Ich stehe oben auf den felsigen Klippen Sardiniens, die vor mir steil abfallen. Der Wind trägt den salzigen Duft des Mittelmeers herauf. Vor mir senkt sich die Sonne langsam in das tiefblaue Meer und taucht die schroffen Klippen des Capo Caccia in ein warmes Licht. Hinter mir: die Grotta delle Brocche Rotte. Hier oben, fernab von Sardiniens Stränden und Trubel, offenbart die Insel ein ganz anderes Gesicht: wild, schroff und fast schon mystisch still. Liegt hier die spektakulärste und schönste Höhle Sardiniens versteckt?
Lohnt sich die Tour zur Grotta delle Brocche Rotte auf Sardinien?




Die Grotta delle Brocche Rotte liegt an der dramatischen Steilküste des Capo Caccia auf Sardinien, rund 25 Kilometer nordwestlich von Alghero in der Region Porto Conte. Diese Ecke Sardiniens ist bekannt für ihre schroffen Kalkfelsen, das türkisfarbene Meer und die bilderbuchreifen Sonnenuntergänge. Übersetzt bedeutet der Name „Höhle der zerbrochenen Krüge“.
Er geht auf Keramikfragmente zurück, die einst im Inneren der Höhle gefunden wurden. Vermutlich stammen sie aus früheren Zeiten, in denen sie als Unterschlupf oder Rastplatz diente. Einen befestigten Weg zur Höhle gibt es nicht. Vielmehr führt der Wanderpfad über Steine, Felsen und zwischen Hecken hindurch bis zu einem spektakulären Aussichtspunkt.
Fototipp: Der spektakulärste Fotopunkt befindet sich direkt am Eingang der Höhle, mit Blick durch die Öffnung hinaus aufs Meer. Hier entsteht ein natürlicher Bilderrahmen: der runde Höhlenbogen vorn, dahinter das weite Blau des Mittelmeers und die Steilküste – und bei Sonnenuntergang wird diese in warmem Licht angestrahlt.
Anreise zur Grotta delle Brocche Rotte am Capo Caccia
| Lage: | Capo Caccia, Sardinien |
| Anreise: | Pkw |
| Gehzeit: | 30–40 Minuten |
| Beste Besuchszeit: | zum Sonnenuntergang |
| Besonderheit: | kein befestigter Weg |
Die Grotta delle Brocche Rotte erreicht ihr über den Aussichtspunkt Belvedere Foradada am Capo Caccia. Dieser liegt rund 30 Autominuten von Alghero entfernt. Die Strecke dorthin führt über gut ausgebaute Straßen mit einigen kurvigen Passagen entlang der Steilküste.
Öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht direkt bis zum Startpunkt der Wanderung. Parkmöglichkeiten gibt es direkt an der Straße des Aussichtspunkts, der sich am Rand der spektakulären Klippenlandschaft befindet. Hier könnt ihr kostenfrei parken. Aber Achtung: Viele Parkplätze gibt es hier nicht.
Trittsicher zur Grotta delle Brocche Rotte
Der Aufstieg zur Grotta delle Brocche Rotte dauert vom Parkplatz knapp 40 Minuten. Trotz der kurzen Strecke solltet ihr die Wanderung aber nicht unterschätzen. Der Pfad verläuft durch unbefestigtes Terrain, teilweise wird es steil und steinig. Trittsicherheit und festes Schuhwerk sind daher ein Muss. Wer die Grotte zum Sonnenuntergang erklimmen möchte, packt zudem besser eine Stirnlampe ein, um auch in der Dämmerung den Weg sicher zurück zum Ausgangspunkt zu finden.
Vom Aussichtspunkt Belvedere führt dann ein unscheinbarer Trampelpfad am linken Rand der Felswand entlang. Offizielle Schilder gibt es nicht, nur die roten, blauen oder weißen Farbmarkierungen weisen den Weg über Steine, Felsen und durch das dürre Gestrüpp. Ihr durchquert die für Sardinien typische Macchia-Vegetation mit dem Duft von Wacholder und wildem Lavendel. Erste spektakuläre Ausblicke auf die Küstenlinie und das offene Meer tun sich auf.
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Letzter Anstieg zur Grotta delle Brocche Rotte in luftiger Höhe
Der letzte Abschnitt läutet den anspruchsvolleren Teil des Aufstiegs zur Grotta ein. Der Pfad verläuft entlang eines steilen Abhangs, teils direkt an der Klippe. Schritt für Schritt klettere ich über die großen Felsbrocken. Einige Passagen sind schräg geneigt oder mit losem Geröll bedeckt.
Der Weg bleibt durch die rötlich ausgetretene Erde, die immer wieder zwischen dem Gestrüpp der Hecken aufblitzt, gut sichtbar. Je weiter es nach oben entlang der Klippe geht, desto stärker wird auch der Wind. Auf einmal wirkt die Umgebung um mich herum rau und laut. Hier sollte man auf jeden Fall sehr vorsichtig sein.
Ein felsiges Fenster zum Meer
Und dann öffnet sich der Fels. Nach dem letzten felsigen Abschnitt liegt über mir die Grotta delle Brocche Rotte. Auf den ersten Blick wirkt sie fast unscheinbar; wie eine natürliche Nische in der imposanten Wand. Der helle Kalkstein ist hier oben vom Wind gezeichnet. Der Eingang zur Höhle ist etwa drei Meter hoch, und ich kann nur wenige Schritte in das Innere hineinklettern. Hier türmen sich große Felsbrocken, es ist kühl und windstill.
Nun wird mir klar, warum die Höhle vor langer Zeit ein beliebter Rückzugsort für Hirten oder Fischer war. Umgeben von den schroffen Felswänden entsteht ein Gefühl der Geborgenheit. Die Höhle selbst ist kein Ort zum Erkunden, sondern zum Verweilen. Vor mir breitet sich das Mittelmeer aus, in der Ferne die Silhouette der Isola Foradada, und am Horizont kann ich vom „Balkon“ der Grotta den Sonnenuntergang beobachten. Wirklich wunderschön!
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Fazit
Die Wanderung zur Grotta delle Brocche Rotte auf Sardinien ist kurz, aber intensiv – und absolut lohnenswert. Nur ein paar Schritte vom viel besuchten Aussichtspunkt entlang der Straße entfernt findet sich ein spektakulärer Ort, verborgen im Fels. Wer etwas Abenteuerlust mitbringt, schwindelfrei ist und Sardinien abseits der klassischen Strände erleben möchte, wird hier fündig. Besonders zum Sonnenuntergang entfaltet die Höhle ihre volle Magie und zeigt, wie vielfältig die „Karibik Europas“ doch ist.
Und für noch mehr Höhlenabenteuer: In der Gegend befindet sich auch die bekannte Neptungrotte. Außerdem lohnt sich ein Spaziergang am Capo Caccia oder eine Bootstour in der Bucht von Porto Conte.
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