Ich bin von schneebedeckten Bergriesen umgeben, während ich langsam einen Fuß vor den anderen setze. Je weiter ich zur Mitte der Hängebrücke komme, umso mehr schaukelt die gesamte Konstruktion. Zum Glück kann ich mich an den Geländern links und rechts festhalten. So bleibt bei mir die Höhenangst fern, während ich über den Titlis Cliff Walk schlendere und den Blick mal in die Ferne und mal nach unten gleiten lasse.

Lohnt sich der Titlis Cliff Walk in Engelberg?

In einer Höhe von 3.041 Metern schwingt der Titlis Cliff Walk oberhalb von Engelberg. Damit ist die Konstruktion die höchstgelegene Hängebrücke Europas. Sie befindet sich ganz in der Nähe der Bergstation der Titlis-Drehseilbahn, die euch auf eine Höhe von 3.020 Meter hinaufbringt.

Dabei muss die Brücke in dieser Lage einigen Widrigkeiten standhalten. Sie wurde so konstruiert, dass ihr Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 km/h und massenhaft Schneefall nichts anhaben können. Das ist auch wichtig. Denn die Brücke ist ganzjährig für Besucher geöffnet.

Rund 100 Meter misst die Hängebrücke in der Länge. Breit ist sie nur knapp einen Meter. Da ist es praktisch, dass der Weg über die Brücke wie ein Rundweg angelegt ist. Dabei geht es nicht nur über den Abgrund hinweg, sondern anschließend auch noch durch einen Eispalast hindurch.

#schweiz

Instatipp: Am Anfang der Brücke gibt es einen Fotoautomaten. Der knipst, sobald man ihn betätigt. Das Foto müsst ihr anschließend aber kaufen. Alternativ kann sich der Fotografierende auf Höhe des Fotoautomaten postieren und dort die Bilder schießen. Dazu muss man sich aber etwas strecken.

Anreise nach Engelberg

Nach Engelberg könnt ihr recht unkompliziert mit der Bahn anreisen. Dazu geht es von Deutschland aus zuerst nach Luzern und dann in knapp 45 Minuten weiter nach Engelberg. Zur Seilbahn, die auf den Titlis hinaufführt, bringt euch ein Bus. Alternativ könnt ihr vom Bahnhof in Engelberg aber auch zur Seilbahnstation laufen. Das sind zu Fuß etwa 10-15 Minuten.

Wenn ihr mit dem Auto anreist, dann bedenkt, dass ihr in der Schweiz eine Vignette benötigt. Dazu geht es zuerst in Richtung Bodensee, dann ebenfalls über Luzern weiter nach Engelberg. Von München kommend sind es rund 5 Stunden mit dem Auto. Parken könnt ihr direkt an der Talstation des Titlis Xpress. Die Parkgebühr pro Tag liegt bei 5 CHF.

Mit der Seilbahn auf 3.020 Meter

Höhenlage:3.041 m
Länge der Brücke:100 m
Preis Seilbahn:96 CHF
Eintritt Hängebrücke:kostenlos
Öffnungszeiten:8 bis 16:20 Uhr

Für die Auf- und Abfahrt mit der Seilbahn solltet ihr jeweils 30 Minuten einplanen. Dazu geht es die ersten Meter mit dem Titlis Xpress nach oben. Schon dort staune ich über geniale Ausblicke, sehe die Häuser Engelbergs hinter mir immer kleiner werden und kann von oben auf den Trübsee blicken, der vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel bei Familien mit Kindern ist.

Ich steige allerdings nicht an der Mittelstation am Trübsee aus, sondern bleibe in der Gondel bis zur Station Stand. Erst dort müsst ihr die Bahn wechseln. Und das wird dann richtig spektakulär.

Es geht mit der Titlis Rotair Drehgondel weiter nach oben. Da ist der Name Programm. Denn die Großraumgondel pendelt geradewegs über einer riesigen Gletscherfläche. Als wäre das noch nicht imposant genug, dreht sie sich zudem um die eigene Achse. So müsst ihr euch nur einen Platz am Fenster suchen und darauf achten, nicht in der Mitte zu stehen, und schon habt ihr automatisch einen 360-Grad-Blick über die Landschaft.

Der Preis für die Hin- und Rückfahrt ohne Skipass liegt für einen Erwachsenen ab 16 Jahren bei 96 CHF. Das sind umgerechnet etwa 87 Euro. Kinder zwischen 6 und 15 Jahren zahlen die Hälfte.

