Die Moselschleife bei Bremm ist ein bekannter Foto-Hotspot. Den besten Blick hat man natürlich von oben. Denn von dort sieht man die Kurve der Mosel in ihrer ganzen Pracht. Für erfahrene Wanderer führt ein Klettersteig durch den Weinberg Calmont zum Aussichtspunkt hinauf. Doch lohnt sich der anstrengende Aufstieg durch den Klettersteig für den Ausblick auf die Moselschleife?

Lohnt sich der Calmont-Klettersteig an der Moselschleife?

Es gibt nicht die eine Moselschleife. Zwischen Trier und Koblenz gibt es einige Schleifen. Eine der engsten ist die Moselschleife bei Bremm. Und an dieser Stelle kommen gleich noch ein paar mehr Superlative hinzu.

Denn einen besonders guten Blick auf die Schleife habt ihr, wenn ihr den steilsten Weinberg Europas, den Calmont, bezwingt. Und dort hinauf geht es über einen der nördlichsten Klettersteige Deutschlands. 380 Meter hoch ist die höchste Erhebung unter den Moselweinbergen und dabei weist er eine Hangneigung von bis zu 65 Grad auf.

Am Felskopf des Calmont befindet sich außerdem ein rekonstruierter Gallo-römischer Umgangstempel. Das ist ein Tempeltyp, der in den gallischen Regionen des ehemaligen römischen Reichs verbreitet war und somit eine Mischform aus der keltischen und römischen Bauweise. Die Ausgrabungen lassen darauf schließen, dass er vom 2. bis zum 4. Jh. dort gestanden haben muss. 2005 wurde der Tempel rekonstruiert und wieder erreichtet.

Anreise zur Moselschleife bei Bremm

Ausgangspunkt:Ediger-Eller
Höchster Punkt:380 m
Gehzeit:2:45 Std.
Länge:5,7 km
Schwierigkeit:A
Beste Reisezeit:April bis Oktober

Auf der einen Seite der Moselschleife liegt Bremm, auf der anderen Eller. Wenn ihr den Klettersteig bezwingen wollt, parkt am besten in Eller am Bahnhof. Beide Orte erreicht ihr mit dem Auto von Frankfurt aus in knapp 2 Stunden.

Wer nicht über den Klettersteig aufsteigen möchte, kann auch den aussichtsreichen Höhenweg gehen. Der Startpunkt hierfür ist sowohl in Bremm als auch in Eller möglich. Ihr könnt auch beides kombinieren und den Hinweg über den Klettersteig antreten, aber über den Höhenweg zurücklaufen. So habt ihr einen abwechslungsreichen Rundweg vor euch.

Alternativ ist die Anreise zum Gipfelkreuz direkt mit dem Auto möglich. Dann folgt von Bremm aus der Ausschilderung in Richtung „Römische Tempelanlage“ und fahrt über den Forstweg bis zur Schranke nach oben. Dort könnt ihr rechts und links parken und es sind nur noch wenige Meter bis zum Gipfel.

Klettersteig ohne größere Schwierigkeiten

Die Schwierigkeit des Klettersteigs wird als einfach eingestuft. Der Weg ist mit Drahtseilen versichert und die schwierigsten Passagen sind mit Leitern entschärft. Selbst diese können umgangen werden.

Viele bezeichnen den Klettersteig deshalb eher als Wandersteig. Die Tafel am Einstieg weist darauf hin, dass der Steig nur von geübten Wanderern begangen werden sollte und Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit gefordert seien. Anfänger und Familien mit Kindern können an diesem Klettersteig die ersten Erfahrungen mit dem Klettersteigset sammeln.

Feste Schuhe mit einem guten Profil sind ratsam. Es geht über schieferhaltiges Gelände bergauf. Vor allem, wenn der Untergrund feucht ist, kann es sehr rutschig werden. Das gleiche gilt für metallene Tritte in der Wand oder die Sprossen von Leitern.

Der Wein gedeiht am Südhang des Calmont übrigens so gut, weil es hier vom Frühling bis in den Herbst hinein sehr warm ist. Die Mosel speichert die warmen Temperaturen zusätzlich. An sonnigen Tagen kann euch der Aufstieg durch den Hang wie ein „Brutkasten vorkommen“. Dann wird auch klar, dass der Berg seinen Namen nicht umsonst trägt. Calmont setzt sich nämlich aus den lateinischen Begriffen „calidus“ und „mons“ zusammen. Das bedeutet so viel wie „Warmer Berg“. Nehmt also ausreichend zu Trinken mit.

