Wir radeln über blühenden Wiesen voller Wildblumen hinweg. Überall bewegen sich eifrige Bienchen und andere Insekten und sorgen für ein sanftes Surren in der Luft. Hinter den saftigen Wiesen erheben sich schließlich schroffe Bergflanken. Teilweise sind sie noch schneebedeckt. Das Mieminger Plateau bei Innsbruck wirkt wie aus dem Bilderbuch entsprungen und ist die perfekte Kulisse für unsere E-Bike-Tour.

Lohnt sich die E-Bike-Tour übers Mieminger Plateau?

Das Mieminger Plateau liegt in der Nähe von Innsbruck und ist eine riesige Ebene, die sich zwischen 800 und 1.000 Meter erstreckt. Mehr als 2.000 Sonnenstunden soll es hier pro Jahr geben. Wir haben während unserer Tour allerdings einen Tag erwischt, der wettertechnisch durchwachsen war. Doch so war es für die über 40 Kilometer lange Rundtour perfekt. Nicht zu warm und nicht zu kalt.

Die Runde führt einmal rundherum. Los geht’s in Wildermieming und dann an zahlreichen Hofläden, Gaststätten und Bauernhöfen vorbei. Mit dem Abstecher zur Lacke, den wir ab Arzkasten bei Obsteig eingelegt haben, solltet ihr euch auf rund 1.000 Höhenmeter einstellen.

Anreise zum Mieminger Plateau

Start:Wildermieming
Höhenmeter:1.181 m
Strecke:47 km
Dauer:6 Stunden
Hoteltipp:Gerhardhof

Rund 35 Autominuten sind es von der Innsbrucker Innenstadt bis zum Mieminger Plateau. Alternativ könnt ihr auch den Bus nehmen. Die Buslinie 4176 fährt mehrmals täglich nach Telfs, Wildermieming, Mieming und Obsteig. Dann seid ihr in etwa 45 Minuten vor Ort.

Wir sind aus München angereist und da führt die schnellste Route nicht über Innsbruck. Wir fahren stattdessen über Garmisch-Partenkirchen und Seefeld direkt nach Wildermieming. Auf der Autofahrt haben wir schon tolle Ausblicke auf das Plateau und das nahegelegenen Inntal. Ich staune über die Dimensionen der freien Fläche. Noch nie habe ich das so bewusst betrachtet. So dachte ich immer, es sei kleiner. Da müssen wir ja doch eine ordentliche Strecke mit dem Bike zurücklegen.

Zum Glück gibt es E-Bikes

Am Hotel leihen wir uns E-Bikes aus. Die Tour ist natürlich auch mit einem normalen Fahrrad machbar. Vor allem, wenn ihr „nur“ die Genuss-Runde radelt. Dann warten auf der gesamten Strecke ungefähr 500 Höhenmeter. Da wir aber den Abstecher zur Aussichtsplattform an der Lacke noch geplant haben, bin ich ganz dankbar über die Unterstützung des Motors in den verschiedenen Modi Eco, Tour, E-MTB und Turbo.

Ich setze also den Helm auf und schultere den Rucksack, der diesmal nicht viel Verpflegung erhält. Ich habe zwar etwas Wasser dabei, ansonsten verlasse ich mich diesmal auf die regionalen, kulinarischen Stopps auf unserer Route. Dann trete ich erstmals in die Pedale. Hui. Wenn man noch nicht darauf eingestellt ist, kommt der erste Schwung des Motors sehr unerwartet.

Das erinnert mich auch daran, dass ich nicht die ganze Strecke auf „Turbo“ fahren sollte. Erstens will ich natürlich nicht, dass der Akku leer ist, bis wir den höchsten Punkt erreicht haben und zweitens gehört ein bisschen körperliche Bewegung ja auch noch dazu.

