Wanderung zum Wulong-Dorf im Zhangjiajie-Nationalpark

Die schwebenden Berge aus „Avatar“ rufen, und wer hätte gedacht, dass man im Zhangjiajie-Nationalpark in China fast alleine wandern kann? Willkommen auf dem Weg zum Wulong-Dorf (auch Yellow Stone Village genannt). Vergiss überfüllte Touristenpfade, hier wartet eine Wanderung, die einem die Schweißperlen auf die Stirn treibt, aber visuell absolut abliefert. Es geht steil bergauf und wieder bergab ins ehemalige Banditenversteck.

Lohnt sich die Wanderung zum Wulong-Dorf in Zhangjiajie?

Was einst ein berüchtigtes Räubernest war, gilt heute als eine der anspruchsvollsten Touren der Yangjiajie-Scenic-Area im Zhangjiajie-Nationalpark. Das Wulong-Dorf liegt auf rund 300 Metern Höhe, komplett isoliert und umgeben von senkrecht abfallenden Klippen. Die gewaltigen Sandsteinsäulen erinnern frappierend ans Elbsandsteingebirge, nur eben im gewaltigen XXL-Format.

Um das auf dem Berg erbaute Dorf zu erreichen, durchschreiten wir steile Leitern, enge Schluchten und Felsenwege, die einiges abverlangen. Die strategische Lage war für die Banditen genial zu verteidigen, heute bietet sie uns ein spektakuläres Naturerlebnis. Es ist erstaunlich ruhig hier, fernab des üblichen Trubels im Nationalpark.

Fototipp: Unterwegs gibt es drei Must-See-Aussichtspunkte, die sich allesamt für phänomenale Landschafts-Fotos eignen: One Step to the Sky, Corridor in the Cliffs und Tianbo Mansion. Hier setzt ihr die steilen Nebelfelsen so meisterhaft in Szene, dass glatt Hollywood neidisch wird.

Anreise ins Yangjiajie-Gebiet

Start:Bergstation Yangjiajie-Seilbahn
Strecke:5 km
Höhenmeter:460 hm
Gehzeit:3 Stunden
Schwierigkeit:mittel

Zum Startpunkt dieses kleinen Abenteuers zu gelangen, erweist sich als entspannt. Eine Option ist das Taxi oder Didi zum East Gate. Von dort gleitet man mit der Seilbahn majestätisch mitten durch die steilen Felstürme nach oben, ein beeindruckendes Zusammenspiel aus wilder Natur und Ingenieurskunst.

Für diese Route wählen wir eine andere Variante und verknüpfen die Wanderung mit dem berühmten Yuanjiajie-Gebiet gegenüber. Das ist wunderbar unkompliziert, denn ein kostenloser Shuttlebus bringt Wanderer von dort in die Nähe der Bergstation. Kaum aus dem Fahrzeug gestiegen, steht man auch schon parat, um den dichten Wald zu erkunden. Ein gepflasterter Weg leitet geradewegs in die wilde Natur.

Wilde Affen am Wanderweg und herabfallende Steine 

Die ersten Meter wirken trügerisch entspannt, wenn man gemütlich über idyllische, von dicken Wurzeln durchzogene Pflastersteine schlendert. Erstaunlicherweise kreuzen kaum Menschen den Weg, da die meisten im oberen Teil nahe der Seilbahn bleiben. Große Holztafeln am Rand sorgen dann jedoch rasch für einen kleinen Adrenalinschub: Hier wird unmissverständlich vor wilden Makaken und herabfallenden Steinen gewarnt.

Zudem wird dringend abgeraten, diese rund drei Stunden lange Tour bei Regen, Schnee oder nach 15 Uhr zu starten. Die kühle Waldluft gepaart mit der tiefen Stille verleiht dem Ort eine magische Atmosphäre. Ein perfekter Moment, um die Zivilisation hinter sich zu lassen.

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Spektakuläre Wanderung über Felsstufen

Wer nun an einen lockeren Sonntagsspaziergang denkt, irrt gewaltig. Die Route verlangt Trittsicherheit, eine solide Grundkondition und vor allem absolute Schwindelfreiheit. Ständig geht es in dem zerklüfteten Gelände mühsam bergauf und wieder bergab. Wer den Proviant vergessen hat, muss nicht panisch werden: Unterwegs tauchen immer wieder kleine hölzerne Kioske auf, an denen sich Instantnudeln, Obst und Getränke bunkern lassen.

Ein eiserner Überlebenstipp gilt jedoch uneingeschränkt: Verbannt offene Plastiktüten tief in den Rucksack! Die flinken Makaken, die rotzfrech auf den Holzgeländern sitzen, sind wahre Meister im Futterklau und fackeln nicht lange.

Aussichtspunkt hunderte Meter über dem Abgrund

Nach wenigen Kilometern ragt unvermittelt die erste besteigbare Felsnadel vor einem auf. Eine schmale Metallleiter führt senkrecht zum “One Step to the Sky”-Felsen nach oben. Sie fordert Mut, belohnt die anfängliche Skepsis aber rasch mit einem genialen Rundumblick.

Weiter geht’s über einen Pfad, der sich eng an gigantische, überhängende Sandsteinwände klammert, geradewegs zum “Corridor in the Cliff”-Aussichtspunkt. Hier steht man schließlich Hunderte Meter über dem gähnenden Abgrund und blickt ehrfürchtig in die Weite auf das nebelverhangene Felsenmeer. Zu großer Erheiterung dröhnt aus der Box eines Verkäufers die Dance-Version von „My heart will go on“ in monotoner Dauerschleife. Irgendwie ironisch, aber wunderbar schräg!

Wulong-Dorf gleicht einem Abenteuerspielplatz

Noch skurriler wird es wenig später, wenn man das eigentliche Ziel ansteuert. Man geht ein paar Kilometer zurück und steigt tief in eine Schlucht hinab, wo ehemals das verlassene Dorf lag, von dem heute nur noch Reste zeugen. Der Pfad mutiert zum Abenteuerspielplatz: Man durchschreitet ein tempelartiges Eingangstor, steigt eine in den Stein gehauene Wendeltreppe empor und zwängt sich durch eine 60 Meter lange, extrem schmale Felsspalte, die gerade mal einen halben Meter breit ist.

Am Ende öffnet sich der Felsen und gibt den Weg über eine wackelige Hängebrücke frei. Sie leitet sicher zu einer mit Stroh überdachten Plattform auf einer steilen Felsnadel. Der 360-Grad-Blick vom Tianbo Mansion in das Nebelmeer ist einfach unvergesslich.

Fazit

Für den abschließenden Rückweg zur Seilbahnstation müssen die Waden noch einmal einige Höhenmeter bewältigen, bevor man die Tour stolz gemeistert hat. Erfreulicherweise, ohne die sonst üblichen Menschenmassen, schwebt man schließlich hinab. Diese Tour ist ein absoluter Pflichttermin für alle, die das wahre Zhangjiajie fernab des Trubels erleben wollen. Die irre Kombination aus Nervenkitzel, musikalischer Ironie und rauer Natur ist phänomenal.

Ist am Ende des Tages noch Energie vorhanden, fährt man mit dem Shuttlebus weiter ins Huangshi-Gebiet nebenan. Dort flaniert man gemütlich über einen Holzsteg immer direkt am Abgrund entlang und lässt den Tag bei Sonnenuntergang ausklingen.

Lage

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