Bis zur letzten Steigung sind wir keiner Menschenseele begegnet. Nun ist der Gipfel in Sichtweite. Und dort sind wir nicht alleine. Mindestens fünf Menschen kann ich bereits von hier unten am Gipfelkreuz des Jochbergs ausmachen. Doch ich kann es keinem verdenken. Denn die Aussicht auf Kochelsee und Walchensee sowie dem 360-Grad-Panorama ist sensationell.

Wanderung zum Jochberg in den Bayerischen Voralpen

Der Jochberg ist ein beliebter Aussichtsberg in den Bayerischen Voralpen. Am höchsten Punkt auf 1.565 m habt ihr einen tollen Blick über den Walchensee und den Kochelsee. Denn genau dazwischen erhebt sich der baumfreie Gipfel mit dem großen Kreuz.

Der einfachste und bekannteste Aufstieg startet am Parkplatz nahe der Passhöhe der Kesselbergstraße. Rund 700 Höhenmeter sind es von dort bis nach oben. Und weil das die kürzeste Variante für den Aufstieg ist, zieht dieser Weg auch die meisten Menschen an.

Wir hingegen sind in Kochel am See gestartet. Das ist zwar mit rund 1.100 hm und einer Gesamtstrecke von 16 Kilometern der längere Weg, dafür auch deutlich weniger frequentiert. So sind wir beim Aufstieg nur einem weiteren Wanderer begegnet. Und zudem kommt ihr über diesen Weg noch an den Lainbachwasserfällen vorbei.

Instatipp: Vom Kreuz führt der Gipfelgrat in Richtung der beiden Seen. Der Grat wirkt auf Fotos viel spektakulärer als in echt. Gemeinsam mit dem türkisblauen Wasser und der genialen Weitsicht das perfekte Fotomotiv.

Anreise nach Kochel am See

Aus München kommend ist der Jochberg der perfekte Tagesausflug. Ich hätte gedacht, man fährt länger. Aber in rund 45 Minuten sind wir mit dem Auto am Ziel und genießen die Morgenstimmung. Nebel steigen langsam über der Wasseroberfläche auf. Noch hat es die Sonne nicht über die umliegenden Berge geschafft und noch ist es so kühl, dass beim Ausatmen kleine Wölkchen entstehen. Doch ich mag diese Atmosphäre am Morgen. Wenn alles noch schläft und alles noch so ruhig und friedlich wirkt.

Geparkt haben wir am Schiffsanleger in Kochel am See, auf Höhe der Bushaltestelle „Franz-Marc-Museum“. Dazu solltet ihr entweder viel Kleingeld dabei haben, oder aber ihr bezahlt die Parkgebühr in Höhe von 6 Euro bequem per App.

Oder ihr fahrt mit der Bahn. Denn zum Bahnhof in Kochel kommt ihr aus München ohne umzusteigen in knapp einer Stunde. Von dort sind es dann etwa 15 Minuten Fußweg zum Ausgangspunkt am Parkplatz. Die Bahnen fahren übrigens im Stundentakt. So seid ihr damit auch recht flexibel. Das kann gerade an schönen Sommertagen in der Hauptsaison, wenn die Parkplätze knapp werden, eine gute Alternative sein.

In 30 Minuten zu den Lainbachwasserfällen

Gipfel:1.565 m
Höhenmeter:1.103 m
Strecke:16 km
Dauer:6 Stunden
Beste Reisezeit:April bis Oktober

Von dort folgt ihr dem Laingraben. Am Ufer des Baches führt ein Weg entlang. Mäßig steigend geht es bergauf. Zu Beginn noch über eine breite Forststraße und dann später weiter über ein schmales Pfädchen. Und das schlängelt sich malerisch zwischen moosbewachsenen Baumstämmen hindurch. Daneben gluckst das kristallklare Wasser. Und über unseren Köpfen stimmt der eine oder andere Vogel sein Morgenlied an. Es ist super idyllisch.

Und dann wird es auch noch spektakulär. Zuerst taucht vor uns der Untere Lainbachfall auf. Er ist ein Wasserfall wie aus dem Bilderbuch, der sich über eine Felswand und einzelne kleine Absätze seinen Weg nach unten bahnt. Doch im Vergleich zum Oberen Lainbachfall wirkt er beinahe mickrig.

