Gerade noch laufe ich durch die trubeligen Souks mitten im geschäftigen Herzen von Marrakesch, da entdecke ich hinter hohen Mauern eine Oase der Stille: den Jardin Secret. Der Duft von Orangenblüten erfüllt die Luft, während das sanfte Plätschern der Brunnen eine fast meditative Atmosphäre schafft. Hier erwarten einen exotische Pflanzen, kunstvolle Mosaike und hohe Palmen, die sich sanft im Wind wiegen. Hier scheint die Zeit stillzustehen – ein geheimer Garten, der seinen Namen mehr als verdient!
Lohnt sich der Besuch im Jardin Secret?





Marrakesch ist eine Stadt voller Leben: der Ruf der Muezzine, das Stimmengewirr in den Souks, das Klappern von Hufen auf Kopfsteinpflaster – all das macht die Medina einzigartig. Doch hinter dicken Mauern liegt der Jardin Secret, ein botanisches und architektonisches Meisterwerk. Seine Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als Sultan Moulay Abd Allah Mouassine urbanisierte. Im 19. Jahrhundert ließ ein Kaid aus dem Atlasgebirge hier einen neuen Palast errichten.
Nach wechselvoller Nutzung verfiel das Anwesen, bis es 2008 restauriert wurde. Seit 2016 kann man es besichtigen. Euch erwarten ein exotischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt und ein islamischer Garten mit traditionellem Bewässerungssystem. Ein Highlight ist einer der höchsten Türme der Medina mit Blick bis zum Atlasgebirge.
Fototipp: Die schönsten Bilder entstehen am späten Nachmittag, wenn das warme Licht der Sonne die Farben des Gartens und der umliegenden Gebäude intensiviert. Wer den perfekten Überblick über die Medina von Marrakesch sucht, sollte den Aussichtsturm des Jardin Secret erklimmen.
Anreise zum Jardin Secret
| Erbaut: | im 16. Jahrhundert |
| Öffnungszeiten: | täglich von 9:30 bis 19:30 Uhr |
| Dauer: | ca. 1 Stunde |
| Eintritt: | ab 50 dirhams |
| Must-See: | Aussichtsturm mit Blick über die Medina |
Der Jardin Secret liegt mitten in der Medina von Marrakesch und ist nur zu Fuß erreichbar. Wer vom berühmten Platz Djemaa el-Fna kommt, taucht tief in das Labyrinth der Souks ein. Zwischen farbenfrohen Gewürzständen, Lederhändlern und kleinen Cafés schlängelt sich der Weg durch die engen Gassen.
Ihr findet den geheimen Garten im Viertel Mouassine, gegenüber dem Restaurant Le Café Arabe und in der Nähe der Moschee sowie der Koranschule Médersa Ben Youssef. Um problemlos anzukommen, braucht ihr definitiv ein GPS oder eine gute Karte. Habt ihr die richtige Straße erwischt, weist euch ein großes zitronengelbes Plakat mit der Aufschrift „Jardin Secret“ den Weg.
Pflanzen aus aller Welt im exotischen Garten
Kaum habe ich die Schwelle übertreten, umfängt mich eine Atmosphäre der Ruhe. Der Lärm der Stadt bleibt draußen, stattdessen höre ich nur das sanfte Plätschern der Brunnen und das Zwitschern der Vögel. Der Jardin Secret besteht aus zwei Gebäudekomplexen, von denen jeder als Riad betrachtet wird. Der von hohen Mauern umgebene Riad hat einen rechteckigen Grundriss und ist um einen Garten herum angeordnet.
Zunächst befinde ich mich im exotischen Garten, zwischen Pflanzen aus aller Welt. Tiefgrüne Olivenbäume spenden Schatten, dornige Kakteen recken ihre Arme in die Sonne. Dazwischen blühen Lavendel und allerhand Pflanzen, die ich nicht kenne. Inmitten dieser üppigen Vegetation schlängeln sich schmale Wege, vorbei an kleinen Sitzbänken und kunstvollen Brunnen. Ich lasse meinen Blick schweifen und entdecke immer wieder neue botanische Schätze. Hier scheint jede Pflanze bewusst platziert worden zu sein, um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen.
