Die Burg auf dem Felsen, ein Ensemble aus grauen dicken Mauern und Schießscharten, Fachwerk und französischer Gartenkunst – na, woran denkt ihr? Hogwarts? Game of Thrones? Disney? Ich jedenfalls fühle mich auf einer Zeitreise in Bayern. Die engen Durchgänge, hohen Türme und alten Fachwerkgebäude erzählen von fast 900 Jahren Geschichte. Ich steige Treppen hinauf, blicke durch Schießscharten ins Tal und entdecke hinter den dicken Mauern sogar ein Gefängnis. Was es damit wohl auf sich hat?
Lohnt sich der Besuch der Burg Harburg?






Hoch über der Wörnitz thront die Burg Harburg, eine der größten und am besten erhaltenen Burganlagen Süddeutschlands. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1150 in einem Brief des späteren Kaisers Heinrich VI. Die Anlage selbst ist vermutlich älter: Funde weisen auf eine Besiedlung des Burgbergs bereits in der Römerzeit hin.
1299 gelangte die Harburg an die Grafen von Oettingen, die sie über Jahrhunderte erweiterten und zu einer mächtigen Festung ausbauten. Im 18. Jahrhundert ließ das Haus Oettingen Teile der mittelalterlichen Anlage zur repräsentativen Residenz umgestalten. So treffen heute Romanik, Gotik, Renaissance und Barock aufeinander. Bei einer Führung entdeckt ihr Wehrgänge, Türme, die Schlosskirche St. Michael, historische Wohnräume und sogar ein mittelalterliches Verlies.
Fototipp: Für besondere Burgmotive lohnt sich eine Kombination aus Wehrgang und Innenhof. Neben den mächtigen Mauern und Türmen seht ihr hier auch die historischen Gebäude mit Fachwerkoptik, Bambushecken und kunstvoll gestaltete Gartenbereiche.
Anreise nach Harburg
| Historie: | Erste Nennung mind. 1150 |
| Lage: | Schwaben (Bayern) |
| Anreise: | Zug oder Auto |
| Must-Do: | Burgführung |
| Dauer: | 1 Stunde |
Die Burg Harburg liegt oberhalb der gleichnamigen Stadt im Landkreis Donau-Ries und ist Teil der Romantischen Straße. Mit dem Auto erreicht ihr Harburg über die Bundesstraße B25, die durch den Ort führt. Rund um die Burg stehen Besucherparkplätze zur Verfügung; von den Parkplätzen hinter beziehungsweise unterhalb der Burg führt ein etwa fünfminütiger Fußweg hinauf zur Anlage.
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann Harburg auch per Bahn erreichen. Der Bahnhof liegt im Tal und ist über einen Spaziergang mit der Altstadt und der Burg verbunden.
Für die Burg selbst solltet ihr mindestens eine Stunde einplanen, insbesondere dann, wenn ihr an der einstündigen Schlossführung teilnehmt. Die Saison läuft von März bis November; geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr, die regulären Führungen beginnen zur vollen Stunde.
Über den Märchenweg zur Burg hinauf
Bevor es hinauf zur Burg geht, schlendere ich erst durch das kleine Harburg an der Wörnitz. Besonders schön ist der Blick von unten: Über den historischen Häusern und der steinernen Brücke erhebt sich die Burganlage auf dem Hügel. Von hier führt der Weg hinauf, und wer zwischen Mai und Oktober unterwegs ist, kann dabei noch eine kleine Überraschung entdecken: den Harburger Märchenweg. Rund um die Burg stehen verschiedene Märchenfiguren, die es zu erraten gibt. Der Weg führt vom Wörnitzstrand bis hinauf zur Burg und teilweise weiter in den Märchenwald.
Als ich die Burg erreiche, bin ich auf jeden Fall eingestimmt auf Märchen und Magie. Durch das erste Tor geht es in den Vorhof, wo sich bereits ein eindrucksvolles Ensemble aus Türmen, Wirtschaftsgebäuden und Wehrmauern öffnet. In einem kleinen Souvenirshop bekomme ich die Eintrittskarten und vertrete mir dann noch ein wenig die Beine im Burghof.
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Durch Türme, Tore und Wehrgänge
Dann beginnt die einstündige Schlossführung. Zunächst geht es in die Schlosskirche. Sie gehört zu den ältesten Teilen der Anlage und zeigt, wie eng auf einer mittelalterlichen Burg Verteidigung, Alltag und Religion miteinander verbunden waren. Dann steigen wir zum Wehrgang auf und kommen an Schießscharten, Türmen und Erkern vorbei. Durch die dicken Mauern wirkt plötzlich sehr greifbar, wie wehrhaft die einstige Stauferburg gewesen sein muss.
Besonders spannend finde ich den Blick in den staufischen Bergfried. Im Inneren befindet sich ein Verlies, ein ziemlich düsterer Ort, der deutlich macht, dass die Burg nicht nur Wohnsitz, sondern auch Gefängnis und Gerichtsort war. Im Kastenhaus sehen wir den historischen Gerichtssaal, die Kanzlei und eine Rüstkammer.
Von der Festung zur Residenz
Immer wieder wechseln wir zwischen engen, dunklen Räumen und offenen Bereichen mit Blick über Harburg. Unter mir liegt die Wörnitz, dahinter erstreckt sich die Landschaft des Rieses. Über den Faulturm führt der Rundgang schließlich weiter in die repräsentativeren Bereiche der Burg. Im Fürstenbau geht es um das Leben der Grafen und Fürsten zu Oettingen. Genau dieser Wechsel macht die Führung für mich spannend: Eben noch stehe ich an einer Schießscharte, wenige Minuten später in Räumen, die deutlich stärker von höfischem Leben geprägt sind.
Nach so viel Geschichte habe ich Lust auf eine Pause. Direkt auf der Burg liegt die Burgschänke, wo man im mittelalterlich geprägten Ambiente einkehren kann. Wer länger bleiben möchte, kann hier auch ein Hotelzimmer mieten. Ich lasse den Rundgang noch einmal Revue passieren und genieße dabei den Gedanken, dass hier über Jahrhunderte Menschen gelebt, regiert und gefeiert haben.
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Fazit
Die Burg Harburg ist besonders für alle spannend, die Geschichte nicht nur anschauen, sondern durchwandern möchten. Während ich durch die Burg laufe, wird außerdem deutlich, warum die Harburg heute als eine der am besten erhaltenen Burganlagen Süddeutschlands gilt. Viele Gebäude und Bereiche sind nicht nur äußerlich erhalten, sondern können im Rahmen der Führungen tatsächlich betreten werden. Dazu gehören unter anderem der Wehrgang, verschiedene Türme, die Schlosskirche und historische Wohn- und Verwaltungsräume. Und bei der Führung werden aus den historischen Gebäuden konkrete Geschichten.
Mein Tipp: Nicht nur zur Burg hochfahren, sondern auch durch Harburg und entlang der Wörnitz schlendern. Von dort bekommt ihr noch einmal eine ganz andere Perspektive auf die Anlage. Wer mehr Zeit mitbringt, kann außerdem einen der Wanderwege rund um Harburg wählen oder den Bockberg mit seinem Blick über das Ries erkunden. Außerdem lohnt sich der Besuch der Harburg während des Mittelaltermarktes Anfang Juni (ihr seht auf meinen Fotos, dass ich genau rechtzeitig da war). Euch erwarten Gaukler, mittelalterliche Live-Musik, allerlei Kunsthandwerk und natürlich Speis und Trank.
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