Tegernsee-Schliersee: Winterwanderung auf dem Prinzenweg

Mein Atem bildet kleine Wölkchen, aber kalt ist mir nicht, dank Sonnenschein und Bewegung. Der leichte Prinzenweg ist genau das Richtige, um an schneereichen Tagen ein bisschen frische Luft zu tanken. Wir starten am idyllischen Schliersee und freuen uns jetzt darauf, den Tegernsee zu erreichen. Aber erstmal erwartet uns die ganzjährig bewirtschaftete Neureuther Alm mit vielleicht dem besten Kaiserschmarren der bayerischen Alpen.

Lohnt sich eine Wanderung auf dem Prinzenweg?

Der Schliersee und der Tegernsee gehören zu den beliebtesten Ausflugszielen in den bayerischen Voralpen – sowohl als Startpunkte für Wanderungen als auch für einen entspannten Tag am Wasser. Wer sich weder für einen See noch für eine Aktivität entscheiden kann, wird bei der Wanderung auf dem Prinzenweg glücklich.

Die leichte Tour verbindet den Schliersee mit dem Tegernsee, bietet mehrere tolle Einkehrmöglichkeiten und ist kurz genug, damit vorher und/oder nachher noch Zeit für den See bleibt. Besonders toll: Die Wanderung ist ganzjährig möglich und eignet sich aufgrund der breiten Wege und wenigen Höhenmeter perfekt als Winterwanderung.

Fototipp: Ich bin ganz verzaubert vom verschneiten Wald, besonders wenn es der schwachen Wintersonne gelingt, durch die Fichten zu scheinen. Haltet das fest, am besten am kleinen Bach, den ihr nach knapp einer Stunde erreicht. Besonders schön wird das Bild, wenn man noch einige Lichtflecken im Schnee sieht.

Anreise zum Schliersee

Strecke:14,1 km
Gehzeit:4:30 Stunden
Höhenmeter:570 Höhenmeter
Einkehrtipp:Neureuther Alm
Besonderheit:ÖPNV-Tour

Der Schliersee liegt etwa eine Stunde südlich von München. Die Wanderung hat einen anderen Start- als Endpunkt, daher solltet ihr mit der Bahn anreisen. Vom Münchner Hauptbahnhof fahrt ihr stündlich direkt zum Schliersee mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) in Richtung Bayrischzell. Die Wanderung beginnt am Bahnhof.

Für den Rückweg: Vom Tegernseer Bahnhof aus fahrt ihr halbstündlich zurück nach München. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde.

Wer mit dem Auto anreist, muss entweder die Wanderung zurückgehen oder einen Zug vom Tegernsee zum Schliersee nehmen. Ihr seid dafür etwas länger als eine Stunde unterwegs und müsst in Holzkirchen umsteigen.

Für die Anfahrt zum Schliersee: Fahrt von München aus auf der Autobahn A8 bis zur Autobahnausfahrt Weyarn und dann über die Bundesstraße nach Miesbach, Hausham und schließlich zum Schliersee. Dort gibt es kostenpflichtige Parkplätze.

Thermoskanne mit Tee wichtiger als erwartet

Im Sommer möchte ich auf die höchsten Berge steigen, da kann es mir nicht klaxerig genug sein. Im Winter achte ich darauf, dass die Touren blau oder höchstens rot markiert sind und nicht zu hoch liegen. Ich möchte weder von einer Lawine überrascht werden noch durch meterhohen Schnee stapfen müssen.

Der Prinzenweg vom Schliersee zum Tegernsee ist genau richtig. Der höchste Punkt liegt bei 1.335 Metern, und unterwegs kommt man selbst im Winter noch an einer bewirtschafteten Hütte vorbei.

Und auch beim Thema Ausrüstung herrscht im Winter ein anderer Wind: Wichtiger denn je ist der Zwiebellook, Handschuhe und ein Schlauchschal sowie Sonnencreme, denn auch wenn die Sonne harmlos erscheint – der Schnee reflektiert, und man bekommt sehr schnell einen Sonnenbrand.

Proviant ist natürlich immer notwendig, im Winter rate ich aber unbedingt auch zu einer Thermoskanne mit warmem Tee. Und nicht zu vergessen: Grödel oder Schneeschuhe. All das habe ich im Gepäck, und im Zug sitze ich auch schon. Auf geht’s zum Schliersee!

