Ich wage es, einen kurzen Blick nach unten zu werfen. Sofort bereue ich diese Entscheidung. Mir wird mulmig. Unter meinen Füßen geht es meterweit in die Tiefe. Mit dieser Erkenntnis umklammere ich die eisernen Sprossen der langen Leiter noch fester. Ich bin am Fennberg-Klettersteig im Süden von Südtirol unterwegs. Und da geht es teilweise senkrecht die Felswand hinauf.

Lohnt sich der Fennberger Klettersteig in Südtirol?

Es gibt etliche Klettersteige in Südtirol. Die bekanntesten liegen wohl in den Dolomiten. Weniger bekannt ist der Fennberg-Klettersteig. Dieser führt auf den gleichnamigen Fennberg oberhalb von Margreid an der Weinstraße hinauf. Die Tour misst inklusive Zustieg knapp 1.000 Höhenmeter und es werden 12 Kilometer Strecke überwunden. Die Schwierigkeit liegt bei B/C bis C. Unerfahrenen Klettersteig-Neulingen empfehlen wir die Begleitung durch einen Bergführer.

Der Klettersteig am Fennberg ist vor allem ein Tipp für den Herbst und das Frühjahr. Im Sommer ist die Via Ferrata eigentlich viel zu heiß. Denn es geht unmittelbar auf der Südseite nach oben und an der Felswand gibt es kaum Schatten.

Instatipp: Ein super Fotospot ist die letzte Leiter im ersten Teilstück des Klettersteigs. Der Fotograf kann vorausgehen und die Leiter dann aus einer Felsspalte heraus seitlich fotografieren. Wenn ihr dann da hochklettert, wirkt die gesamte Szenerie besonders schwindelerregend.

Anreise nach Margreid an der Weinstraße

Margreid an der Weinstraße liegt im Südtiroler Unterland. Das ist schon sehr weit im Süden Südtirols. Von München in Deutschland kommend, seid ihr in rund 4 Stunden Fahrzeit in Margreid. Dazu fahrt ihr nach Österreich, über den Brenner und schließlich noch an Bozen vorbei.

Das lohnt sich nicht für einen Tagesausflug. Es empfiehlt sich also, in der Nähe zu übernachten. Wir haben ein schönes Hotel in Tramin bezogen und sind am nächsten Morgen dann rund 15 Minuten nach Margreid gefahren. Hier herrscht schon mediterranes Flair. Weite Weinfelder wechseln sich mit einer südlichen Vegetation ab. Hin und wieder kommen wir sogar an Palmen vorbei.

Geparkt haben wir kostenlos am Sportplatz. Dort gibt es allerdings nicht allzu viele Parkplätze. Ansonsten könnt ihr das Auto im Ort abstellen, dann wird der Zustieg etwas länger.

In 30 Minuten zum Einstieg

Schwierigkeit:B/C bis C
Länge:12 km
Höhenmeter:1.000 m
Gehzeit:6 bis 7 Std.
Beste Reisezeit:Frühling/Herbst

Der erste Teil des Zustiegs verläuft in der Ebene. Es geht an der Straße unterhalb des Fennbergs entlang. Ziemlich imposant ragt die Wand über unseren Köpfen auf. Sie wirkt steil und unbezwingbar. Dann biegen wir kurz vor der Grenze nach Trentino auf einen schmalen Wanderweg ab, der geradewegs auf die Wand zuführt.

Ich scanne die vertikale Fläche vor mir mit den Augen ab und kann Leitern ausmachen. So werden wir also die steilsten Stellen überwinden. Ich atme tief ein. Ganz geheuer ist mir das nicht. Aber wir werden von einem Bergführer begleitet. Das vermittelt Sicherheit. Kurz darauf legen wir dann auch schon die Klettersteigausrüstung an: Klettergurt, Klettersteigset, Helm und Handschuhe. Es kann losgehen!