Österreich wie aus dem Bilderbuch

Doch trotz Motorunterstützung kommen wir auf den ersten Kilometern nur schwer voran. Das liegt nicht an der anspruchsvollen Strecke, sondern vielmehr, weil wir immer wieder anhalten müssen, um zu Staunen und Fotos zu machen. Schon als wir durch Wildermieming durchradeln, wirkt das alles beinahe unecht. Wir kommen an typisch österreichischen Häusern vorbei. Blumenkästen zieren die Fensterbänke. Die hölzernen Fronten sind zum Teil grün berankt. In der Ferne kräht ein Hahn und genau im richtigen Moment biegt vor uns ein Traktor ab, der Stroh transportiert.

Direkt vor den Toren des Ortes erstreckt sich ein blühendes Klatschmohnfeld. Und hinter all dem ragen die schroffen Felswände der Mieminger Kette in die Höhe. Es ist genau so, wie ich ein österreichisches Dorf beschreiben würde, wenn man mich danach fragt. Das könnte auch die Kulisse eines vermeintlich kitschigen Heimatfilms sein.

Und genau in dieser Bilderbuchlandschaft halten wir an einem Bilderbuchbauernhof an. Vor Ort serviert uns Familie Maas ein Glas frischer Milch. Ein rundum gelungener Start in den Tag!

Vorbei an Weideflächen und Hofläden zur Aussichtsplattform

Anschließend müssen wir aber mal ein paar Meter machen. Also radeln wir vorbei an grasenden Kühen, Pferden, Lamas, Schafen und allen Tieren, die ihr euch in dieser Umgebung vorstellen könnt. Immer wieder passieren wir Hofläden wie den Steirerhof. Dort decken wir uns mit einer Jause ein. Schließlich folgt nun das anstrengendste Stück der Tour.

Ab Mooswald geht es bergauf. Zuerst am Gasthof Arzkasten vorbei und dann immer weiter einer Forststraße folgend bergan. Ich konzentriere mich auf den Rhythmus beim Treten. Immer weiter, immer weiter. Im kleinen Gang folgen einige Minuten Anstieg bis zum Lehnberghaus. Dort lassen wir die Bikes stehen. Das letzte Stück zur Aussichtsplattform, knapp 150 Höhenmeter, müssen wir zu Fuß zurücklegen.

Die Bewegung ist ungewohnt. Nach der langen Fahrradstrecke kommt es mir fast so vor, als müsse ich das Laufen neu lernen. Ich brauche tatsächlich einige Schritte, um wieder ins Wandern reinzufinden. Verrückt! Der Aufstieg lohnt sich aber. Denn oben erwartet uns ein sensationeller Blick über das gesamte Plateau.

Die Plattform hängt etwas über. So kann man die Dimensionen noch besser abschätzen. Wir blicken auf die Hohe Munde in der Mieminger Kette, sehen den Patscherkofel am Horizont und können sogar bis in die Schweizer Alpen blicken. Bei gutem Wetter könnt ihr von hier oben den Piz Bernina sehen.

Fazit

Für den Rückweg solltet ihr euch auch noch etwas Zeit nehmen. Die Tour führt noch an einer Burg vorbei. In der Klamm darunter stürzt ein Wasserfall über 25 m in die Tiefe. Nicht weit davon entfernt gelangt ihr zum Badesee. Da könnt ihr euch an warmen Sommertagen abkühlen, bevor es zurück zum Ausgangspunkt geht.

Generell lohnt es sich, ausreichend Zeit einzuplanen. Wir waren den gesamten Tag unterwegs, haben uns an verschiedenen Höfen durch lokale Produkte probiert und sind mit einigen Einheimischen ins Gespräch gekommen. Das waren durchweg nette Begegnungen.

Doch selbst, wenn ihr einfach nur zum Radeln in der Umgebung seid und keine weiteren Zwischenstopps einlegen möchtet, ist die Tour super schön. Dank der E-Bikes ist sie auch für nahezu jeden zu meistern.

Übernachtet haben wir übrigens am Gerhardhof bei Wildermieming. Dort gibt es neben „normalen“ Hotelzimmern und einem Campingplatz auch Glamping-Zelte. Vor Ort konnten wir uns auch direkt die E-Bikes ausleihen.

Lage

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