Über die Todesangst nach oben

Der Einstieg des Klettersteigs befindet sich nach einem steilen Zustieg an der Galgenlay-Hütte. Früher habe an dieser Stelle ein Galgen gestanden. Das sollte die Bewohner an die Einhaltung der Gesetze erinnern. Es folgen schon bald die ersten Leitern.

Unweigerlich wandert der Blick nach nebenan zu den Weinstöcken. Schon nach den ersten Metern ist klar, dass die Bewirtschaftung des Weinbergs nicht leicht ist. Zumal in dem steilen Gelände mit den Absätzen keine Traktoren fahren können. Es gibt zwar bestimmte technische Gerätschaften, die mithilfe von Seilzügen oder durch Raupenketten bewegt werden können, aber die Lese der Trauben erfolgt nach wie vor per Hand.

Das ist ganz sicher noch anstrengender als der Aufstieg durch den Klettersteig. Hier sind steile Passagen zumindest abgesichert und hin und wieder werden sie durch mäßiges Gehgelände unterbrochen. Außerdem entlohnt die Aussicht zwischendurch immer wieder für die Anstrengung.

Einer der Aussichtspunkt auf dem Weg ist die sogenannte „Bremmer Todesangst“. Das klingt furchteinflößend. Aber hinter dem grausigen Wort „Todesangst“ verbirgt sich lediglich ein Felsvorsprung mit einer Fahne darauf. Bei starkem Wind solltet ihr euch der Flagge nicht nähern. Dann könnte sie dem Wanderer tatsächlich gefährlich werden, wenn sie sich stark dreht.

Geniale Aussicht mit Stärkung

Der Ausstieg des Klettersteigs endet wieder unten im Tal in Bremm. Doch es lohnt sich zuvor, noch weiter bis zum Gipfelkreuz aufzusteigen. Die Wanderung zum höchsten Punkt wird noch mal etwas anstrengend. Steil geht es nach oben. An einer Schutzhütte vorbei und schließlich die letzten Meter zum Kreuz hinauf.

Von dort seht ihr den Calmont in seiner vollen Pracht. Schiffe ziehen etwa 290 Meter unter euch vorbei. Die Weinberge ringsum leuchten saftig grün. Die Orte Bremm, Ediger-Eller und Neef liegen zu euren Füßen. Und es gibt noch so viel mehr zu sehen und zu entdecken. Es ist der perfekte Ort für eine Pause. Zur Belohnung könnt ihr euch an der Weinschänke am Gipfelkreuz einen Riesling genehmigen, der direkt vor Ort gewachsen ist. Oder ihr lasst den Blick bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen schweifen.

Mit etwas Glück könnt ihr auch Gleitschirmpiloten beim Start zusehen. Nahe dem Gipfelkreuz, das als Mahnmahl der Kriegsgeneration im Jahr 1970 errichtet wurde, befindet sich ein beliebter Startplatz für Paragleiter. Die guten Bedingungen hierfür entstehen aufgrund der südlichen Ausrichtung des Hangs und des schieferhaltigen Bodens. Dadurch kommt es häufig zu einer guten Thermik.

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Fazit

Der Blick auf die Moselschleife ist fantastisch. Gepaart mit der Klettersteigtour oder einer Wanderung lässt sich hier ein schöner, aussichtsreicher Aktivtag verbringen. Ein bisschen Kondition fordert die Tour nämlich allemal.

Der Blick von oben ist mittlerweile nicht mehr unbekannt. An schönen Sommertagen kann es deshalb richtig voll werden. Allerdings solltet ihr in der warmen Jahreszeit sowieso auf einen Aufstieg in der Mittagshitze verzichten. Plant den Besuch des Aussichtspunkts also eher in den noch kühlen Morgenstunden oder an bewölkteren Tagen ein. Übrigens ist vor allem der Herbst eine gute Reisezeit. Denn im September findet in Bremm ein Weinfest statt. Außerdem könnt ihr mit etwas Glück im Spätherbst den Weinbauern bei der Ernte der Reben zuschauen.

Von Mai bis Mitte Oktober gibt’s außerdem jeweils am Wochenende auch die Möglichkeit ab 10 Uhr am Gipfelkreuz des Weinbergs ausgiebig zu frühstücken.

Lage

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2 Kommentare

  1. Und ob sich das lohnt. Die Tour über den Calmont ist echt fantastisch! Eine meiner schönsten Wandererinnerungen. Und heiß war es damals ohne Ende. Da sind wir ganz schön ins Schwitzen gekommen.

    Herzliche Grüße, Jörg vom Outdoor- und Wanderblog Outdoorsuechtig

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