Kurz vor der kroatischen Grenze ragt eine schmale, steil abfallende Landzunge ins Meer, die den schönsten Ort der slowenischen Adriaküste beinahe den Blicken entzieht. Von weitem sehe ich die Türme der Stadtmauer, dorthin muss ich laufen. Ich überschreite die letzte Bergkuppe und dann stockt mir der Atem: Eng schmiegen sich die Dächer der alten Stadt aneinander, ein eleganter Kirchturm, den ich irgendwo schon mal gesehen habe, thront über allem. Natürlich, der Campanile von San Marco in Venedig! Hier sehe ich das verkleinerte Abbild, denn Piran gehörte einst zur Venezianischen Republik. Piran ist Poesie, Piran ist ein Gedicht!

Lohnt sich der Besuch von Piran an der Adriaküste in Slowenien?

Wer wunderschöne alte Städte, grandiose Küstenlandschaften und das Meer liebt, sollte Piran nicht versäumen. Schroffes Hinterland umrahmt das kleine Stückchen nördliche Adriaküste, das zu Slowenien gehört. Auf den 46 Kilometern der Slowenischen Riviera wechseln sich Ortschaften und grün bewachsene Berge ab, nach Südwesten hin wird die Straße schmaler und die Kurven verengen sich. Piran (ital. Pirano) liegt auf einem Kap am äußersten Südzipfel des Landes und gehört schon zu Istrien. Einst durch Salzhandel reich geworden, entfaltet das Städtchen bis heute seine Pracht: Piran ist eine echte Perle und die Krone der Slowenischen Riviera. Ich habe Piran als einen Höhepunkt meiner Reise nach Slowenien erlebt.

Fototipp: Von den Wachttürmen der Stadtmauer habt ihr definitiv den schönsten Blick auf Piran. Gegen Abend besteht die Chance auf einen magischen Sonnenuntergang, dann aber kann es dunstig sein und das Meer erstrahlt nicht unbedingt in leuchtendem Blau. Ich war auch am frühen Nachmittag dort, da scheint die Sonne noch auf die Fassaden. Versucht es aber am besten frühmorgens, dann sind die Kontraste weniger krass und das Bild wirkt weicher.

Anreise nach Piran in Slowenien

Amtssprachen:Slowenisch und Italienisch
Einwohnerzahl:3.872 (Stand 2017)
Höchster Kirchturm:Campanile (knapp 47 m)
Must-Do:Stadtmauer besteigen
Beste Reisezeit:Mai bis September

Nach einer Tagesfahrt könnt ihr mit dem Auto die slowenische Adriaküste von Süddeutschland aus erreichen. Piran ist nur wenige Stunden von den anderen Top-Reisezielen in Slowenien entfernt. In Slowenien müsst ihr für die Nutzung von Autobahnen und Schnellstraßen eine (digitale) Vignette erwerben, das geht auch vorab online. Eine Autobahn führt von Bled in den Julischen Alpen (nahe der österreichischen Grenze) über die Hauptstadt Ljubljana bis zur Küstenstadt Koper unweit der italienischen Grenze.

Dies dauert wenig mehr als 2 Stunden. Von dort aus bin ich an der Küste weitergefahren, aus der Schnellstraße wird eine kurvige Landstraße, bis die Schwesternstädte Portoroz und Piran erreicht werden. Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt ihr ebenfalls nach Piran: Von Ljubljana aus dauert die Fahrt mit dem Linienbus etwa 3 Stunden. Mit Auto, Linienbus oder Fahrrad könnt ihr die slowenische Küste abklappern.

Venezianische Altstadt direkt am Meer

Was hat Piran Venedig voraus? Von der Altstadt aus habt ihr einen direkten Blick aufs offene Meer. Am Rande einer steilen Klippe thront die St. Georgs-Kathedrale, slowenisch Sv. Jurij. Auf der Turmspitze wacht eine Statue des Heiligen über die Stadt. Wenige Gassen weiter bewundere ich die Minoritenkirche (Bolniska ulica) aus dem 14. Jahrhundert. Im Kreuzgang aus der Zeit der Renaissance wandelten einst Franziskanermönche.

