Die Landschaft wirkt wild und mystisch. Trotz Regen. Oder vielleicht genau deswegen? Viel Glück mit dem Wetter haben wir auf dem Weg von Savognin zum Lunghinpass und weiter nach Maloja tatsächlich nicht. Doch getreu dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“ lassen wir uns die Freude an der Wanderung im Parc Ela nicht nehmen und haben die malerische Bergwelt Graubündens ganz alleine und einsam genossen.

Lohnt sich die Wanderung zum Lunghinpass im Parc Ela?

Am Lunghinpass im Parc Ela auf 2.644 m Höhe gibt es Europas einzige dreifache Wasserscheide. Das bedeutet, dass das Wasser von diesem Punkt in drei verschiedene Weltmeere fließt. So entspringt hier die Julia, die später in den Rhein mündet und damit in die Nordsee fließt. Zudem liegt die Quelle des Inn am Lunghinpass. Über den Inn fließt das Wasser in die Donau und später ins Schwarze Meer. Und das Wasser, das über die Maira in den Po transportiert wird, landet im Mittelmeer.

Eine beliebte Tour zum Lunghinpass startet in Maloja. Dort ist in der Regel auch viel los. Deshalb sind wir aus der anderen Richtung gekommen. Aus Savognin geht es für uns über zwei Tage durch den Parc Ela, vorbei an der Moorlandschaft Alp Flix bis nach Bivio und dann schließlich über den Septimerpass zum Lunghinpass. Insgesamt 34 Kilometer ist die Strecke und dabei gilt es knapp 2.000 Höhenmeter zu überwinden.

Instatipp: Vom Lunghinpass habt ihr einen tollen Blick auf den Lunghinsee. Dort entstehen tolle Fotos mit der kargen Landschaft und dem blauen Bergsee.

Anreise ins Val Surses

Von München dauert es dreieinhalb Stunden bis nach Savognin in der Schweiz. Dazu geht es zuerst in Richtung Bodensee, dann kurz durch Österreich und später über die Schweizer Autobahn weiter. Ihr benötigt also zwei Vignetten.

Obwohl die Tour in Savognin startet, bringen wir das Auto direkt nach Maloja. Dort werden wir in zwei Tagen rauskommen. So nutzen wir den Anreisetag komplett aus, stellen das Auto kostenfrei am Silsersee bei Maloja ab, spazieren gemütlich durch das Schweizer Örtchen und nehmen dann die öffentlichen Verkehrsmittel nach St. Moritz und weiter nach Tiefencastel. Die Verbindung besteht im 2-Stunden-Takt. Von Tiefencastel fährt alle 30 Minuten ein Bus weiter nach Savognin.

Dadurch sind wir statt der geplanten dreieinhalb Stunden Anreise zwar knapp doppelt so lange unterwegs, dafür können wir uns aber am zweiten Wandertag entspannt Zeit lassen und anschließend am Auto direkt die Klamotten wechseln.

Im Regen durch den Parc Ela zur Alp Flix

Länge:34 km
Dauer:12 Stunden (2 Tage)
Höhenmeter:1.983 m
Übernachtungstipp:Hotel Post Bivio
Beste Reisezeit:Juni – Oktober

Von Savognin ist es am nächsten Morgen nicht weit bis zum Naturpark Parc Ela. Dort gibt es eine riesige Artenvielfalt. Und wir werden eine ganze Weile durch den Park spazieren. Allerdings bleibt erstmal nur wenig Zeit zum Genießen, denn es geht direkt steil bergauf. 900 Höhenmeter arbeiten wir uns vorwiegend durch Waldpassagen nach oben. Und kaum haben wir die Höhe erreicht, fängt es an zu regnen. Das mit der Aussicht wird heute also nichts.

Macht nichts. Dafür wirkt die Landschaft rund um den Lais da Flix, an dem wir bald vorbeikommen, umso mystischer. Es sind sogar zwei Seen, die wir passieren. Und wir wandern über einen schmalen Pfad direkt am Ufer entlang. Bei schönem Wetter ist das sicher ein toller Platz für eine Rast.

