Ich tauche ein in eine verborgene Welt! Die Lurgrotte, die größte Tropfsteinhöhle Österreichs, ist ein unterirdisches Höhlensystem. Wer sie einmal betreten hat, vergisst diesen Ort nie wieder. Zerbrechlich wirkende Stalaktiten, bizarre Tropfsteinformationen, ein Hauch von Magie in der feuchten Luft und das Highlight – der größte freihängende Tropfstein der Welt – liegen hier nördlich von Graz verborgen. Ein unterirdisches Abenteuer, das staunen lässt!
Lohnt sich ein Besuch der Tropfsteinhöhle Lurgrotte?




Die Tropfsteinhöhle Lurgrotte liegt etwas versteckt, etwa 20 Kilometer nördlich von Graz in der Steiermark. In Österreichs größter Tropfsteinhöhle herrscht das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von 9 Grad. Insgesamt gibt es zwei Eingänge in das 10,2 Kilometer lange Höhlensystem: einen in Semriach und einen in Peggau. Hier findet sich auch der weltweit größte freihängende Tropfstein. Der imposante Stein hängt von der Decke des sogenannten „Doms“, der größten Halle der Höhle.
Der Höhlenforscher Max Brunello entdeckte die Lurgrotte 1894, die von mehreren großen Kammern, Stalagmiten und Stalaktiten gesäumt ist. Die erste Durchquerung war allerdings erst 1935 nach mehreren Sprengungen in der Höhle möglich. Heute sind von beiden Eingängen bei Niedrigwasser Besuche während Führungen auf einer Länge von rund zwei Kilometern möglich. Durch die Höhle fließt der unterirdische Lurbach.
Fototipp: Wer die Magie der Tropfsteine wirklich einfangen will, sollte mit Langzeitbelichtung fotografieren. Vor allem im Höhlendom während der Lichtshow werden die Tropfen zu leuchtenden Spuren. Ideal: Kamera ruhig halten oder ein Mini-Stativ verwenden und die Belichtungszeit auf 1–2 Sekunden stellen. Fotografieren ist während der Führung meist gut möglich – bitte aber vorab kurz absprechen.
Anreise zur Lurgrotte nach Semriach
| Lage: | Steiermark, Österreich |
| Eingänge: | Semriach oder Peggau |
| Temperatur: | + 9 °C (konstant) |
| Entdeckt: | 1894 |
| Länge: | 10,2 Kilometer |
Vorab zur Anreise müsst ihr wissen: Es gibt zwei Eingänge zur Lurgrotte – Semriach und Peggau. Wir haben uns für den Besuch in Semriach entschieden, und schon die Anfahrt dorthin ist irgendwie ein kleines Abenteuer.
Von Graz aus braucht man mit dem Auto rund 35 Minuten. Wer aus dem Münchner oder Salzburger Raum anreist, nimmt am besten die Strecke über das Voralpenkreuz in Oberösterreich (Autobahnvignette!) in Richtung Steiermark. Nach Liezen geht’s weiter über Leoben – und mein Tipp: Fahrt über Bruck an der Mur statt durch den Gleinalmtunnel, das spart euch die Maut. Bei Frohnleiten wird’s dann richtig idyllisch – durch Wälder, kleine Ortschaften und kurvige Straßen erreicht man schließlich Semriach. Direkt bei der Lurgrotte gibt’s einen kostenlosen Parkplatz – mit Navi leicht zu finden.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Lurgrotte Semriach leider nicht ganz so einfach erreichbar, da sie doch ziemlich abgeschieden liegt. Wer auf den Zug setzt, hat es allerdings zum Eingang Peggau deutlich leichter – etwa von München aus mit nur zwei Umstiegen in St. Michael in der Obersteiermark und Bruck an der Mur.
Konstante 9 °C in der Lurgrotte
In der Lurgrotte herrschen das ganze Jahr über konstante 9 °C. Das klingt nicht nach viel, fühlt sich beim Gehen aber recht angenehm an. Trotzdem sind eine warme Jacke und festes Schuhwerk Pflicht. Die Wege sind stellenweise feucht und rutschig, und man überwindet auch ein paar steile Höhenmeter über Holztreppen. Die Tropfsteinhöhle kann ausschließlich im Rahmen einer Führung besucht werden – und auch nur bei Niedrigwasser. Es finden aber ganzjährig Führungen statt, in den Sommermonaten sogar drei bis fünf täglich.
