Wer allein auf dem Gipfel stehen möchte, geht am besten auf einen der weniger bekannten Berge – zum Beispiel auf die Rotspielscheibe im Berchtesgadener Land. Der Weg bis zum 1.940-Meter-hohen Gipfel ist nicht ausgeschildert, aber leicht zu finden. Zur Tour bei Schönau am Königssee kommt ihr sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Außerdem warten gleich zwei Almen auf euch. Ich nehme euch mit zu dem noch unbekannten Geheimtipp in den Bayerischen Alpen.

Lohnt sich die Wanderung zum Gipfel der Rotspielscheibe?

Ein fast einsamer Gipfel, mehrere Almen, Blick auf den Watzmann – die Tour zur Rotspielscheibe ist die perfekte Wanderung. Anreisen kann man mit dem ÖPNV oder Auto und Aufsteigen sowohl vom Parkplatz Hinterbrand, von der Jenner-Mittelstation als auch von Schönau am Königssee. Der Weg ist nicht durchgängig ausgeschildert, aber markiert und gut begehbar. Und auf dem Weg gibt es allerhand Highlights: zum Beispiel die historische Schnapsbrennhütte, Bananen-Schoko-Kuchen in der Priesbergalm, viele zahme Kühe und ein Gipfelkreuz, das an die Jesusstatue in Rio de Janeiro erinnert.

Fototipp: Die Rotspielscheibe hat ein ganz besonderes Gipfelkreuz. Die Holzfigur mit ausgestreckten Armen erinnert ein wenig an die berühmte Jesus-Statue in Brasilien. Definitiv ein Foto wert!

Viele Wege führen auf die Rotspielscheibe

Länge:16,7 km
Gehzeit:circa 6,5 Stunden
Höhenmeter:844 hm (Aufstieg)
Einkehrtipp:Priesbergalm und
Königsbachalm
Hinweis:Weg nicht ausgeschildert

Viele Wege führen zur Rotspielscheibe, zumindest die ersten Meter. Startpunkt ist entweder der Wanderparkplatz Hinterbrand oder die Jenner-Mittelstation, erreichbar mit dem Lift von Schönau am Königssee. An der Talstation in Schönau und am Parkplatz Hinterbrand gibt es Parkplätze. Ich bin mit dem ÖPNV angereist. Am ZOB Berchtesgaden fahren regelmäßig Busse zum Parkplatz Hinterbrand (RVO-Buslinie 838) sowie nach Schönau am Königssee (RVO-Buslinie 841, 842, 843).

Vom Parkplatz Hinterbrand aus braucht man etwa eine halbe Stunde bis zu Jenner-Mittelstation. Hier kreuzen einige Lifte. Alleine die Jennerbahn hat zwei große Lifte nach oben und unten, außerdem gibt es einen stillgelegten Lift, an dem im Winter die Ski-Nationalmannschaft trainiert. Es ist viel los: Wanderer, Paraglider – die Jenner-Mittelstation ist ein beliebter Startpunkt. Gelbe Schilder weisen mich in Richtung Priesbergalm.

Im Winter auch Grödel einpacken

Die Wanderung zur Rotspielscheibe ist eine Tagestour, entsprechend reicht es, einen kleinen Rucksack mit dem nötigsten dabeizuhaben. Dazu gehört: Essen, ausreichend Wasser (mindestens zwei Liter), eine Regenjacke, ein warmer Pulli, ein Wechselshirt, das Erste-Hilfe-Set. Wer etwas später im Jahr geht, sollte auch Grödel einpacken.

Ich starte die Tour von Berchtesgaden aus, spare mir also die lange Anreise aus München und laufe deswegen erst um neun Uhr los.

