vor neun stehe ich am Aussichtspunkt, als der erste Kondor an den Andenkämmen vorbeigleitet. Ein Dutzend Tourbusse säumt die Straße. Kameras richten sich nur noch auf ein Motiv. Und der Gleitflug des Kondors ist längst nicht das Einzige, was hier den Atem raubt. Denn mein eigentliches Ziel sind die Thermalbäder über dem Río Colca.
Lohnt sich ein Besuch des Colca Canyons in Peru?






Der Colca Canyon liegt im Süden von Peru, rund 100 Kilometer von der Stadt Arequipa entfernt. Die Schlucht erstreckt sich über rund 60 Kilometer durchs Andengebirge und zählt mit bis zu 3.400 Metern Tiefe zu den tiefsten der Welt. Stellenweise übertrifft sie sogar den Grand Canyon. Viele Aussichtspunkte und Passstraßen liegen auf mehr als 4.000 Metern Höhe. Der Río Colca hat das Tal geformt und bewässert seit Jahrhunderten die Terrassenfelder an den steilen Hängen. Zugleich machen heiße Quellen den Canyon zu einem Ort, an dem sich die Höhenluft besonders angenehm aushalten lässt. In mehreren Thermalbädern entlang des Tals steigt warmes Wasser aus dem vulkanisch geprägten Untergrund auf, darunter in den Baños Termales de Chacapi bei Yanque.
Hoch über der Schlucht kreist einer der größten flugfähigen Vögel der Erde: der Andenkondor. Mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern nutzt er die warmen Aufwinde des Canyons und segelt beinahe regungslos durch die Luft. Deshalb sind die Kondore meist erst am Vormittag zu sehen, wenn die Sonne die Luft über den Felswänden erwärmt. Der bekannteste Aussichtspunkt für ihre Gleitflüge ist der Mirador Cruz del Cóndor.
Fototipp: Ein Smartphone reicht für die Landschaft, doch für die Andenkondore lohnt sich eine Kamera mit Zoomobjektiv. Richte die Kamera auf die Felswände unterhalb des Mirador Cruz del Cóndor, noch bevor die Vögel in die Thermik aufsteigen. Oft tauchen sie plötzlich aus der Tiefe auf und gleiten dicht an den Besuchern vorbei. Eine kurze Belichtungszeit hilft, die Flügel im Flug scharf einzufangen.
Anreise zum Colca Canyon
| Lage: | Region Arequipa, Peru |
| Anreise: | Geführte Tour von Arequipa |
| Beste Reisezeit: | Mai – Oktober |
| Eintrittspreis: | ab 70 Soles |
| Besonderheit: | Thermalbäder |
Ausgangspunkt für einen Besuch des Colca Canyon ist die Stadt Arequipa im Süden von Peru. Arequipa erreichst du bequem per Inlandsflug aus Lima oder Cusco. Auch verschiedene Buslinien stehen zur Verfügung. In einem der Reisebüros buche ich eine Tagestour mit Weiterfahrt nach Puno für den nächsten Tag. Alternativ werden zwei- und dreitägige Touren angeboten, die sich online oder vor Ort reservieren lassen.
Kurz vor drei Uhr morgens holt uns ein Tourbus an der Unterkunft ab. Rund drei Stunden dauert die Fahrt nach Chivay. Dort frühstücken wir und holen das Boleto Turístico. Der Eintritt zum Canyon kostet bei meinem Besuch 70 Soles. Nach zwei kurzen Stopps erreichen wir kurz vor neun den Mirador Cruz del Cóndor. Am Aussichtspunkt bleibt etwa eine Stunde Zeit, um die Andenkondore beim Gleitflug zu beobachten.
Wer mehr Zeit hat, kann den Canyon auch selbstständig erkunden. Regelmäßige Busverbindungen führen nach Cabanaconde, dem Ausgangspunkt vieler Wanderungen. In den kleinen Orten entlang des Tals gibt es einfache Unterkünfte für eine Übernachtung.
Früh ins Bett vor der Tour in den Colca Canyon
Die Touren in den Colca Canyon starten meist gegen drei Uhr morgens. Wer die Kondore am Mirador Cruz del Cóndor sehen will, sollte am Vorabend früh ins Bett gehen. Während der Fahrt durchs Andenhochland lässt sich kaum Schlaf nachholen. Das Frühstück fällt meist schlicht aus, und bis zum Mittag gibt es nur wenige Möglichkeiten, unterwegs etwas zu essen. Ich empfehle, noch in Arequipa Obst und Snacks zu besorgen.