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Wanderung durch eine magische Welt

Wir starten unsere Wanderung direkt am Bahnhof, aber nicht ohne zuvor beim zauberhaft erstarrten Schliersee vorbeizuschauen. Von einer richtigen Eisschicht kann man hier zwar nicht sprechen, trotzdem gelingt es dem Wind nicht mehr, die Oberfläche zu bewegen. Wer Schlittschuhlaufen möchte, ist hier aber natürlich fehl am Platz; dafür geht man besser ins nahegelegene Natureisstadion. An diesem kommen wir jetzt auch vorbei.

Nachdem wir ein Stück am Ufer entlanggelaufen sind, geht es über die Breitenbachstraße Richtung Wanderparkplatz Hennerer. Wer keine Brotzeit dabeihat, braucht sich bei dieser Tour keine Sorgen zu machen. Hier gibt es schon die erste Einkehrmöglichkeit im Bauernhofcafé, das auch an Winterwochenenden geöffnet ist.

Anschließend gibt es zwei Wegmöglichkeiten: Der Prinzenweg führt direkt zum Grindelalmschneid; man kann aber auch einen Schlenker über die Kreuzbergköpfe machen. Seinen Namen hat der Prinzenweg übrigens von Karl Prinz von Bayern, der im Tegernseer Tal sehr beliebt ist.

Wir laufen jetzt auf einer breiten Forststraße. Im Sommer lasse ich die immer gerne schnell hinter mir, im Winter ist sie genau das Richtige. Der Weg ist gut geräumt, und wir haben in den Autospuren einen besseren Halt als daneben.

Meine Aufmerksamkeit gehört eh ganz der Umgebung: Der verschneite Wald ist einfach magisch. Hier ist er so dicht, dass die Tannen nur lückenhaft gezuckert sind. Da gibt es eine Windbö, die den Schnee wie Feenstaub hinabrieseln lässt. Als wäre das nicht genug, glitzert dieser märchenhafte Vorhang auch noch in der Sonne. Das Ganze passiert noch einige Male, und irgendwann gelingt es mir, ein Foto davon zu machen (siehe Galerie).

Super Kaiserschmarrn im Berggasthof Neureuther

Wir erreichen auch einen kleinen Bach, der sich tapfer und buchstäblich unverfroren durch die Schneedecke kämpft. Ein wenig Bewegung in dieser erstarrten Welt. Und da fliegt auch ein winziger Vogel vorbei! Als Nächstes kommen wir zur traditionsreichen Grindelalm.

Gleich drei bewirtschaftete Hütten lassen hier eigentlich keinen Wunsch offen – sind aber nur im Sommer geöffnet. Dafür trinken wir jetzt ein bisschen von unserem heißen Tee und setzen den Weg dann fort.

Wir bleiben auf gleicher Höhe und gelangen irgendwann zur besten Einkehrmöglichkeit der ganzen Tour: der Neureuther Alm. Hier gibt es einen fantastischen karamellisierten Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Mit der Mehlspeise und einem heißen Kakao machen wir es uns auf der wunderschönen, geräumten Terrasse gemütlich und genießen den großartigen Blick auf den Tegernsee.

Den See erreichen wir in etwa einer Stunde. Nach der Neureuther Hütte führt der Weg nur noch bergab. Den Wandererfolg feiern wir dann im Tegernseer Bräustüberl – so günstig bekommt man das beliebte Bier schließlich selten.

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Fazit

Zugegeben, an kalten Wintertagen benötigt man manchmal eine zusätzliche Überwindung, um sich in mehrere Schichten Kleidung zu hüllen und die Wanderschuhe anzuziehen. Aber keine Sorge, beim Prinzenweg steht vor allem der Genuss im Vordergrund. Heute erklimmen wir keinen Gipfel, sondern überwinden lediglich 570 Höhenmeter. Und die viereinhalb Stunden benötigen wir nur, um unterwegs Fotos von glitzernden Eiszapfen und den erstarrten Alpenseen zu machen und natürlich für die ausgiebige Rast in der Neureuther Alm. Es ist wirklich die perfekte Art, einen skifreien, doch schneereichen Wintertag in den Alpen zu verbringen.

Lage

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