Ich schiebe einen großen, blühenden Oleanderzweig zur Seite und schlupfe hindurch. Der Weg wird immer enger, die bis zu 30 Meter hohen Felswände rücken näher zusammen. Ich bin auf Zypern und wandere hier im Westen der Insel in die beeindruckende Avakas-Schlucht hinein. Wo sonst Strand und Meer locken, bietet die kurze Wanderung durch die enge Kalksteinschlucht eine spektakuläre Abwechslung. Die wilde Natur der Insel zeigt sich in der Avakas-Schlucht von ihrer schönsten Seite – doch ich frage mich durchaus, wie eng die engste Stelle der Schlucht wirklich ist.
Lohnt sich die Wanderung durch die Avakas-Schlucht?





Die Avakas-Schlucht (auch Avakas Gorge) liegt im Westen von Zypern, rund 18 Kilometer nördlich von Paphos auf der Akamas-Halbinsel. Die beeindruckende Kalksteinschlucht ist etwa 3 Kilometer lang und bis zu 30 Meter tief. An der engsten Stelle misst sie nur rund 3 bis 4 Meter Breite. Entstanden ist sie durch jahrtausendelange Erosion des Avgas-Flusses.
Besonders in den Frühjahrsmonaten beeindruckt die Schlucht mit ihrer üppigen Vegetation aus Oleander, wilden Feigen, Farnen und Eukalyptus. Die Wanderung ist einfach bis moderat, allerdings wird es bei Nässe schnell rutschig. Im Winter kann der Wasserstand zu hoch sein, sodass eine Begehung dann nicht immer möglich ist.
Fototipp: Besonders fotogen ist die Avakas-Schlucht natürlich an ihrer engsten Stelle: Die hohen Felswände, der eingeklemmte Felsbrocken und das schmale Flussbett ergeben fantastische Motive. Am Vormittag fällt hier das Licht schön schräg in die Schlucht und sorgt für tolle Kontraste. Mein Tipp: Ein Weitwinkelobjektiv bringt die imposante Enge besonders gut zur Geltung. Früh dort zu sein lohnt sich, um den Massen zu entgehen.
Anreise nach Paphos auf Zypern
| Lage: | nähe Paphos, Zypern |
| Anreise: | Mietauto, Jeep, Quad |
| Länge: | 3 Kilometer |
| Must-See: | Engstelle ~4 Meter |
| Beste Zeit: | frühmorgens |
Auf Zypern gibt es zwei Flughäfen: Paphos und Larnaka. Internationale Flüge landen jedoch eher in Larnaka. Von dort aus ist man mit einem Mietauto am flexibelsten unterwegs (Achtung, Linksverkehr!).
Von Larnaka aus braucht man etwa eineinhalb Stunden über die Autobahn nach Paphos. Dann sind es noch einmal rund 30 Minuten bis zum Akamas-Nationalpark. Die letzten Meter zum Parkplatz direkt vor der Avakas-Schlucht führen über eine sehr schlechte Straße, die nur mit Geländewagen oder Quads gut befahrbar ist. Wir haben unser Auto daher schon rund 1,5 Kilometer vorher bei einer kleinen Kirche auf einem Parkplatz abgestellt und sind zu Fuß über die kaputte Schotterstraße zum Haupteingang gewandert – das war sicherer und stressfreier.
Es fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel direkt bis zur Schlucht. Wer kein Auto hat, kann sich ein Quad ausleihen oder alternativ eine geführte Tour mit dem Jeep buchen.
Wanderschuhe statt Strandsandalen
Die Wanderung durch die Avakas-Schlucht ist zwar kurz und eher einfach, aber stellenweise ist der Wanderpfad unwegsam – führt über rutschige Felsblöcke und durch einige enge Passagen. Sportliche, griffige Wanderschuhe sind ein Muss, um auf dem unebenen Schotter und den Felsen sicheren Halt zu haben. Lasst eure Strandsandalen also besser am Strand – Wanderstöcke braucht ihr aber nicht.
Je nach Hitze empfehle ich euch außerdem Sonnenschutz und genügend Wasser, denn Schatten gibt es nur direkt in der engen Schlucht. Wenn ihr die gesamte, drei Kilometer lange Schlucht durchqueren wollt, seid unbedingt mit Offline-Karten gut vorbereitet, denn in der Avakas-Schlucht gibt es größtenteils keinen Empfang.
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Pink blühender Oleander am Schlucht-Eingang
Das kurze Stück auf der kaputten Schotterstraße haben wir schnell zurückgelegt. Nur wenige Meter nach dem Haupteingang fühlt es sich fast wie der Eintritt ins Land der Feen an. Überall ranken grüne Pflanzen in den Wanderpfad hinein, bunte Oleanderblüten leuchten in der Morgensonne, und ich steige von Stein zu Stein über einen kleinen Bach. Manchmal schiebe ich ein paar Zweige zur Seite und gehe immer weiter in die Schlucht hinein. Der Weg wird schmaler, die Felswände rücken näher zusammen und werden immer höher.
Es ist angenehm kühl hier in der Schlucht. Wir hören ein leises Plätschern und sehen viele Vögel herumfliegen. Anscheinend gibt es in den Felswänden einige Nester. Schon nach diesen wenigen Minuten bin ich total fasziniert von der wilden und ursprünglichen Natur. Diese Seite Zyperns findet man nicht auf den typischen Postkarten – aber anhand der immer zahlreicher werdenden Touristen merkt man, dass die Avakas-Schlucht längst kein Geheimtipp mehr ist.
Die engste Stelle der Avakas-Schlucht
Nach rund einem Kilometer wird es richtig spektakulär: Die Schlucht verengt sich auf eine Breite von nur noch knapp vier Metern. Links und rechts ragen die senkrechten Kalksteinwände etwa 30 Meter hoch empor. Ich klettere über ein paar große Felsblöcke am Boden und erreiche die engste Stelle der Avakas-Schlucht. Über mir klemmt ein riesiger Felsblock, wie eingekeilt zwischen den Felswänden – ein absolut beeindruckender Anblick!
Hier bleiben die meisten Besucher stehen, machen Fotos und kehren dann um. Wir sind motiviert, noch ein Stück weiter durch die Schlucht zu gehen. Der Pfad bleibt abenteuerlich, wird aber nicht schwieriger. Als die Schlucht wieder breiter wird, ranken sich erneut unzählige pinke Oleandersträucher in den Weg. Vor uns breitet sich eine Art Canyon mit eindrucksvollen Felszacken aus. Avakas-Schlucht, du bist wirklich ein magischer Ort!
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Fazit
Die Avakas-Schlucht ist für mich definitiv eines der Highlights auf Zypern. Eine kleine Wanderung durch diese spektakuläre Naturlandschaft ist eine tolle Abwechslung im Urlaub. Besonders im Frühling, wenn alles blüht, zeigt sich die Schlucht von ihrer schönsten Seite. Im Sommer bietet sie eine willkommene Abkühlung. Es lohnt sich, früh dort zu sein, um den Menschenmassen zuvorzukommen.
Nach der Schlucht sind wir noch zum Schiffswrack EDRO III gefahren. Es liegt direkt an der Küste Zyperns und ist ein faszinierender, fast mystischer Anblick. Sehr schön – vor allem in den frühen Morgenstunden – sind auch die berühmte Liebesbrücke und die Meereshöhlen bei Ayia Napa. Ebenfalls außergewöhnlich ist der Mackenzie Beach direkt vor dem Flughafen in Larnaka: Hier fliegen die Flugzeuge fast so tief über die Köpfe hinweg wie am Maho Beach in der Karibik.
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