Palmen vor schneebedeckten Gipfeln, malerische Küstenorte, dazu mediterrane Lebensart und jede Menge Sonnenstunden: Der Lago Maggiore, gelegen in der Schweiz und in Italien, ist seit über hundert Jahren ein Sehnsuchtsziel für Urlauber. Aktiv sein oder es ruhig angehen lassen – beides geht hier wunderbar. Ich habe die Nordspitze des Sees im Tessin besucht und neben bekannten Sehenswürdigkeiten ein paar Geheimtipps entdeckt.

Lohnt sich ein Besuch am nördlichen Lago Maggiore?

Der Lago Maggiore, nach dem Gardasee der zweitgrößte See im Südalpenraum, gehört größtenteils zu Italien. Wir haben die Nordspitze des Sees besucht. Sie ist Teil des Schweizer Kantons Tessin, der auch die „Sonnenstube der Schweiz“ genannt wird. Zahlreiche Palmen in der Umgebung des Sees zeugen vom ganzjährig milden Klima.

Es geht schweizerisch gemütlich zu, doch in der Hochsaison kann es schon mal trubelig werden: Die Region ist seit über hundert Jahren ein beliebtes Urlaubsziel. Bevor die Touristen kamen, war der Monte Verità bei Ascona ein Treffpunkt für Menschen, die einen alternativen Lebensstil suchten. Abseits der bekannten touristischen Orte gibt es noch immer verschlafene Dörfer, in denen das Leben still zu stehen scheint. Amtssprache im Tessin ist Italienisch, aber die meisten Menschen sprechen auch Deutsch.

Instatipp: Der See ist an praktisch jeder Stelle ein fantastisches Fotomotiv. Besonders tolle Ausblicke gibt es von San Pancrazio, der größeren der Brissago-Inseln.

Anreise zum nördlichen Lago Maggiore

Mit dem Auto sind es von München aus fünf bis sechs Stunden, von Berlin aus etwa zehn Stunden. Wer wie wir keine Lust hat, die ganze Strecke mit dem Auto zu fahren, kann zum Beispiel bis Mailand fliegen und sich dort einen Mietwagen nehmen. Von Mailand bis Ascona sind es etwa zwei Stunden.

Noch besser: die Anreise mit dem Zug. Von München bis Locarno sind es sechseinhalb Stunden mit der Bahn. Vor Ort seid ihr mit Auto flexibler, doch auch mit Bus und Bahn ist einiges möglich: Der Schweizer Nahverkehr ist gut ausgebaut und bedient auch die entlegensten Täler im Tessin. 

Mal gemächlich, mal wild

Lage:südlicher Alpenraum
Wassertemperatur:20-23 Grad zwischen Juni und Oktober 
Größe (Oberfläche):212 km²
Aktivitäten:Baden, Wandern, Flanieren
Must-See:Brissago-Inseln

Wenn ihr Urlaub am Lago Maggiore macht, habt ihr alle Möglichkeiten: Ihr könnt es beim Flanieren auf den Promenaden am Ufer des Sees oder bei einer Bootsfahrt ruhig angehen lassen. Bei einem Bummel durch Ascona werdet ihr merken, dass die Stadt vor allem bei älteren Semestern beliebt ist, was sicherlich zur gemächlichen Atmosphäre beiträgt.

Es gibt aber auch zahlreiche Möglichkeiten, aktiv zu sein, etwa beim Baden und Wandern. Diese Mischung hat uns von Anfang an begeistert: Man kann wunderbar die Tage am Ufer des Sees vertrödeln, und wenn das langweilig wird, warten die Berge, Wasserfälle und ein Sprung in eiskaltes Flusswasser.

Brissago-Inseln

San Pancrazio und Sant’Apollinare sind die Namen der beiden Brissago-Inseln. Die kleinere, Sant’Apollinare, ist nicht zugänglich. San Pancrazio hingegen ist ein lohnendes Ausflugsziel: Auf der Insel befinden sich ein botanischer Garten und die Villa Emden, ein neoklassizistischer Palazzo, der heute ein Hotel ist. Die Gartenanlage gibt es bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts, heute wachsen dort etwa 1.700 mediterrane und subtropische Pflanzenarten – das milde Seeklima macht’s möglich.

Auf der großzügigen Terrasse der Villa Emden könnt ihr euch mit einem Eis oder einem kalten Getränk stärken. Im Gebäude hängen Fotos, die von den ehemaligen Besitzern und der schillernden Geschichte der Insel erzählen. Man reist bequem mit dem Schiff an, von Brissago aus sind es nur wenige Minuten. Auch wenn die Insel nicht besonders groß ist, haben wir dort mehrere Stunden verbracht. Vor allem der Bambuswald hat uns gefallen und die Anlage rund um einen kleinen Pool. In dem darf man zwar nicht schwimmen, aber dafür gibt es ja den See.