Über den schmalen Gassen hängt die trocknende Wäsche, über Kopfsteinpflaster stolpere ich, um auch noch jeden versteckten Winkel zu erkunden. Es gibt dunkle Durchgänge und mittelalterliche Stadttore, mit dem venezianischen Löwen verziert. Am Piazza Tartini steht ein gotisches Stadtpalais mit den typischen Spitzbogenfenstern, wie man sie aus Venedig kennt und liebt. Ein reicher Salzhändler schenkte es seiner jungen Geliebten. Aus dieser Zeit stammt der eingemeißelte Spruch: „Lassa pur dir“ – „Lass sie doch reden!“

Auf dem großen zentralen Platz wird dem Piraner Komponisten Giuseppe Tartini mit einem Denkmal gehuldigt. Seiner Barockmusik könnt ihr auf dem Tartini Festival im Spätsommer lauschen. Es ist ein Genuss, auf der Strandpromenade zwischen Meer und Altstadt entlangzuschlendern. An der Landspitze grüßt die Kirche Sv. Klementa mit ihrem anmutigen neogotischen Kirchturm die abfahrenden Seeleute auf dem Meer. So jedenfalls stelle ich es mir vor und fühle mich ein weiteres Mal an Venedig und seine Kirche Santa Maria della Salute erinnert.

Türme besteigen in Piran

Seid ihr gut zu Fuß, dann ist es eine der schönsten Beschäftigungen hier, sämtliche Türme dieser bezaubernden Altstadt zu besteigen. Angefangen habe ich mit dem Kirchtürmchen an der Landspitze. Ganz oben auf dem Campanile des Piraner Doms bin ich den uralten Kirchturmglocken ganz nahe gekommen und habe zur vollen Stunde den kräftigen Klang unmittelbar gehört. Die 146 Stufen nach oben sind recht komfortabel und der Ausblick lohnt den Aufstieg absolut.

Dieser einzeln stehende Kirchturm bietet ein grandioses Panorama auf den Stadtkern mit seinen verwinkelten Gassen. Bei guter Sicht könnt ihr drei Länder überblicken: Im Süden liegt Kroatisch-Istrien und im Norden grüßt die italienische Metropole Triest aus der Ferne. Und dazwischen könnt ihr den schmalen Küstenstreifen der Slowenischen Riviera sehen.

Ein absolutes Must-Do sind die Wachttürme der alten Stadtmauer mit ihren Schwalbenschwanzzinnen, die sich oberhalb landeinwärts erstreckt. Auf drei der Türme könnt ihr über enge und steile Treppen hinauf, teilweise müsst ihr euren Kopf einziehen. Von jedem der Türme ist der Ausblick auf Altstadt, Landschaft und Meer etwas anders. Hier oben bin ich gefühlt stundenlang geblieben: Lasst es euch nicht nehmen, den Augenblick zu genießen!

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Baden in der Piraner Altstadt

In Piran gibt es zwar keine Kanäle wie in Venedig, dafür aber ist es möglich, direkt von den Altstadtgassen aus ein Bad im Meer zu nehmen. Ich habe es sehr genossen, im Meer schwimmend diese wunderbare alte Stadt vor Augen zu haben. Es gibt einen kleinen Kiesstrand und eine betonierte Strandpromenade mit Felsen, über die man zum Wasser klettern kann. Außerdem könnt ihr an verschiedenen Stellen über Leitern ins Wasser kommen.

Ich finde, an diesem traumhaften Ort kann man auch mal auf einen Sandstrand verzichten. Den gibt es nebenan in der Nachbarstadt Portoroz, die mit ihren großen Hotels eher einem Badeort gleicht.