Beim Aufbruch liegen die Temperaturen oft unter null Grad, daher ist warme Kleidung wichtig. Bequeme Funktionskleidung und feste Wanderschuhe eignen sich am besten für Touren durch die Schlucht. Handtuch und Badebekleidung gehören ebenfalls in den Rucksack, denn entlang der Route liegen mehrere Thermalquellen.
Wichtig ist auch die Höhe: Die Straße führt bis auf rund 4.900 Meter über dem Meeresspiegel. Wer sich vorher ein paar Tage akklimatisiert, reist deutlich entspannter.
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Vor Sonnenaufgang nach Chivay
Um zwei Uhr morgens klingelt der Wecker. Noch im Halbschlaf frage ich mich, warum ich freiwillig so früh aufbreche. Die Hoffnung, während der dreistündigen Fahrt nach Chivay etwas Schlaf nachzuholen, erweist sich schnell als Illusion. Die Serpentinen im Andengebirge lassen keinen ruhigen Moment zu.
Der Coca-Tee ist das Erste, worauf ich beim Frühstück greife, um wach zu werden. Daneben stehen ein Stück Brot mit Butter und Marmelade sowie ein Quinoa-Getränk auf dem Tisch. Erste Sonnenstrahlen fallen über das Tal und vertreiben Kälte und letzte Müdigkeit.
Der Nevado Mismi wacht über eine Landschaft aus fruchtbaren Terrassenfeldern, kargen Felsen und goldenem Gras. Wie ein dunkler Faden zieht sich der Río Colca durch die gewaltige Schlucht. Um neun erreichen wir den Parkplatz am Mirador Cruz del Cóndor. Jetzt heißt es: Nacken anspannen und die Kamera bereithalten.
Der König der Anden
Die Junisonne steht schon hoch über dem Colca Canyon, als ein erstes Raunen durch die Besucherreihen geht. Wie Drachen gleiten mehrere Andenkondore am Rand der Schlucht nach oben. Mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern nutzen sie Thermik und Wind, um nahezu regungslos durch die Luft zu segeln.
Wie hypnotisiert folgt mein Blick den Vögeln über fast senkrechte Felswände, grüne Oasen und das Besuchermeer am Aussichtspunkt hinauf bis in den Himmel. Ich gehe näher an den Rand der Schlucht. Der Boden fällt abrupt weg. Mein Blick verliert jeden Halt. Ich kann die Tiefe nicht mehr in ein Bild bringen, sondern nur noch in einzelne Ausschnitte zerlegen: winzige Dörfer, Terrassenfelder für den Gemüseanbau, Alpakaherden und kleine Lagunen. Von oben wirkt die Schlucht wie eine Miniaturwelt aus Dörfern, Feldern und Wasserlinien.
Thermalbäder über dem Río Colca
Der Eintritt zur vielleicht angenehmsten Attraktion im Colca Canyon kostet 15 Soles. Ich lehne mich ins heiße Wasser und beobachte die Kajaks auf dem Río Colca vorbeiziehen. In den Baños Termales de Chacapi bei Yanque liegen mehrere Thermalbecken mit bis zu 38 Grad auf beiden Seiten des Tals.
Obwohl die Sonne längst Kraft hat, freuen sich die Muskeln über das heiße Bad. Spätestens hier verstehe ich, wie angenehm Akklimatisieren sein kann. Wer noch nicht genug Höhenmeter gespürt hat, kann die Schlucht mit dem Skybike auf einem Drahtseil überqueren. Alternativ geht es mit dem Kajak auf den Río Colca.
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Fazit
Ich nutze die Tagestour zum Colca Canyon auch als Transfer von Arequipa nach Puno, und es lohnt sich. Der Tagesablauf ist dicht, und viele Stunden vergehen im Tourbus. Doch selbst die Fahrt durchs Andenhochland wird Teil des Erlebnisses. Setz dich gleich rechts ans Fenster und genieß das Panorama.
Die Tour führt entweder zurück nach Arequipa oder weiter nach Puno. Auch auf dem Rückweg warten einige lohnende Stopps. Am Patapampa-Pass stehen wir auf 4.900 Metern Höhe mit Blick auf mehrere Vulkangipfel. In der Trockenzeit braucht es nicht viel Glück, um die Andenkondore zu sehen. Und spätestens im heißen Thermalwasser vergisst du ohnehin, wann der Tag begonnen hat.
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