Es gibt zudem auch richtige Einkehrmöglichkeiten auf der Alp Flix. Die Moorlandschaft ist nämlich besiedelt. Und neben einem Hofladen, in dem Selbstbedienung herrscht, könnt ihr auch in dem einen oder anderen Restaurant eine Pause einlegen. An der nahegelegenen Cotti Agricultura könnt ihr sogar übernachten. Dort stehen mongolische Jurten hinterm Haus. Da kann man sich einquartieren.

Da wir schon das Hotel in Bivio gebucht haben, wandern wir weiter. Hätte ich zu dem Zeitpunkt gewusst, dass wir kilometertechnisch an der Alp Flix erst Halbzeit haben, hätte ich mir das vielleicht nochmal anders überlegt. Doch nach ingesamt 20 Kilometern und mit schönen Ausblicken auf den Marmorerastausee erreichen wir schließlich unser Etappenziel.

Einsam am Lunghinpass

Am nächsten Morgen geht’s dann weiter. Mit neuer Motivation. Und nach wie vor bei Regenwetter. Doch alles hat bekanntlich zwei Seiten. Wir müssen zwar die Kapuze tiefer ins Gesicht ziehen, dafür sind wir den ganzen Tag alleine unterwegs.

So wandern wir zuerst noch über eine breite Forstraße nach oben zum Septimerpass. Das war früher ein bedeutender Übergang der Römerzeit. Ab da verändert sich die Landschaft. Der Weg wird schmaler. Die Umgebung karger, gerölliger. Und ich finde mich in einer meditativen Atmosphäre wieder. Ich setze nur noch einen Fuß vor den anderen. Höre dem Klang der Regentropfen zu, die auf dem Plastik meiner Jacke abprallen. Und genieße die frische Luft, die sich durch den Schauer auftut. Die Ruhe tut gut. Lässt mich meine eigenen Kraftreserven wieder auffüllen.

Dadurch vergeht die Zeit nach oben wie im Flug. Plötzlich stehe ich an dem Felsen, der die Wasserscheide markiert. Das ist der höchste Punkt. Ich reiße die Arme nach oben. Geschafft! Die Landschaft um mich herum wird von Nebelschwaden eingerahmt. Zu meinen Füßen liegt der Lägh dal Lunghin, der Lunghinsee. Daneben grast eine Herde Rinder mit verschlungenen Hörnern. Ich fühle mich wie in einem Fantasy-Roman. In dieser Kulisse würde nicht überraschen, wenn gleich was magisches passiert.

Fazit

Doch natürlich passiert nichts. Trotzdem bleibt diese Stimmung eine ganze Weile in mir und trägt mich auf dem Weg nach unten nach Maloja. Es war eine schöne Tour. Naturerlebnis pur. Zwar insgesamt recht anstrengend, aber auf zwei Tage aufgeteilt durchaus machbar. Dabei fand ich super, dass wir zwischendurch in einem Hotel im Tal und nicht auf einer Hütte übernachtet haben. Gerade bei dem Regen habe ich mich abends sehr auf eine heiße Dusche gefreut.

Wenn ihr nur zur Wasserscheide hinauf möchtet, dann würde ich euch den Aufstieg von Maloja aus empfehlen. Wenn ihr aber genauso wie wir mehr von der Landschaft sehen möchtet, dann nehmt euch die Zeit und genießt die Tage im größten Naturpark der Schweiz.

Bei schönem Wetter könnt ihr die Wanderung am zweiten Tag auch noch mit einem Gipfelerlebnis kombinieren. Vom Pass Lunghin sind es nämlich nur noch rund 150 Höhenmeter bis zum Piz Lunghin. Und von dort habt ihr einen tollen Blick.

Und wenn ihr in der Schweiz seid, dann denkt daran, ein Rösti zu essen, oder euch abends beim Käsefondue den Bauch vollzuschlagen. Das lohnt sich definitiv immer!

Lage

Praktische Links

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