Als ich am Hocheck ankomme, ist der anstrengendste Teil der Watzmannüberschreitung bereits geschafft. Die technisch anspruchsvollen Passagen kommen aber erst noch. Vor mir erhebt sich der lange Felsgrat des Watzmanns, die Mittelspitze und die Südspitze. Rechts und links geht es steil nach unten. Der imposante Berg trägt seinen Namen „Schicksalsberg“ nicht umsonst. Ich habe die Wanderung in den Berchtesgadener Alpen an einem Tag geschafft und berichte von meinen Erfahrungen auf der wohl schönsten Bergtour in Deutschland.

Lohnt sich die Watzmanüberschreitung?

Mit 2.713 m zählt der Watzmann im Berchtesgadener Land zu den höchsten Bergen in Deutschland. Dank der felsigen Gestalt ist er einer der eindrucksvollsten. Auf der Überquerung des Watzmanns müssen knapp 2.400 Höhenmeter und über 23 Kilometer Wegstrecke überwunden werden. Dazu kommen Kletterpassagen, bei denen man sich keinen Fehler erlauben darf. Teilweise sind zwar Seilversicherungen angebracht, aber die Überschreitung ist kein durchgehender Klettersteig. Immer wieder kommen deshalb Diskussionen darüber auf, wer auf dem Grat unterwegs sein darf und wer sich den Watzmann besser nur von unten anschauen sollte.

#berchtesgaden #wandern

Instatipp: Am imposantesten ist der Kamm, wenn man von der Südspitze aus zurück fotografiert. Wenn dort gerade jemand entlangläuft, entsteht ein Foto, das auch im Hochgebirge hätte aufgenommen werden können.

Anreise zum Parkplatz an der Wimbachbrücke

Ungefähr 2 Stunden dauert die Anfahrt von München zum Parkplatz an der Wimbachbrücke in Ramsau bei Berchtesgaden. Wir wollen um 5 Uhr auf die Überschreitung starten. Dementsprechend sitzen wir bereits mitten in der Nacht im Auto. Am Parkplatz selbst haben wir um diese Uhrzeit zwar kein Problem, einen Platz zu finden, aber die Parkgebühr überrascht uns. 7 Euro kostet das Tagesticket. Der Automat nimmt nur Münzen und wechselt nicht. Packt hier also genug Kleingeld ein.

Die richtige Ausrüstung mitnehmen

Länge:23 km
Dauer:14 Std.
Höhenmeter:2.377 m
Schwierigkeit:Schwer, I-II
Beste Jahreszeit:Juli bis September

Obwohl die Tour so lange ist, sind möglichst leichte Schuhe und leichtes Gepäck empfehlenswert. Ihr solltet natürlich trotzdem einen guten Halt haben. Aber auf die Dauer macht sich das Gewicht bemerkbar. Spart allerdings nicht am Wasser. Das könnt ihr zwar am Watzmannhaus nochmals auffüllen, aber am Grat selber gibt es keine Möglichkeit mehr dazu. Auch ausreichend Riegel oder eine Brotzeit sollte dabei sein, um die Kraftreserven zwischendurch wieder aufzufüllen. Obwohl nur ein Bruchteil der Stellen mit Drahtseilen gesichert sind, hatte ich außerdem ein Klettersteigset dabei. Das habe ich zwar oft nicht benutzt, aber falls doch eine Sicherung da war, konnte ich mich einhängen.

Steiler Anstieg übers Watzmannhaus zum Hocheck

Im Dunklen marschieren wir los. Abgesehen von uns nimmt kaum einer der beschwerlichen Weg auf sich. Die meisten machen die Überquerung an zwei Tagen. Wir schrauben uns durch den Wald steil nach oben. Das ist anstrengend, aber nicht weiter schwierig. Am Watzmannhaus machen wir die erste Pause, blicken auf die Nebelfelder im Tal und legen dann den vorerst letzten Anstieg zum Hocheck zurück. Damit stehen wir auch schon am ersten Gipfel des Watzmanns und haben schon über 2.000 Höhenmeter überwunden. So weit, so gut. Ein Blick gen Himmel sagt, dass auch das Wetter auf unserer Seite ist. Eine wichtige Voraussetzung, denn hier oben will man garantiert nicht in ein Gewitter kommen. Der Grat ist richtig lang. Und super imposant.

Lange Kraxelei am ausgesetzten Grat

Die Gratüberschreitung ist eine der Schlüsselstellen und fordert Konzentration von Anfang bis Ende. Es ist sehr ausgesetzt. Ein falscher Tritt kann fatale Folgen haben. Die teils schwindelerregenden Tief- und Ausblicke sind es aber auch, die die Überschreitung so besonders machen. Ich gebe bei jedem Schritt und beim Klettern zwar acht, fühle mich aber nicht unsicher. Außerdem sind wir zum Glück nahezu alleine unterwegs. Nur an den einzelnen Gipfelkreuzen der Mittelspitze und Südspitze treffen wir auf gleichgesinnte Bergsteiger. So kann ich das Erlebnis richtig genießen. Zwischendurch scheint es schier endlos zu sein und doch bin ich plötzlich am Ende angelangt. Wir klatschen ab. Geschafft. Für’s erste. Denn der Abstieg, der nicht zu unterschätzen ist, liegt ja noch vor uns.

Fazit

Bereitet euch unbedingt auf die Tour vor und seid euch sicher, dass ihr den Anforderungen gewachsen seid. Die Tour ist nicht für Anfänger geeignet. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind unbedingt erforderlich. Und auch kraftmäßig ist die Überschreitung nicht zu unterschätzen. Wenn ihr den Grat gemeistert habt, liegt noch ein anstrengender Abstieg vor euch. Da geht es zuerst ziemlich steil über unwegsames Gelände bergab und anschließend lange das Tal hinaus. Hierfür müsst ihr auf jeden Fall noch Kraftreserven übrig haben. Wer sich die Tour aber zutraut, wird sie sicher lange in Erinnerung behalten. Für mich zählt sie definitiv zu den lohnenswertesten Wanderungen in den Alpen.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Um die Tour zu entschärfen, übernachten viele Bergsteiger im Watzmannhaus. Dort warten insgesamt 200 Schlafplätze. Das klingt erstmal viel, die sind in der Hauptsaison aber auch oft ausgebucht. Reserviert deshalb am besten frühzeitig. Dies geht nur online. Abenteuerlustige übernachten in der Biwakschachtel am Hocheck, die eigentlich für den Notfall vorgesehen ist. Fließend Wasser gibt es hier allerdings keins. Am Ende der Tour wartet schließlich noch die Wimbachgrieshütte. Wenn ihr hier seid, liegt das schlimmste hinter euch. Falls ihr auf den letzten Kilometern von der Dunkelheit überrascht zu werden droht, könnt ihr in der Hütte auch eine Nacht verbringen.

Kommentar verfassen