Schlüsselstelle gleich zu Beginn

Einige Felsstufen später stehen wir in voller Montur vor dem Einstiegskamin. Die Stelle ist laut Topo mit C markiert. Damit ist das die technisch schwierigste Passage des gesamten Klettersteigs. Wer diese problemlos meistert und schwindelfrei ist, sollte später keine Probleme kriegen.

Für mich ist der Einstieg mental auch immer das schwierigste. Das ist ein Kaltstart. Ohne, dass man sich zuvor schon ein bisschen an die Anforderungen gewöhnen und Sicherheit gewinnen konnte. Andererseits ist die Gewissheit, dass alles danach „einfacher“ ist, auch nicht verkehrt.

Ich packe mir also die ersten Griffe, lasse mir Zeit, setze die Füße behutsam. Ich achte selbst darauf, mich langsam ranzutasten und mich nicht zu stressen. So ist die erste Stelle dann auch bald heil überstanden. Doch noch bleibt keine Zeit für Freude und Stolz. Denn der Klettersteig ist lang. Da ist Konzentration bis zum Ende gefragt.

Über Leitern senkrecht die Wand hinauf

Nur wenige Meter später geht es schon wieder krass weiter. Es geht senkrecht die Wand hoch. Über enge Trittbügel. Ein Drahtseil zur Selbstsicherung gibt es hier nicht. Ich lasse mich vom Bergführer von oben am Seil sichern. Ansonsten müsst ihr das Klettersteigset in die Trittbügel einhängen und mit jedem Schritt umhängen. Das geht auch, ist halt umständlicher.

Es folgen noch weitere Leitern, die einfach senkrecht die Wand hinaufführen. Auf einer riskiere ich einen kurzen Blick nach unten. Der Boden erscheint so weit entfernt. Verrückt, dass man die Wand tatsächlich einfach in der direkten Linie erklimmt.

Anschließend folgt ein langes Gehstück. Etwa 45 Minuten geht es in steilen Serpentinen durch den Wald nach oben. Das ist zwar anstrengend und geht auf die Kondition, für den Kopf ist dieses Teilstück zwischendurch allerdings sogar ganz entspannend.

Genialer Ausblick über das Südtiroler Unterland

Ein steiler Felsaufschwung kommt nochmal. Damit nähern wir uns dem Ziel. Ich ziehe mich am Drahtseil zum Gipfelbuch hinauf. Das hängt gefühlt aber noch nicht am Gipfel. Einen kurzen Eintrag lassen wir trotzdem da und klettern dann die letzten Meter hinauf. Ein Fahnenmast markiert den Endpunkt. Geschafft!

Hier oben herrscht ein eisiger Wind. Der Herbst ist eben doch schon auf dem Vormarsch. Dennoch halten wir uns einen Augenblick auf und genießen die Aussicht. Wir blicken weit über das Südtiroler Unterland, auf schier endlose Weinflächen. Hier gedeihen sämtliche Weinsorten. Die Trauben für Weißweine eher in den höher gelegenen Bereichen und die roten Trauben für den Rotwein in den niedrigeren Lagen.

Dazwischen liegt der Kalterer See. Im Hintergrund ragen am Horizont die Dolomiten in die Höhe. Schlern und Rosengarten sind dort zum Beispiel gut zu erkennen.

Fazit

Wer schwindelfrei ist, wird den Klettersteig lieben. Er ist technisch nicht zu schwer, bietet aber gigantische Tiefblicke. Allerdings ist die Länge nicht zu unterschätzen. Insgesamt ist man 6 bis 7 Stunden unterwegs. Einschließlich Rückweg. Wir sind nicht über den direkten Weg zurückgewandert, sondern zum Fenner Hochplateau gegangen. Dort liegt der Fennberger See. Ein schöner Stopp zum Abschluss.

Anschließend ging es mit dem Shuttle zurück nach Margreid an der Weinstraße. Und nachdem wir den ganzen Tag von Weinfeldern umgeben waren, sind wir noch in die Kellerei im Nachbarort Kurtatsch auf einen kühlen Absacker eingekehrt. Das war der perfekte Abschluss.

Lage

Praktische Links

Kommentar verfassen