Ein Ticket kostet € 12,00, und man ist dann etwa eine Stunde in der Höhle unterwegs. Es gibt auch eine außergewöhnliche Abenteuertour, bei der man in Höhlenforscher-Overalls 2,5 Kilometer durch das Höhleninnere kriecht und die Mitte bis zum anderen Eingang bei Peggau erreicht. Bei unserer normalen Tour sind alle Wege gut ausgeleuchtet, und man braucht keine Taschenlampe.
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Wo die Zeit in Tropfen gezählt wird
Schon der Höhleneingang der Lurgrotte wirkt geheimnisvoll: Ein kleines, rostiges Gittertor führt in die Tropfsteinhöhle – und tatsächlich fühlt es sich an, als würde man eine andere Welt betreten. Kaum sind wir ein paar Schritte hineingegangen, wird es feucht, kühl, und überall hört man Wasser tropfen. Die Luft riecht nach Stein und Erdreich, das Licht wird gedämpfter. Noch ist der Gang recht breit und die Tropfsteinformationen eher unscheinbar – doch das ändert sich bald.
Als wir eine schlafende Fledermaus entdecken, wird mir bewusst, dass wir uns bereits tief in einem lebendigen Naturwunder befinden, in dem die Zeit scheinbar in Tropfen gezählt wird. Die ersten langen Stalaktiten hängen von der Decke, während die Stalagmiten als ihr Gegenstück scheinbar aus dem Boden wachsen. Sie sehen alle aus wie weiche, lehmige Schlammhaufen – sind aber steinhart. Tropfen für Tropfen formen hier über Jahrtausende die bizarrsten Formen.
Mein Highlight: Licht-Show in der Lurgrotte
Nach etwa einer halben Stunde auf schmalen Wegen, vorbei an vielen beeindruckenden Tropfsteinen, öffnet sich eine Art Raum – und das, was man dann sieht, ist einfach nur beeindruckend. Der sogenannte „Dom“ ist mit 120 × 80 Metern die größte Halle der Lurgrotte und fühlt sich an wie eine unterirdische Kathedrale.
Es wird aber noch eindrucksvoller, als die Licht-Musik-Show beginnt. Sanfte klassische Töne erklingen, während die Tropfsteine mit buntem Licht angestrahlt werden – mal dezent, mal dramatisch im Takt der Musik. Ja, die Melodien könnten vielleicht mal ein Update vertragen, doch das Zusammenspiel von Klang, Schatten und Form ist wahrlich ein Gänsehautmoment. Jeder Tropfen, der von der Decke fällt, scheint hier zur Inszenierung zu gehören.
Dann kommt es im wahrsten Sinne des Wortes noch dicker: Wir stehen vor dem weltweit größten freihängenden Tropfstein. Sein Umfang beträgt stolze neun Meter, und er senkt sich mit 13 Metern Länge und geschätzten 40 Tonnen Gewicht von der Höhlendecke herab.
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Fazit
Ein kleiner Rundweg führt uns schließlich aus dem Höhlensystem wieder ans Tageslicht. Wer ein außergewöhnliches Naturerlebnis sucht, ist in der größten Tropfsteinhöhle Österreichs genau richtig. Die Lurgrotte mit ihren beeindruckenden Tropfsteinen vermittelt ein Gefühl von Ehrfurcht und Staunen. Sie ist das perfekte Ausflugsziel für heiße Sommertage oder neblige Herbstnachmittage.
In der Umgebung bietet es sich an, eine kleine Wanderung auf den Schöckl zu unternehmen oder einen Abstecher in die nur rund 25 Kilometer entfernte Altstadt von Graz zu machen. Die Steiermark punktet zudem mit ihrem milden Klima – wie wäre es also, den Höhlentag in einem Buschenschank bei einem Glas Sauvignon Blanc oder Welschriesling gemütlich ausklingen zu lassen?
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