Ich stehe auf dem 1.850 Meter hohen Gipfel des Großen Traithen. Über mir weitet sich der Himmel, unter mir breiten sich die grünen Täler des Inntals aus, und zwischen beidem führt der schmale Grat hinüber zum Steilner Joch. Das Panorama ist fantastisch: Wendelstein, Kaisergebirge, bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der Zentralalpen. Hier oben sind noch andere Wanderer, doch schon bei der Überquerung bin ich allein. Der Wind trägt den Duft von Latschenkiefern, und die Sonne erleuchtet die grauen Zacken der Bayerischen Voralpen. Ein Weg zwischen Himmel und Erde.
Lohnt sich die Wanderung auf den Großen Traithen?





Wer von München aus zu einer vergleichsweise hohen Tageswanderung starten möchte, landet bei der Online-Suche schnell bei den immer gleichen Ergebnissen. Auch der Große Traithen im östlichen Mangfallgebirge ist kein Geheimtipp. Viele Wanderer steigen über Sudelfeld oder Rosengasse auf. Aber es gibt einen wenig frequentierten Aufstieg vom Ursprungtal aus, den ihr dank des Münchner Bergbusses auch ganz ohne eigenes Auto erreichen könnt. Hoch geht es steil und etwas matschig durch den Bergwald, über eine Kuhweide hin zur Fellalm, wo ihr euch mit Kaffee oder Bier, Suppe und Kuchen stärken könnt.
Vom Rastplatz aus seht ihr auch schon den 1.852 Meter hohen Gipfel des Großen Traithen, von hier aus erreichbar in einer halben Stunde über einen recht steinigen und steilen Pfad. Oben belohnt der Gipfel mit einem 360-Grad-Blick über das Inntal, den Wendelstein und die Gipfel des Wilden Kaisers. Hinab geht es über den Grat hinüber zum Steilner Joch. Eine echte Panoramatour, ideal für geübte Wanderer, die den Mix aus Natur, Aussicht und alpinem Charakter lieben.
Fototipp: Der spektakulärste Fotomoment dieser Tour liegt auf dem Grat zwischen Steilner Joch und Großem Traithen. Wer die Weite einfangen möchte, nutzt am besten ein Weitwinkelobjektiv, für Detailaufnahmen lohnen sich Zooms auf die Gratlinie oder die Almen unterhalb.
Anreise zum Stocker-Parkplatz
| Strecke: | 8,1 km |
| Höhenmeter: | 1.214 hm |
| Gehzeit: | 4,5 Stunden |
| Einkehrtipp: | Fellalm |
| Schwierigkeit: | T3, schwer |
Der Ausgangspunkt der Wanderung liegt am Stocker-Parkplatz im Ursprungtal, nahe Bayrischzell. Wer nachhaltig anreisen möchte, nutzt den Münchner Bergbus, der an Wochenenden und Feiertagen genau dorthin fährt. Ihr habt mehrere Zustiegs- sowie Abfahrts- und Rückfahrtszeiten zur Auswahl. Checkt am besten vorher online den Fahrplan. Im Bus gilt auch das Deutschlandticket.
Mit dem Auto nimmt man von München aus zunächst die A8 Richtung Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Weiter geht es durch Miesbach und Bayrischzell. Hinter dem Ort biegt man ins Ursprungtal ab und folgt der schmalen Straße bis zum Wanderparkplatz.
Aufstieg, wo die Kühe abgestiegen sind
Am frühen Morgen liegt der Stocker-Parkplatz noch im Schatten der Hänge. Der Weg zieht sich zunächst in sanften Kehren durch den Wald, begleitet vom Rauschen eines Baches. Kaum verlasse ich den breiten Forstweg hin zu einem schmaleren Pfad, wird der Boden so matschig, dass ich froh bin, heute mit knöchelhohen Wanderschuhen aufgebrochen zu sein.
Der Boden ist jetzt übersät mit tiefen Löchern vom Durchmesser einer Orange. Den Grund erfahre ich später: Gestern wurden gut 30 Jungrinder vom Berg abgetrieben, die mit ihren Füßen und schweren Körpern dem Boden so zugesetzt haben. Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen. Jetzt weicht der Wald zurück. Über die verlassene Kuhweide geht es zur Fellalm.
Auch interessant: Leichte Rundwanderung am Schliersee mit schöner Bergkulisse





Rast an der Fellalm
Die Fellalm ist ein großes steinernes Gebäude mit hölzernem Balkon und Sonnenterrasse. Ich habe Glück: Die Senner sind noch ein paar Tage länger hier oben als die Kühe und halten Getränke sowie einfache Mahlzeiten bereit. Zeit für eine Rast mit Bergblick. Eine halbe Stunde brauche ich von hier noch auf den Großen Traithen, und ich bin nicht mehr allein. Gemeinsam mit den Wanderern, die über das Sudelfeld oder die Rosengasse aufgestiegen sind, geht es jetzt steinig und steil aufwärts. Der Weg ist nun flankiert von Latschen und definitiv nur noch etwas für Geübte.
Oben sitzen sie dann alle, genießen die mitgebrachte Gipfelbrotzeit und das 360-Grad-Panorama – von den Chiemgauer Alpen im Norden bis zu den schroffen Spitzen des Wilden Kaisers im Süden. Von hier hat man auch einen schönen Blick auf den eindrucksvollsten Teil der Tour: den Grat hinüber zum Steilner Joch, ein schmaler Rücken zwischen Himmel und Erde.
Über den Grat zum Steilner Joch
Der Grat vom Steilner Joch hinüber zum Großen Traithen ist das Herzstück dieser Wanderung. Der Pfad verläuft aussichtsreich, aber sicher, und bietet auf jedem Meter neue Perspektiven. Zur Rechten fällt der Hang steil ins Inntal, zur Linken ziehen sich die Almflächen bis zum Wendelstein. Nachdem das zweite Gipfelkreuz erreicht ist, geht es links herum wieder hinab. Der Weg ist drahtseilversichert, und jetzt muss sogar richtig geklettert werden! In weitem Bogen geht es zunächst hinab und zuletzt wieder ein Stück aufwärts zurück zur Fellalm.
Wer noch nicht genug Gipfelluft geschnuppert hat, kann jetzt über einen zehnminütigen Abstecher auch noch zum Kleinen Traithen aufsteigen. Ich hingegen finde die Tour lang genug und mache mich jetzt an den Abstieg.
Auch interessant: Beliebte Gipfelwanderung auf den Wendelstein (1.838 Meter)
Fazit
Die Wanderung vom Großen Traithen zum Steilner Joch ist ein alpines Erlebnis voller Abwechslung – stiller Aufstieg, luftiger Grat und majestätische Fernsicht. Die Tour ist fordernd, aber nicht übermäßig schwer – perfekt für alle, die echte Bergatmosphäre suchen, ohne ins Hochalpine zu gehen. Die kleine Einkehr in der Fellalm rundet das Gesamterlebnis ab. Für eine ausgiebige Stärkung nach der Tour gibt es gemütliche Gasthäuser im idyllischen Bayrischzell.
Wer länger in der Umgebung ist, kann zur Rotwand aufsteigen oder dem Wendelstein einen Besuch abstatten – das geht übrigens auch ganz bequem mit der Seilbahn oder Zahnradbahn.
Schreibe einen Kommentar