Wassersport im See

Im Lago Maggiore könnt ihr natürlich auch wunderbar schwimmen. Weil einige Privatgrundstücke direkt an den See reichen, ist er nicht überall zugänglich. Doch es gibt mehrere Strandbäder, in denen ihr entspannt einen ganzen Tag verbringen könnt, zum Beispiel in Brissago oder in Ascona.

Das Lido di Ascona ist ein lohnendes Ziel für Wassersportfans. Hier könnt ihr unter anderem Wakeboards, Stand up Paddles und ein Banana Boat mieten. Etwas gemächlicher geht es im benachbarten Bagno pubblico zu. Hier ist die Aussicht schöner, und das bei freiem Eintritt.

Baden im Fluss

Wenn ihr mehr Wildnis sucht, solltet ihr euch ein Stückchen vom See entfernen: In den Flüssen, vor allem im Val Verzasca und im Valle Maggia, gibt es zahlreiche wilde Badestellen mit hohen Felsen, klarem, teils eiskaltem Wasser und manchmal auch Wasserfällen.

Wir waren mehrfach zum Baden in der Maggiaschlucht nahe dem Bahnhof Ponte Brolla: Hier gibt es abenteuerliche Badestellen und hohe Felsen, von denen ihr ins Wasser springen könnt, aber auch den Pozzo di Tegna, einen Sandstrand mit flachem Wasser. Vorsicht: In den Flüssen gibt es oft starke Strömungen, regelmäßig kommt es zu Badeunfällen.

Wandern

Am Ufer des Lago Maggiore lassen sich kleinere Wanderungen unternehmen. Ein entspannter Ausflug ist zum Beispiel die Route von Ascona nach Ronco sopra Ascona – auf der Strecke habt ihr immer wieder wunderbare Ausblicke auf den See. Auf dem Weg könnt ihr einen Abstecher zum legendären Monte Verità machen.

Auch bei den Wanderrouten gilt: Wer mehr Abenteuer und mehr Natur sucht, sollte sich etwas weiter ins Hinterland begeben. Im Tessin gibt es zahllose Wanderrouten für jedes Fitnesslevel. Von manchen Bergen aus, etwa dem Monte Gambarogno, könnt ihr den Blick auf den See genießen. Wir sind vom abgelegenen Onsernone-Tal zu einer etwa halbtägigen Wanderung gestartet, die zu einem Bergsee führte. Auf dem Weg sind wir wenig anderen Wanderern begegnet, dafür sind uns beim Abstieg Menschen entgegengekommen, die eine der entlegenen Almhütten in den Bergen bewirtschaften. Wir konnten dabei zusehen, wie sie am Abend ihre Ziegen von der Alm zurück in den Stall getrieben haben – inklusive Glockenläuten.

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Städtchen am Ufer

In Ascona geht es gediegen zu: Hier könnt ihr auf der Seepromenade flanieren, Eis essen und den Tag in einem der Cafés und Restaurants mit Blick auf den See vertrödeln. Da die Schweiz nicht gerade günstig ist und Italien um die Ecke liegt, lohnt es sich, für einen Teller Pasta oder eine Pizza in eine der italienischen Städte in der Gegend zu fahren.

Cannobio zum Beispiel liegt dicht an der Grenze und ist ein sympathisches Städtchen mit einem historischen Zentrum und kleinen Gassen. Es bietet von einer ausladenden Seepromenade ebenfalls einen fantastischen Blick auf den Lago Maggiore.

Fazit

Allein der Blick auf das See- und Bergpanorama lohnt die Anreise. Wir haben uns auch nach vielen Tagen nicht am Lago Maggiore satt gesehen. Ich würde jedoch empfehlen, auch einige Ausflüge in das Umland einzuplanen und die Täler zu erkunden. Hier ist es in der Regel weniger trubelig als am See – dafür kann es vorkommen, dass ihr mitten auf der Straße warten müsst, weil dort gerade eine Ziegenherde entlang spaziert. Auch die Flüsse mit ihren Wasserfällen sind definitiv einen Ausflug wert.

Wenn ihr noch mehr von der Region sehen wollt, empfiehlt sich eine Fahrt mit der Centovalli-Bahn. Die Strecke führt von Locarno aus durch steile Schluchten und vorbei an süßen kleinen Bahnhöfen bis ins italienische Domodossola.

Überhaupt, Italien: Der weitaus größere Teil des Lago Maggiore liegt im Nachbarland der Schweiz, und auch hier gibt es natürlich eine Menge zu entdecken: Ein beliebtes Ziel etwa ist der Kurort Stresa, von dem aus man auf die Borromäischen Inseln blickt. Wassersport, Baden, Wandern und Flanieren – all das geht natürlich auch auf der italienischen Seite. 

Lage

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