Im nördlichsten Norden von Sardinien liegt eine echte Perle der Insel – und wahrscheinlich auch über die Insel hinaus: Das Capo Testa. Die unwirkliche Landschaft aus zerklüfteten Steinen, die durch den Wind und das Meer über Jahrtausende hinweg geformt wurde, ist – zumindest im Mittelmeerraum – wahrscheinlich einzigartig. Die italienische Halbinsel hat aber nicht nur wild geformte Steinmonumente zu bieten, sondern auch diverse Buchten, Strände und mehr. Durch eine Wanderung habe ich den „wilden Norden“ von Sardinien erkundet.

Lohnt sich das Capo Testa auf Sardinien?

Sardinien ist nicht nur eine der größten Inseln im Mittelmeer, sondern landschaftlich sicher auch eine der reizvolleren, denn sie bietet eigentlich alles, was das Herz eines Reisenden begehrt: Ihr könnt in den Bergen wandern, in malerischen Buchten baden oder in den sehenswerten Städten Architektur und die sardische Küche genießen.

Die Wege zwischen den einzelnen Orten sind vergleichsweise lang – und werden durch die teilweise sehr herausfordernden Straßenverhältnisse nicht kürzer. Dies gilt auch für unser heutiges Ziel: Das Capo Testa. Der Weg auf die Halbinsel führt euch über eine schmale Straße, auf der an beiden Seiten mit dem Spiaggia zia Culumba und Rena die Ponente zwei herrliche, langgestreckte Strände liegen.

Fototipp: Gleich am Beginn der Wanderung habt ihr auf der rechten Seiten einen schönen Blick auf die Bucht an der Spiaggia di Cala Spinosa. Hier zaubert ihr bei Windstille grandiose Aufnahmen mit dem glasklaren, türkisfarbenen Wasser im Vordergrund.

Anreise zum Capo Tesa

Must-Do:Wanderung
Länge:ca. 5 km
Höhenmeter:knapp 150 m
Dauer:ca. 2,5 h
Schwierigkeit:leicht bis mittel

Der Weg zum Capo Testa beginnt in unserem Fall in Olbia, der größten Stadt im Norden der Insel. Hier existiert einer der größten Häfen von Sardinien. Wenngleich es von Olbia bis nach Capo Testa – je nach Route – nur ca. 70 Kilometer sind, so solltet ihr trotzdem 1,5 Stunden für den Weg einplanen. Ihr fahrt beispielsweise über eine Route quer durch den Norden von Sardinien.

Hier kommt ihr an den Orten Palau und Porto Pozzo vorbei, bevor ihr als letzte Stadt vor Capo Testa Santa Teresa Gallura erreicht, die sehr sehenswert ist und teils auf einem Hügel oberhalb des Meeres errichtet ist. Nach weiteren 10 Minuten Fahrt habt ihr das Städtchen Capo Testa und damit die gleichnamige Halbinsel erreicht. Kleine Straßen, an denen ihr euer Auto abstellen könnt, führen euch weiter bis zum Kap. Außerdem könnt ihr mit dem Bus von Santa Teresa Gallura nach Capo Testa fahren. Die Buslinie 108 braucht knapp 10 Minuten.

Wanderung durch die “Felsenstadt”

Am Anfang der Wanderung ist das Areal von Capo Testa zunächst durch kleine Wanderwege geprägt, die an den Seiten mit den für Sardinen typischen Macchia-Gewächsen – kleinen Büschen und Wildkräutern – gesäumt sind. Verschiedene Wege führen über die Halbinsel. Grundsätzlich ist es egal, für welche Route ihr euch zu Beginn entscheidet, da ihr die komplette Halbinsel – inklusive Fotopausen – in etwa 2 bis 3 Stunden durchwandern könnt. Wir haben uns zu Beginn auf der rechten Seite, entlang der Küste, gehalten. Ihr taucht hier nach wenigen Minuten Wanderung in eine komplett andere Welt ein. Die Macchia verschwindet zunehmend und ihr steht zwischen Bergen aus bizarren Granitfelsen. Einzigartige Felsformationen haben sich gebildet. Bei rauer See schießen die Wellen meterhoch an den Felsen am Ufer empor. Bei gutem Wetter könnt ihr über das Meer bis nach Korsika schauen.

