„Es muss schön sein, einen Wasserfall vor der Haustür zu haben“, denke ich, als ich durch das Dorf spaziere. Wirklich begreifbar wird das erst, als uns Dragan mit mehligen Händen in seinen Garten einlädt. Wie die Mühlen wird auch seine Waschmaschine allein durch Naturkraft betrieben. Dragan ist der Letzte im Dorf, der noch die sogenannte Bučnica, eine Ökowaschmaschine, betreibt. Was in seinem Garten den Alltag prägt, wird wenige Minuten entfernt zum Herzstück von Martin Brod.
Lohnt sich ein Besuch in Martin Brod?





Martin Brod liegt im Nordwesten von Bosnien und Herzegowina in der Gemeinde Bihać. Hier mündet der Fluss Unac in die Una. Wasserfälle und Stromschnellen zieren nicht nur das Flussbett, sondern auch die Höfe der kaum hundert Einwohner. Zwischen bewaldeten Hängen fällt die Una am Milančev buk über zahlreiche Kaskaden rund 50 Meter ab und formt einen der größten Wasserfallkomplexe des Nationalparks Una.
Der Legende nach verliebte sich das Mädchen Marta in einen Soldaten auf der anderen Seite des Flusses. Beim Versuch, die Una zu überqueren, wurde sie von der Strömung erfasst und ertrank. Seitdem soll der Ort ihren Namen tragen.
Fototipp: Vom Holzsteg aus öffnet sich der beste Blick auf die Wasserfälle am Milančev buk. Am Vormittag liegt das Licht günstig auf den Kaskaden. Mit längerer Belichtung lässt sich die Bewegung des Wassers besonders gut einfangen.
Anreise nach Martin Brod
| Lage: | Bosnien und Herzegowina |
| Anreise: | Pkw |
| Must-See: | Milančev buk |
| Eintrittspreis: | 5 KM |
| Besonderheit: | Bučnica |
Für die Anreise nach Martin Brod ist ein Auto erforderlich. Öffentliche Verkehrsmittel fahren den Ort nicht direkt an. Von Bihać führt die Straße R408 in Richtung des Nationalparks Una bis zum Eingang 5. Von dort gelangt man direkt zu den Wasserfällen. Am Kloster Rmanj gibt es einen kleinen Parkplatz. Auch in der Nähe des Eingangs kann geparkt werden.
Die Eintrittsgebühr für den Nationalpark beträgt 5 KM. Nach Bihać gelangt man über Österreich und Slowenien auf der Autobahn und weiter durch Kroatien. Wer kein eigenes Fahrzeug hat, für den ist ein Mietwagen die sinnvollste Option. Von Bihać aus ist auch eine Fahrt mit dem Taxi möglich, allerdings ist sie vergleichsweise teuer.
Bargeld einpacken
Am Eingang des Nationalparks wird schnell klar: Ohne Bargeld geht wenig. Auch viele Restaurants und Geschäfte akzeptieren nur bosnische Marken. Es ist daher sinnvoll, in Bihać Geld abzuheben oder zu wechseln. Der späte Frühling und der frühe Herbst eignen sich am besten, um die Wasserfälle in voller Kraft zu erleben.
An der Una ist es deutlich kühler als in der Stadt, eine zusätzliche Jacke ist sinnvoll. Ein Besuch am Vormittag lohnt sich. Wenn die Sonne durch die Bäume fällt, leuchtet das Wasser smaragdgrün.
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Ein Dorf im Herzen der Una
Kurz vor dem Ziel fällt aus dem Autofenster ein Viadukt ins Auge. Aus dem Grün der Landschaft hebt sich die ehemalige Eisenbahnbrücke ab. Früher führte hier eine Bahnstrecke durch das Una-Tal, von Novi Grad über Bihać bis nach Knin. Die Strecke galt als eine der landschaftlich reizvollsten Bahnstrecken der Region.
Eine Holzhütte markiert den Eingang 5 zu den Wasserfällen von Martin Brod. Für 5 KM betreten wir den Nationalpark. Schon jetzt rauscht das Wasser. Erlen, Weiden und Pappeln säumen den Weg zum Milančev buk. Von allen Seiten strömt die Una über die Tuffsedimente und übertönt die Gespräche der wenigen Besucher. Bin ich hier gerade in einer Kulisse aus Studio Ghibli gelandet?
Wasserfälle vor der Haustür
Am Milančev buk fächert sich das Wasser wie ein weißer Schleier über die Tuffterrassen. Gischt sprüht aus allen Richtungen, während ein Einheimischer die Ortslegende über die verunglückte Marta aufgreift: Die Una habe ihr ein würdiges Hochzeitskleid hinterlassen. Erst das verlassene Haus oberhalb des Wasserfalls lässt erahnen, dass nur wenige Schritte entfernt ein Dorf liegt. Wir folgen dem Schild mit der Aufschrift „Bučnica – Ökowaschmaschine“. Durch Dragans Garten fließt ein Wasserfall, daneben mahlt er Mehl für die Besucher. Wassermühlen werden hier bis heute betrieben.
Stolz zeigt uns Dragan seine Waschmaschine, die ebenfalls allein durch die Kraft des Wassers wäscht. Ein großer Teppich verschwindet in der Trommel, als er die Maschine in Gang setzt. Ganz ohne Strom und Waschmittel wird die Bučnica noch heute genutzt, um Teppiche und Decken zu reinigen. Es klappt auch mit meinem Hoodie. Und im Rucksack ist gerade noch Platz für ein paar Kilo Mehl.
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Fazit
Während Martin Brod seit Jahren Einwohner verliert, werden immer mehr Reisende auf das Dorf aufmerksam. Zwischen Wasserfällen, Wassermühlen und Geschichten der Dorfbewohner versteckt sich der schönste Teil des Una-Tals. Besonders im Mai lohnt sich ein Besuch. Dann führt die Una viel Wasser und strömt mit voller Kraft über die Kaskaden und durch die Höfe des Dorfes. Für die Erkundung von Martin Brod genügt bereits ein halber Tag.
Wer mehr Zeit mitbringt, sollte auch dem Kloster Rmanj einen Besuch abstatten. Das Kloster aus dem 15. Jahrhundert liegt nur wenige Minuten vom Eingang des Nationalparks entfernt. Auch die Antwort aufs Mittagessen liefert die Una selbst: In den Restaurants in der Umgebung gehört frische Forelle zu den Klassikern. Und wer anschließend weiter durch den Nationalpark fährt, erreicht mit dem Štrbački buk auch den bekanntesten Wasserfall der Una.
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