Kuchenpause auf der Priesbergalm

Bald komme ich an der historischen Schnapsbrennhütte vorbei. Davor stehen Bänke, es plätschert ein Bach, ich sehe sogar eine Solaranlage: Der Bergbrenner produziert hier offensichtlich seinen eigenen Strom. Wenn man Glück hat, ist er da und man bekommt hier ein Stamperl Bergenzian. Jetzt gerade steht aber alles leer. Kurz darauf lichtet sich der Wald und gibt die Sicht frei auf die imposante Watzmann-Ostwand. Sie ist sogar leicht gezuckert, vor einigen Tagen hat es auf dem Watzmann nämlich geschneit.

Dann, nach etwa drei Stunden Weg erreiche ich die Priesbergalm auf 1.500 m Höhe. Sie gehört dem Bauern des Aschbachhofes und wird in den Sommermonaten landwirtschaftlich genutzt. Die Kühe werden täglich gemolken. Die Milchprodukte kann man auf der Terrasse genießen. Nach einem Stück selbstgebackenen Kuchen und einem Glas Buttermilch geht es weiter.

Gipfelkreuz wie in Rio de Janeiro

Der Weg ist jetzt nicht mehr ausgeschildert, aber gut erkennbar. Kurz vor der Alm geht es über eine Wiese aufwärts bis in einen Wald. Ich gehe nach links über eine Lichtung und dann sieht man auch schon den Gipfel. Die Rotspielscheibe ist 1.940 Meter hoch. Fast bis oben wachsen Nadelbäume, am Gipfel gibt es aber nur noch Gras und ein ganz besonderes Kreuz: Es ist aus Holz und zeigt eine Figur mit ausgestreckten Armen, darauf thront der Kopf eines Mannes mit geschlossenen Augen. Das erinnert ein bisschen an die Christusstatue in Rio de Janeiro.

Von Startpunkt dauert es bis zum Kreuz etwa drei Stunden. Der Grasgipfel ist perfekt für die Brotzeit. Von der Rotspielscheibe gibt es einen herrlichen Blick auf den Königssee, auf das Steinerne Meer und den Watzmann.

Abstieg über die Königsbachalm

Man kann die Wanderung zur Rotspielscheibe als Rundweg gehen, dann steigt man auf der gegenüberliegenden Seite des Berges ab. Diesmal geht es über schroffe Felsen. Hier ist natürlich kein Trampelpfad erkennbar, dafür lotsen Steinmännchen den Weg. Nach den Felsen gehe ich über Gras, bis ich nach etwa anderthalb Stunden wieder bei der Schnappsbrennhütte bin. Das Licht ist inzwischen ganz anders: Die Sonne ist um die Berge herumgewandert und steht jetzt tief. Die Bäche glitzern im Sonnenlicht. In der Ferne pfeift ein Murmeltier.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Auto- und Seilbahnfahrer folgen den gelben Schildern Richtung Jenner-Mittelstation. Von dort aus geht der Lift nach unten oder der Weg weiter bis zum Parkplatz Hinterbrand. ÖPNV-Fahrer wie ich sind flexibel. Ich steige Richtung Königssee ab. Das gibt mir Gelegenheit zu einem letzten Bier bei der Königsbachalm, die ebenfalls zum Aschbachhof gehört. Hier verbringen die Kühe die letzten Wochen zwischen dem Abtrieb von der höher gelegenen Priesbergalm und dem endgültigen Almabtrieb Ende Oktober.

Der Abstieg folgt entlang eines breiten Pfades, der immer wieder den Blick auf den Königssee freigibt. Nach etwa anderthalb Stunden bin ich unten.

Fazit

Einsamkeit am Berg ist eher selten, vor allem, wenn man mit dem ÖPNV unterwegs ist. Die Wanderung zur Rotspielscheibe ist ideal: Der Weg ist nicht überlaufen, anspruchsvoll, ohne zu lang oder zu schwierig zu sein und es gibt mehrere Almen, um zwischendurch die Aussicht genießen zu können. Besonders gut gefällt mir, dass man die Tour als Rundtour gehen kann.

Ein weiterer Tipp für besonders motivierte Wanderer: Auf dem Weg kann man auch noch zum Fagstein aufsteigen, der ebenfalls nicht so oft begangen wird.

Lage

Praktische Links

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