Über eine hölzerne Brücke nähern wir uns dem tosenden Geräusch, das hinter einer Felswand hervorzukommen scheint. Dann sehe ich ihn erstmals. Ein einziger breiter Wasserstrahl taucht vor mir auf. Am Ende trifft das Wasser in eine riesige Gumpe. Hier kann man im Sommer sogar schwimmen gehen, so tief ist der Stein an dieser Stelle ausgehöhlt.

Kurzerhand lasse ich den Weg hinter mir und kraxle über umgefallene Baumstämme und glitschige Steine. Ich will näher ran. Denn das Naturspektakel zieht mich in seinen Bann. Ich kann schon jetzt sagen: Die Wanderung hat sich gelohnt. Dabei sind wir noch lange nicht am Gipfel und da werden uns noch ganz andere Blickwinkel erwarten.

Mäßig steil bergauf bis zur Kotalm

Von diesem Blick zehre ich den ersten Teil des Aufstiegs. Denn da geht es dann recht unspektakulär über einen breiten Forstweg bergan. Vorteil dabei ist allerdings, dass der Weg zwar kontinuierlich ansteigt, aber nie wirklich steil ist. So geht es die ganze Zeit eher gemütlich bergauf. Zumindest bis wir an der Kotalm auf den eigentlichen Wanderweg abzweigen.

Dort liegt Mitte April noch sehr viel Schnee. Wir folgen einer ausgetretenen Spur ab dem Wegweiser tiefer in den Wald hinein. Doch die Spur wird immer dünner und dünner. So als hätte sich die Wanderer, die hier vor uns entlanggestapft sind, plötzlich in Luft aufgelöst. Irgendwann finden wir uns kraxelnd in einem Bachbett wieder. Das ist wohl kaum der richtige Weg.

Ein Blick auf den GPS-Track und eine kurze Kursänderung schaffen Abhilfe. Wir haben die Fährte wieder gefunden. Trotzdem mühen wir uns durch den Schnee weiter nach oben. Das ist halt die Schattenseite eines weniger begangenen Wanderwegs.

Sensationeller 360-Grad Blick über Kochelsee und Walchensee

Ab der Jochbergalm hört das auf. Denn kurz darauf treffen wir auf den Hauptwanderweg und prompt kommen andere Wanderer auf uns zu. Ich halte kurz am Rand des schmalen Weges, um sie durchzulassen, und genieße dabei schon mal einen ersten Blick ins Tal. Okay. Das gibt Energie. Dieses Aussicht möchte ich nun gerne von oben bestaunen. Diese kleine Preview motiviert mich für die letzten Meter.

Auf Höhe des Gipfelkreuzes halte ich mich links und schreite über den schmalen Grat in Richtung Seeblick. Dann lasse ich genüsslich den Blick über all das kreisen, was sich vor mir auftut. Ich sehe die Benediktenwand, kann über das Karwendel mit der Soiernspitze, der Westlichen Karwendelspitze und der Zugspitze blicken. Unten im Tal ganz klein liegt der Hohe Kranzberg. Deutlich prominenter und direkt gegenüber von uns ragt schließlich der Herzogstand auf.

Doch das Highlight wartet diesmal nicht in der Ferne, sondern am Boden. Türkisblau leuchtet mir der Kochelsee entgegen. Auf der anderen Seite strahlt der Walchensee mit ihm um die Ecke. Kein Wunder, dass dort unten der Film Wickie gedreht wurde. Der See hat tatsächlich Ähnlichkeit mit einem Fjord. Rechts und links erheben sich direkt die umliegenden Berge. Es ist genial. Und dort geht es nun auch hin.

Fazit

Am Kochelsee sind wir gestartet, am Walchensee sind wir angekommen. Zurück ging es dann mit dem Bus. Das sind nur 10 Minuten Fahrzeit. Und ich würde das jederzeit wieder so machen. Denn eine Rundtour hat ja den Vorteil, dass man keinen Wegabschnitt zweimal gehen muss. Ausgenommen vom letzten Gipfelaufschwung. Den mussten wir auch wieder zurückwandern.

Generell ist die Tour super schön. Für geübte Wanderer nicht zu schwierig, dafür gespickt mit Highlights und als tagesfüllendes Programm auch für eine sportliche Familie machbar. Am Ende wartet dann der verdiente Sprung ins kühle Nass. Perfekt!

Lage


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