Wanderung zu den Salinen von Strunjan

Ein Abstecher in das 4 km entfernte Strunjan lohnt sich unbedingt. Bei der Kathedrale von Piran geht es steil hinunter bis ans Meer. Auf und ab führt ein betonierter Weg an den Kiesstränden des Ortsteils Fiesa vorbei. Die Strecke ist gut zu laufen und wird auch von Mountainbikern genutzt. Dann geht es steil nach oben und durch ein Wäldchen. Insgesamt braucht ihr nach Strunjan etwa eine Stunde. Von dort aus seht ihr den Piraner Dom in der Ferne, im Vordergrund kreischen die Möwen und trocknen die Kormorane ihre Flügel.

Hinter euch befinden sich die Salinen. An der Slowenischen Riviera wurde früher in großem Stile Salz gewonnen, das machte diese Region für Venedig so interessant. In der Lagune finden heute Wasservögel reiche Nahrung und am Meeresstrand locken Liegestühle und Restaurants. Wer viel Zeit hat, kann noch eine gute Stunde länger bis nach Izola wandern, mit seinen noch kleineren Versionen des venezianischen Campanile.

Ein Ausflug zu den ausgedehnten Salinen von Sečovlje direkt an der kroatischen Grenze lohnt sich ebenfalls, sowie ein Besuch des Seefahrtmuseums oder des Aquariums in Piran selbst. Und vor der Nordküste sind die Bedingungen für das Windsurfen ziemlich verlockend.

Keine Autos in der Altstadt von Piran

Falls ihr mit Auto anreist, dann müsst ihr euer Gefährt auf einem der für Touristen ausgebauten Parkplätze außerhalb der Altstadt abstellen. Das ist nicht ganz billig, aber dafür verpestet kein Autoverkehr die Luft im historischen Zentrum. Parkt ihr etwas weiter außerhalb, wird es preiswerter. Haltet ihr euch nicht daran, kann es sehr teuer werden.

Weitere praktische Tipps

Es lohnt sich, in Piran mindestens eine Nacht zu bleiben. Am Abend spielt sich das Leben noch lange auf den Straßen und Plätzen ab. Egal, ob ihr ein Restaurant an der Strandpromenade oder mitten in der Altstadt aussucht, die Atmosphäre ist einfach zauberhaft. Eine bunte Mischung aus Einheimischen, slowenischen Touristen und internationalem Publikum verbringt hier eine entspannte Zeit miteinander. Im Dunkeln durch die engen Gassen zu gehen, lässt einen noch viel eher in vergangene Jahrhunderte eintauchen, spätabends seid ihr dort fast alleine.

In Piran gibt es altehrwürdige Hotels und viele Privatunterkünfte, die ihr außerhalb der Saison auch noch vor Ort auswählen könnt. Auf Schilder mit der Aufschrift „Sobe“ oder „Apartma“ achten! In der Hauptsaison, also etwa in der Zeit von Juni bis Anfang September ist es unbedingt angeraten, vorab online zu reservieren und eine Kreditkarte parat zu haben.

Fazit

Vielleicht habe ich euch überzeugen können: Piran ist einer der schönsten Orte an der Adria. Deshalb lohnt es sich, herzukommen, selbst wenn ihr nur ein paar Stunden Zeit habt und auf der Durchreise seid. Piran kann man sehr gut mit einem Aufenthalt in Kroatien auf der Halbinsel Istrien kombinieren. Ebenso gut ist es möglich, sich bei einem Urlaub in Slowenien einen spannenden Cocktail aus Bergtouren und einem Aufenthalt am Meer zu mixen. Dies geht sogar für den relativ kurzen Zeitraum von etwa einer Woche, wie ich das gemacht habe.

Nur etwa eine Stunde Autofahrt von Piran sind die berühmten Höhlen von Postojna und Škocjan oder die beinahe namensgleichen, großartigen Felsbrücken von Rakov Škocjan entfernt. Und Triest, die nahe Metropole des italienischen Friaul, aber auch Venedig oder das kroatische Rovinj könnt ihr von Piran aus auf einer Schiffstour besuchen.

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