Der Nebel lichtet sich langsam und erstmals sehe ich, wie es hier wirklich aussieht. Weite Steppen, wie sie auch in der Mongolei sein könnten, treffen auf Nadelbäume, die an Kanada erinnern. Und dahinter ragen schroffe Felsklippen nach oben. Diese Mischung ist es, die das Riesengebirge so besonders macht. Meine Premiere im grenzübergreifenden Gebirge zwischen Polen und Tschechien starte ich mit einer Wanderung auf die Schneekoppe, den höchsten Gipfel der für mich noch unbekannten Bergwelt.

Wanderung auf die Schneekoppe im Riesengebirge

Das Riesengebirge ist das höchste Gebirge Tschechiens. Noch immer sind Teile der Vegetation und der Landschaft Überbleibsel der arktischen Tundra, die sich zur letzten Eiszeit in Mitteleuropa ausgebreitet hat. Diese Reste finden sich vor allem oberhalb von 1.300 Metern. Das Gebirge, das nur 200 Kilometer von Berlin entfernt liegt, gilt deshalb auch als „Insel der Arktis“ mitten in Europa. Heute ist die gesamte Region ein Nationalpark und von der UNSECO geschützt. Die bekannteste Figur des Riesengebirges ist der Riese Rübezahl, der der Sage nach inmitten der schroffen Landschaft heimisch sein soll.

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Instatipp: Von Karpacz kommend ist am Schlesierhaus, kurz vor dem letzten Gipfelanstieg zur Schneekoppe, im Hintergrund ein weiterer schroffer Berg samt Gletscherkar auf der rechten Seite zu sehen. Dieser eignet sich hervorragend als Fotomotiv.

Anreise nach Spindlermühle

Von Dresden aus führt der Weg nach Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) in Tschechien über Zittau und Reichenberg (Liberec) bis ins Riesengebirge hinein. Für die Strecke solltet ihr ungefähr drei bis dreieinhalb Stunden einkalkulieren. Ganz kurz geht es durch Polen, dann weiter in Tschechien. Einige Straßen in Tschechien sind mautpflichtig. Wenn ihr aber auf dem direkten Weg bleibt, fällt hier keine Gebühr an. Wir fahren durch Spindlermühle durch zum Ausgangspunkt der Wanderung. Unser Ziel ist die Erlebachbaude. Baude bedeutet so viel wie Hütte. Hier werden wir starten und später übernachten.

Tourenbeschreibung bis zur Schneekoppe

Insgesamt sind es 600 Höhenmeter bis zur Schneekoppe, die auf tschechisch übrigens Sněžka und im Polnischen Śnieżka heißt. Das hört sich erstmal gemütlich an. Die Wegstrecke ist mit einer Gesamtlänge von über 20 Kilometer aber doch nicht zu unterschätzen. Und wir planen einen Umweg über zwei sehenswerte Seen auf der polnischen Seite oberhalb von Karpacz. Ich lade den GPS-Track runter, weil ich nicht weiß, wie gut die Route ausgeschildert ist und ziehe die Wanderschuhe an, die ich einlaufen wollte. Das war ein Fehler. Ingesamt waren wir 8 Stunden unterwegs. Es ist keine Tour, die sich zum Einlaufen neuer Schuhe eignet, sondern eine ausgedehnte Wanderung.

Karge Steppen, schroffe Felsen, grüne Tannen

Beim Start ist es nebelig. Es regnet. Viel sehe ich vom Riesengebirge noch nicht. Doch nach und nach klart es auf. Die Berge gehen hier nur ca. 100 Meter höher hinaus als im Schwarzwald. Und dennoch wirkt es durch die karge, schroffe Landschaft und die zahlreichen Schneefelder ringsum beinahe hochalpin. Durch den selbstgewählten Umweg kommen wir außerdem am Mały Staw, dem „Kleinen Teich“ vorbei. Dieser besondere Ort erinnert ein klein wenig an Kanada. Die Nadelbäume ringsum bilden mit dem frischen Grün einen Kontrast zum Blau des Wassers und den grauen Felswänden. Direkt am See befindet sich auch eine Baude für den Einkehrschwung.

Die letzten Höhenmeter zur Schneekoppe

Die letzten Meter ziehen sich nochmals steil bergauf. Wir können den Gipfel schon sehen. Vor uns liegt ein Berg, der mehr an ein Geröllfeld als an einen Gipfel erinnert. Über befestigte Wege, abgesichert durch Ketten geht es bis auf 1.603 Meter hinauf. Wir lassen die Latschen hinter uns und marschieren stattdessen trotz der Kargheit durch ein natürliches Farbspektakel. Denn hier treffen gelblich-orange schimmernde Steine mit hellgrünen Flechten auf rote Heidebüsche. Dann stehen wir endlich oben. Zuerst im Nebel, kurz darauf mit Aussicht über den Nationalpark. Auf der einen Seite liegt Tschechien, auf der anderen blick wir weit nach Polen hinein.

Fazit

Der Aufstieg von der Erlebachbaude ist technisch nicht besonders anspruchsvoll, aber konditionell fordernd. Die Region ist touristisch gut erschlossen, die Wanderwege sind in Schuss und alles ist ausgeschildert. Wir sind durch Starkregen, Schneefelder, Hagelschauer und strahlenden Sonnenschein gelaufen. Das hat es nochmals abwechslungsreicher gemacht. Aber auch ansonsten lohnt sich ein Besuch der schroffen Landschaft, die anders aussieht als in den Alpen. Wer weniger Wandern und mehr Aussicht genießen möchte, kann auch die Seilbahn nehmen, die vom tschechischen Pec pod Sněžkou hinaufführt. Doch schon jetzt war einiges los und im Hochsommer kann es am Gipfel Erzählungen zufolge durchaus zu Gedränge oder Staus beim Aufstieg kommen.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Es gibt noch weitere Wanderungen und Sehenswürdigkeiten im Riesengebirge. Eine vielbegangene Tour führt zum Ursprung der Elbe, zur Elbquelle, die ebenfalls nahe Spindlermühle liegt. Im Winter ist die Region außerdem bei Skiurlaubern beliebt. Das Skigebiet bei Spindlermühle ist mit 28 Pistenkilometern das größte in Tschechien. Zum Übernachten warten sowohl auf polnischer als auch auf tschechischer Seite viele Bauden, von denen es rund 40 Stück im Riesengebirge gibt. In diesen Unterkünften ist die Übernachtung schon ab umgerechnet 20 Euro pro Person pro Nacht möglich. Denkt aber daran, dass ihr sowohl in Tschechien als auch in Polen Geld wechseln müsst.

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