Durch den Eispalast zur Hängebrücke

Denkt daran, dass ihr auch im Hochsommer warme Kleidung dabei habt. Denn auf über 3.000 Metern ist es einige Grad kühler als im Tal und zusammen mit Wind kann es je nach Wetterlage und Tageszeit auch frostig kalt werden. Und selbst, wenn es in dieser Höhe im Sommer noch angenehm warm ist, solltet ihr euch zumindest auf gleichbleibende Minusgrade in der Gletschergrotte einstellen. Dort herrschen nämlich konstant -1,5 Grad Celsius.

Die Kälte vergesse ich allerdings sehr schnell. Denn schon beim Eintauchen in die Welt aus glitzerndem Eis, bleibt mir beinahe vor Staunen der Mund offen stehen. Der Boden ist spiegelglatt. Die Wände sind sanft beleuchtet und schimmern weißlich-blau. Übrigens ist das Eis hier teilweise bis zu 5.000 Jahre alt. All das stellt meine kühnsten Eispalast-Träume, die ich früher als Kind beim Schneeburgbauen hatte, weit in den Schatten. Es ist bezaubernd.

Dann endlich geht’s über die Hängebrücke

Nach 150 Metern durch die Eisgrotte erreiche ich die andere Seite und komme wieder ans Tageslicht. So gelange ich auch unmittelbar zum Einstieg der Hängebrücke. Aus dieser Perspektive scheint die Brücke unheimlich lang. Doch die Konstruktion wirkt zum Glück vertrauenserweckend. So setze ich schließlich einen Fuß vor den anderen. Jeder Tritt bringt die Brücke ein wenig zum Schwingen. Und diese Schwingung scheint sich wellenförmig über die gesamte Länge auszubreiten.

Aber keine Sorge, an sich ist die Brücke sehr stabil gebaut und die Schwankungen halten sich dementsprechend für eine Hängebrücke auch sehr in Grenzen. Rechts und links sind außerdem hohe Geländer, sodass euch auch nichts passieren kann, falls ihr mal aus dem Tritt geratet. Denn unter den Füßen geht es zwischen 100 und 500 Meter bergab.

Ihr solltet allerdings nicht einfach nur auf eure Füße gucken. Nehmt euch zwischendurch ein bisschen Zeit und lasst euch von der Aussicht verzaubern. Denn während auf der einen Seite der Brücke nur eine Bergflanke zu sehen ist, ist das Panorama auf der anderen Seite grandios. Dort blicke ich geradewegs auf ein riesiges Gletscherfeld hinab. Dahinter ragen schroffe, schneebedeckte Gipfel auf. Daran kann man sich kaum sattsehen.

Fazit

Die Auffahrt zum Titlis Cliff Walk ist zwar etwas teurer, aber lohnt sich. Denn schon während der Seilbahnfahrt gibt es so viel zu sehen und zu entdecken. Die Hängebrücke selbst ist auch für Familien mit Kindern gut zu begehen. Es könnte allerdings etwas schwieriger werden, wenn ihr nicht schwindelfrei seid. Vor allem, wenn mehr Leute gleichzeitig auf der Brücke sind. Dann sind die Schwingungen doch zu spüren.

Darüber hinaus könnt ihr euch unterhalb des Gipfels des Titlis im Schnee abkühlen. Denn im Sommer ist auf ausgewiesenen Abschnitten Rodeln möglich. Im Winter könnt ihr euch auf 80 Pistenkilometer mit einem Höhenunterschied von bis zu 2.000 Metern freuen.

Wer alpine Erfahrung mitbringt, kann von der Bergstation aus auch den Gipfel des Titlis besteigen. Bis zum 3.238 Meter hohen Ziel sind es von dort aus knapp 250 Höhenmeter. Ihr solltet für Auf- und Abstieg 2,5 Stunden einplanen. Beachtet, dass es sich zwar hierbei um eine leichte, aber alpine Hochtour handelt. Die Verhältnisse sollten also nicht unterschätzt werden.

Wenn ihr noch nicht so oft im Hochgebirge unterwegs wart, gibt es rund um Engelberg auch „normale“, also schneefreie, Wanderwege. Eine Empfehlung, die wir auch schon gegangen sind, ist zum Beispiel der Alpkäse-Trail, der an verschiedenen Käsereien vorbeiführt.

Lage

Praktische Links

Kommentar verfassen