Der exotische Garten soll an den experimentellen Aspekt der großen Gärten von Marrakesch erinnern – schließlich war die Stadt vom Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert das Modell einer Gartenstadt. Man kann hier auch etwas lernen: Etwas versteckt finde ich einen restaurierten, traditionellen Hammam. Schautafeln erklären, wie früher das Wasser aus dem Atlasgebirge in die Riads geleitet wurde. Der Riad verfügte über ein ausgeklügeltes Wassersystem aus Leitungen, Becken und Kanälen – und dieses ursprüngliche System ist bis heute erhalten geblieben.
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Perfekte Symmetrie im islamischen Garten
Während der exotische Garten mit seiner wilden Schönheit beeindruckt, strahlt der islamische Garten eine erhabene Ruhe aus. Dieser Garten ist streng symmetrisch angelegt und eng mit den Strukturen des Riads verbunden.
Der vierteilige Grundriss des islamischen Gartens wurde entwickelt, um die Bewässerung der Grundstücke zu erleichtern. Die Beete sind in geometrischen Mustern angeordnet, durchzogen von schmalen Wasserkanälen, die das traditionelle Bewässerungssystem der arabischen Welt nachbilden. Wie fast immer in islamischen Gärten befindet sich in der Mitte ein Brunnen. In der muslimischen Zivilisation gilt Wasser als Symbol des Lebens und als Zeichen für die Existenz und Macht Gottes. Im Koran wird das Paradies als „Gärten, unter denen Bäche fließen“ beschrieben.
Die Mosaikarbeiten, die kunstvollen Holzschnitzereien und die mit kalligrafischen Inschriften verzierten Wände verleihen dem Garten eine fast spirituelle Aura. Ich setze mich auf eine der steinernen Bänke und lausche dem leisen Plätschern der Brunnen.
Wer bei dem ganzen Plätschern Durst bekommt, kann im kleinen Café eine Pause einlegen. Zudem gibt es mehrere Ausstellungsflächen – mal für Kunstwerke lokaler Künstler, mal zur Geschichte dieses Ortes. Zum Beispiel könnt ihr anhand von Fotografien nachvollziehen, wie der geheime Garten Stück für Stück restauriert wurde.
Der beste Blick über Marrakesch
Zum Abschluss meines Besuchs steige ich auf den Aussichtsturm des Jardin Secret, der etwa so hoch ist wie die Minarette der Moscheen. Die Treppe ist steil und eng, doch mit jedem Schritt nach oben wächst die Vorfreude auf den Ausblick. Schließlich stehe ich auf der kleinen Plattform und bin sprachlos.
Vor mir breitet sich Marrakesch in seiner ganzen Faszination aus: ein Meer aus flachen Dächern, dazwischen die markante Silhouette der Koutoubia-Moschee und die schimmernden Kuppeln des Bahia-Palastes. Der Blick reicht bis zu den schneebedeckten Gipfeln des Atlasgebirges am Horizont – ein beeindruckender Kontrast zur lehmfarbenen Stadt. Der warme Wind trägt den Duft von Gewürzen und Orangenblüten herauf, und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.
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Fazit
Inmitten der lebhaften und manchmal überwältigenden Medina bietet der Jardin Secret eine willkommene Auszeit – ganz gleich, ob ihr nur im Grünen durchschnaufen wollt oder Lust habt, in die Architekturgeschichte von Marrakesch einzutauchen. Euch erwarten Pflanzen aus aller Welt, spannende Einblicke in die islamische Gartenbaukunst und eine einzigartige Kulisse. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch am späten Nachmittag, wenn das Licht der untergehenden Sonne die Farben der Pflanzen und Mauern in warmes Gold taucht.
Kauft unbedingt das Doppelticket für Garten und Aussichtsturm, denn die Aussicht von oben ist ein absolutes Highlight – hier habt ihr einen einzigartigen Blick über die Stadt.
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