Vorsichtig bahne ich mir den Weg über den felsigen Grat. Jeder Schritt ist ein Balanceakt und erfordert volle Konzentration. Alle paar Meter bleibe ich stehen, um den Blick auf mich wirken zu lassen: Weit unter mir zieht sich der Aletschgletscher wie ein riesiges weißes Band durch die alpine Schweizer Landschaft. Unfassbar beeindruckend! Ich nehme dich mit auf den UNESCO-Höhenweg in der Aletsch Arena im Wallis.
Lohnt sich die Wanderung über den UNESCO-Höhenweg?






Die Aletscharena im Schweizer Kanton Wallis liegt oberhalb des Rhonetals zwischen 1.800 und 2.200 Metern und gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe „Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch“. Hier befindet sich auch der größte Gletscher der Alpen: Der Aletschgletscher umfasst eine Länge von 20 Kilometern und über 80 Quadratkilometern.
Besonders beeindruckende Ausblicke auf den Gletscher hat man auf dem UNESCO-Höhenweg, der sich etwa 1,5 Kilometer vom Bettmerhorn über einen spektakulären Grat bis zum Eggishorn erstreckt. Der Panoramaweg ist eine eindrucksvolle Tour für trittsichere und schwindelfreie Bergwanderer, für die man etwa zwei bis drei Stunden einplanen sollte.
Fototipp: Entlang der Strecke gibt es immer wieder tolle Aussichtspunkte, an denen man grandiose Aufnahmen mit dem Aletschgletscher machen kann. Je weiter man läuft, desto besser wird der Blick. Bei guter Sicht eröffnet sich am Ende vom Gipfel des Eggishorn die gesamte Länge des Gletschers – inklusive Eiger, Mönch und Jungfrau im Hintergrund.
Anreise zur Bettmeralp
| Strecke: | 4 km (Bettmerhorn – Eggishorn) |
| Höhenmeter: | 470 hm |
| Gehzeit: | 2 – 3 Stunden |
| Einkehrtipp: | Bergrestaurant Horli-Hitta |
| Beste Reisezeit: | Juni bis September |
Die autofreie Gemeinde Bettmeralp liegt auf 1.950 Metern und ist nur mit der Luftseilbahn ab Betten erreichbar. Hierher gelangst du unkompliziert mit dem Zug – von Zürich aus benötigt man mit Umstieg in Brig etwa zwei Stunden. Danach führen zwei Seilbahnen hinauf bis zum Bettmerhorn, wo die Tour startet.
Wer mit dem Auto anreist, kann sein Fahrzeug direkt im Parkhaus am Bahnhof in Betten abstellen und fährt nach der Tour ab Fiesch mit der Bahn wieder hierher zurück.
Ausrüstung für die Gratwanderung
Um Punkt 8:30 Uhr stehen wir vor der Seilbahnstation an der Bettmeralp, wo wir auch die Nacht verbracht haben. Hier oben schläft es sich dank absoluter Stille und frischer Bergluft nicht nur besonders gut – auch der Ausblick auf die unzähligen Viertausender der Walliser Alpen samt Matterhorn und Dom ist absolut beeindruckend. Wir sind die Ersten, die an diesem Tag mit der Gondel hinaufschweben. Früh starten lohnt sich, weil es besonders ruhig ist, die Sicht oft klarer und man außerdem dem Nachmittagsgewitter im Hochsommer entgeht.
An den Füßen: gute Wanderschuhe mit Profil. Auf dem Rücken: ein kompakter Tagesrucksack mit Regenjacke, 1,5 Litern Wasser, Erste-Hilfe-Set und ein paar Snacks. Mehr braucht es für die Tour nicht. Auch Wanderstöcke sind nicht zwingend notwendig, da die Route hauptsächlich über Blockgelände verläuft. Der Grat ist sehr exponiert – denkt also unbedingt an Sonnenschutz und tretet die Tour nur bei stabilen Wetterbedingungen an. Nasse Felsen durch Regen und erst recht ein Gewitter wären hier oben fatal.
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Aussichtsreiche Gratwanderung mit Blick auf Aletschgletscher
Nach nicht mal zehn Minuten steigen wir an der Bergstation auf 2.647 Metern aus. Bevor wir den Aufstieg zum Bettmerhorn angehen, könnt ihr auch noch einen Abstecher zur Aussichtsplattform machen, von der sich ein toller erster Blick auf den unteren Teil des Großen Aletschgletschers eröffnet. Aber ich verspreche euch: Es wird im Verlauf der Tour immer besser.
Von der Bergstation folgen wir nun immer den weiß-blauen Markierungen und erreichen nach etwa einer halben Stunde das riesige Gipfelkreuz des Bettmerhorns auf 2.647 Metern. Ab hier beginnt die Kraxelei dann erst richtig. Am Gipfel startet der gut 1,5 Kilometer lange Gratweg, der teils exponiert, aber gut mit Drahtseilen und Tritthilfen versichert ist. Jetzt ist Konzentration gefragt.
Grand Finale am Eggishorn
Langsam bahnen wir uns den Weg über den Grat und balancieren von Felsblock zu Felsblock. Das macht Spaß. Ich fühle mich wie ein kleiner Steinbock. Immer wieder bleiben wir stehen und lassen den sagenhaften Blick auf den Aletschgletscher auf uns wirken. Ein tolles Fotomotiv folgt dem nächsten. Achtet aber unbedingt darauf, immer einen sicheren Stand zu haben. Nachdem wir am Ende des Grats angekommen sind, steigen wir zur Elselicka bergab. Ab hier wird das Gelände wieder leichter, und über einen Wanderweg gelangen wir zur Bergstation der Seilbahn Eggishorn.
Zwar ist der Ausblick auch vom View Point schon grandios, aber wenn ihr noch Kraft habt, empfehle ich euch unbedingt, noch auf den Gipfel des Eggishorns aufzusteigen. Hier erwartet euch eines der wohl eindrucksvollsten Panoramen der Alpen. Denn hier sieht man erstmals den Aletschgletscher in seiner vollen Pracht mit der perfekt geschwungenen Kurve, die er zieht. Rundherum ragen die imposanten Gipfel der Walliser Alpen auf. Wir sind gefühlt auf Augenhöhe mit Eiger, Mönch und Jungfrau! Absolut beeindruckend!
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Fazit
Selig schweben wir mit der Gondel von der Bergstation Eggishorn zurück ins Tal. Die Tour hat wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dank der Seilbahnen können trittsichere und schwindelfreie Bergwanderer hier ohne großen Zu- und Abstieg eine herausfordernde, aber sehr aussichtsreiche Gratwanderung erleben, während der sich der Aletschgletscher aus den verschiedensten Perspektiven zeigt. Landschaftlich wirklich spektakulär – für mich definitiv ein absolutes Highlight im Wallis.
Zur Einkehr empfehle ich weiter unten am Herrenweg die Bättmerhitta. Hier gibts Cholera. Eine Art herzhafter Kuchen aus Kartoffeln, Äpfeln, Käse, Lauch und Zwiebeln, also all den Zutaten, die man während der Cholera-Epidemie um 1830 sowieso im Keller hatte. Auch die Cremeschnitte ist sehr lecker! In der Aletscharena könnt ihr im Winter übrigens auch eine tolle Schneeschuhwanderung unternehmen. Im Sommer bietet sich die Tour über den Aletsch-Panoramaweg zur spektakulären Hängebrücke an!
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