Der Weg führt weiter entlang der Küstenlinie, vorbei an den beiden Leuchttürmen. Entlang der Küste sind mehrere Buchten und Badestrände zu sehen, so zum Beispiel der Spiaggia Cala Francese. Und fast direkt dahinter: das berühmte Valle della Luna – das Tal des Mondes.

Abstecher zu den Hippies

In diesem malerischen Tal, welches auf der einen Seite mit einem Strand zwischen den Felsen im Meer endet, lebten in den späten 60er Jahren zahlreiche Hippies, die in kleinen Felshöhlen ihren Unterschlupf fanden. Es ist für uns das Highlight von Capo Testa. Noch heute sind die Spuren der Hippies zu erkennen – beispielsweise durch einen bunt geschmückten Totempfahl am Meer. Mit etwas Glück lassen sich hier auch Schildkröten beobachten, die auf Sardinien heimisch sind. Noch heute leben einige „Aussteiger“ in den Höhlen. In den Sommermonaten gesellen sich einige Wildcamper hinzu – obwohl das wilde Campen auf der Insel eigentlich verboten ist. Die Ordnungshüter sehen an dieser Stelle aber seit Jahren darüber hinweg. 

Der Weg führt weiter bis zur Cala Grande, einem Seitenarm des Tals des Mondes, der ebenfalls bis heute ein „Hippie-Hotspot“ ist. Von hier aus geht es mit einem kleinen Umweg weiter über die kleine Siedlung Funtanaccia zurück zum Ausgangspunkt. Empfehlenswert ist hier auch ein Abstecher der Küstenabschnitt Scogliera della Funtaniccia, der etwas außerhalb von Funtanaccia liegt. Ihr wandert dorthin ca. 30 Minuten. Hier könnt ihr einen kurzen Badestopp einlegen. Die Landschaft ist hier völlig anders, als auf der anderen Seite von Capo Testa. Statt beeindruckenden, hellen Felsen, erwartet euch hier terrassenartige Felsflächen, die bis ins Meer hinein reichen.

Ihr könnt aber auch vor Funtanaccia den direkten Weg über das Innere der Halbinsel zurück nehmen. Hier wandert ihr durch Täler und kleine Hügel, entlang der immergrünen Vegetation auf der einen und den Granitfelsen auf der anderen Seite. Zum Abschluss eurer Tour stärkt ihr euch am besten in der Paninoteca Groove on the Rocks, die kurz vor eurem Parkplatz mit einer schönen Aussichtsterrasse und leckeren Burgern auf euch wartet.

Fazit

Zweifellos ist Capo Testa ein einmaliges Erlebnis. Die kleinen Buchten und Strände sind ideal zum Baden und Schnorcheln. Hügel und Ebenen laden zum Wandern ein. Die Felsformationen sind zudem ein genialer Fotospot, der sich in eurer Insta-Story sicher ganz hervorragend macht. Durch die kompakte Größe eignet sich Capo Testa zudem für einen Abstecher bei einem Tagesausflug in den Norden von Sardinien. Da es im Sommer recht voll werden kann, seid entweder gleich früh zeitig da, wenn ihr in den Buchten baden wollt – oder wählt als Reisezeitraum die Nebensaison. Im September ist das Meer beispielsweise noch sehr angenehm. 

Nach eurer Tour könnt ihr außerdem zum Sightseeing in das sehenswerte Städtchen Santa Teresa Gallura fahren. Hier könnt ihr beispielweise den Torre di Longonsardo o Torre Spagnola, einen ehemaligen Festungsturm, direkt am Meer besichtigen – tolles Panorama inklusive. Wenn ihr mehr Kultur wollt, dann macht schon auf dem Weg nach Santa Terasa Halt an der Sito Archeologico lu Brandali. Die Geschichte der ehemaligen Siedlung reicht über 3000 Jahre zurück.

Lage

Praktische Links

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