Slowenien liegt so nah und ist vielen doch so fern. Durch das Land, das an Österreich angrenzt, fährt man häufig nur durch. Zum Beispiel, wenn der Sommerurlaub in Kroatien vor der Tür steht. Doch, wie wäre es mal mit einem Halt in Slowenien selbst? Was man da machen kann? Wandern zum Beispiel. In den Julischen Alpen gibt es schließlich rund 10.000 km ausgewiesene Wanderwege mit aussichtsreichen Panoramen in einer noch eher unbekannten Bergwelt zu entdecken. 

Lohnt sich Wandern in Slowenien?

„Du musst unbedingt mal nach Slowenien!“ Mica, eine Freundin aus Ljubljana blickt mich aufgeregt an. So?! Muss ich das? Was gibt’s denn da? „Du bist doch eh so ein Outdoormensch. Du wirst das Land lieben. Komm nach Kranjska Gora.“ Gora was? Kranjska Gora. Eine Oase inmitten der ansonsten so schroffen Landschaft. Sie reicht mir die Karte, zeigt mir den Ort mit dem See, den sie meint. Und zeigt mir dann den Triglav-Nationalpark. Dort ist der gleichnamige Triglav, der höchste Berg Sloweniens zu finden. Da müsse ich natürlich auch rauf. Nachdem ich die Soča, den wilden, fotogenen Fluss, besucht habe. Okay, der Plan steht.

#slowenien #wandern

Instatipp: Die Napoleonsbrücke bei Kobarid ist ein beliebtes Fotomotiv. Hier ist man sicher nicht alleine. Trotzdem lohnt sich die Aufnahme.

Anreise mit dem VW-Bus nach Slowenien

Gemeinsam mit meinem besten Freund mache ich mich auf den Weg. Es ist bereits dunkel als wir aus München aufbrechen. Etwa vier Stunden sind es laut Navi bis zum Ziel. Mit dem VW-Bus queren wir zuerst Österreich und erreichen schließlich den kurvigen Wurzenpass, der von Villach über die Grenze nach Kranjska Gora führt. Rechts und links stehen dichte Bäume, sodass kaum Mondlicht zu uns nach unten dringt. Außer uns ist niemand auf der Straße unterwegs. Wir gähnen abwechselnd. Müdigkeit macht sich breit. Bis plötzlich der Scheinwerfer des Autos eine Kontur auf der linken Seite erfasst. Mitten im Wald steht ein Panzer. Mit einem Schlag sind wir wieder hellwach.

Unbekanntes Terrain in den Julischen Alpen

Eine kurze Recherche besagt, dass der Panzer hier als Mahnmal aufgestellt wurde. Und trotzdem wirkt das so fremd. So, wie das Land, das gar nicht weit weg ist und über das wir doch nicht viel wussten. Bei Tageslicht überrascht uns die schroffe Bergwelt. Zwar ist mit dem Triglav der höchste Gipfel „nur“ 2.864 m hoch, doch sieht es in vielen Teilen aus wie im Hochgebirge. Da passt die wilde Soča perfekt ins Bild. Das Wasser ist türkisblau, sehr klar und eiskalt. Selbst an heißen Tagen ist nicht mehr als eine kurze Abkühlung drin.

Campingplatz direkt an der Soča

Um all das zu erkunden, müssen wir uns zuerst über Park- und Schlafplätze Gedanken machen. Grundsätzlich ist Wildcampen in Slowenien verboten. Wir entscheiden uns für Kamp Kovač in Bovec. Der Campinggrund liegt direkt an der Soca und ist deshalb vor allem von Kajak-Fahrern besucht. Wir wollen am nächsten Tag die Passstraße zum Mangart hinauf und den gleichnamigen Gipfel besteigen. Deshalb ist der Campingplatz für uns der optimale Ausgangspunkt. Wer die höchste Straße Sloweniens befahren möchte, sollte übrigens Bargeld für die Maut bereithalten. Die Auffahrt kostet 5 Euro.

Typisch slowenischer Klettersteig

Nachdem wir den höchsten Punkt der 11,5 km langen, steilen Passstraße erreicht haben, legen wir die Klettergurte und das Klettersteigset an. Bis zum Gipfelkreuz am 2.679 m hohen Mangart steigen wir über den sogenannten Slowenischen Klettersteig auf. Der macht seinem Namen alle Ehre und ist schon in der Beschreibung als „typisch slowenisch“ ausgewiesen. Das bedeutet so viel wie „nur teilweise gesichert“. Immer wieder gilt es Passagen ohne Drahtseil zu überwinden. Wir kraxeln durch steile Eisrinnen nach oben, queren rutschige Geröllfelder und stehen schließlich am höchsten Punkt. Die Aussicht ist ein Traum.

So viel zu entdecken beim Wandern

Aussichtsreich, wild und nicht zu stark frequentiert: Das ist der Eindruck, der bei mir von Slowenien hängen geblieben ist. In deutschen Tourenportalen gibt es noch nicht so viele slowenische Routen. Es lohnt sich also, die Einheimischen nach Tourentipps zu fragen. Die sind meiner Erfahrung nach alle ausgesprochen nett und hilfsbereit. Und so kommt man garantiert in den Genuss einsamer Bergtouren. Hier sollte man sich jedoch einigermaßen orientieren können und eine gewisse Kondition mitbringen. Viele dieser Wege sind nicht gut markiert, wie wir selbst feststellen mussten.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Vor allem unter Mountainbikern erfreut sich Slowenien immer größerer Beliebtheit. Besonders anlässlich der Trail-Days, einem 4-tägigen Bike-Festival Ende Mai/Anfang Juni, ist in der Gegend rund um Kranjska Gora die Hölle los. Dann reisen Mountainbiker unter anderem aus Deutschland, Österreich und Italien an, um die Trails im Bike Park Kranjska-Gora zu befahren. Außerdem gibt es immer ein Testareal mit Test-Mountainbikes, um die neuen Modelle kennenzulernen. Abends werden die Mountainbike-Liebhaber schließlich mit Live-Musik und Partysound unterhalten.

Ein Kommentar

  1. Hallo Marlene,

    ich kann Dir nur zustimmen: Slowenien ist ein absolutes Wanderparadies! Ich war dieses Jahr dort mit meinem Zelt auf dem Alpe-Trail unterwegs, der von Österreich über Slowenien nach Italien führt. Zwischendurch konnte ich die Zeit für Bergwanderungen in die Berge nutzen. Ein absoluter Traum, wie Du ja auch festgestellt hast 🙂 Besonders hat mir das Bergdörfchen Dreznica gefallen: Von dort aus kann man den Krn besteigen – das ist nicht nur sehr sportlich zum Wandern, es gibt dort auch einen Klettersteig und für Geschichtsinteressierte unter uns, viel vom Krieg mit Italien zu sehen, zu lesen und zu hören. Wenn Du eh keine Angst vor Höhen hast noch ein Tipp: Slowenien gilt als weltweit viert-schönstes Land zum Fliegen. Ein Tandemflug lohnt sich! Und natürlich auch das Wildwasserkurven mit dem Kajak auf der Soca. Ich fahre dort auf jeden Fall wieder hin :))

    Viele Grüße,
    Bianca

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