Grandiose Bergtour zur Brandjochspitze im Karwendel

Unter uns wogt ein dichtes Nebelmeer über dem Inntal. Vor uns baut sich die schroffe Innsbrucker Nordkette auf. Sie ist steil, felsig und beeindruckend nah. Wer auf die Vordere Brandjochspitze steigen will, braucht Trittsicherheit, ein Händchen fürs Felsige und den Mut, die ausgesetzten Pfade des Karwendels zu beschreiten. Doch wenn ihr euch auf das Abenteuer einlasst, werdet ihr mit einem sensationellen Gipfel-Erlebnis und einer noch besseren Aussicht belohnt, inklusive Innsbruck direkt zu euren Füßen.

Lohnt sich die Wanderung auf die Vordere Brandjochspitze?

Die Vordere Brandjochspitze (2.559 m) ist einer der höchsten Gipfel der Nordkette. Schon aus der Stadt ist die Erhebung gut zu erkennen. Von hier unten sieht das Gipfelziel allerdings beinahe unbezwingbar aus. Doch durch die Nordkettenbahnen wird die Tour machbar. Denn so sparen wir uns die ersten Höhenmeter und müssen insgesamt nur noch rund 700 Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz zurücklegen. Die sind trotzdem kein Spaziergang. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung sind wichtig.

Denn wir verlassen die ausgetretenen Pfad der Seegrube sehr schnell und tauchen in hochalpines Terrain fernab der Zivilisation ein. Die Wegweiser nennen die Brandjochspitze kein einziges Mal. Nur die rot-weißen Markierungen zeigen uns den Weg. Zwischendurch warten leichtere Kletterpassagen und die schwierigsten Stellen sind sogar mit einem Drahtseil gesichert.

Fototipp: Wenn ihr in den Sommermonaten früh startet, werdet ihr mit etwas Glück ebenfalls erleben, dass Innsbruck unter euren Füßen noch unter der Wolkendecke liegt, während hier oben strahlender Sonnenschein herrscht. Das sieht natürlich auch auf Fotos sensationell aus!

Anreise nach Innsbruck

Höhenmeter:692 hm Aufstieg
1.726 hm Abstieg
Strecke:ca. 11,1 km
Gehzeit:ca. 6 Stunden
Einkehrtipp:Höttinger Alm oder
Umbrüggler Alm
Beste Reisezeit:Juni bis September

Nach Innsbruck kommt ihr unkompliziert und nachhaltig mit der Bahn. Vom Hauptbahnhof München fahren regelmäßig RailJets direkt nach Innsbruck Hauptbahnhof. Ohne Umstieg seid ihr in knapp 1 Stunde und 55 Minuten mitten in Tirol. Aus der Stadt geht’s dann entweder mit der Buslinie J oder der futuristische Hungerburgbahn in wenigen Minuten zum Fuß der Nordkette.

Falls ihr mit dem Auto anreist, gibt’s direkt an der Hungerburg einen großen, kostenpflichtigen Parkplatz. Dann geht’s mit den Nordkettenbahnen weiter nach oben. Wenn ihr länger bleibt und noch weitere Ausflüge in der Gegend plant, lohnt es sich, die Innsbruck Card zu besorgen. Damit könnt ihr dann alle Bergbahnen nutzen und auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind inklusive.

Gute Bergschuhe & ausreichend Verpflegung wichtig

Je höher wir kommen, umso schöner wird es. Während unten im Tal noch eine dichte Nebeldecke liegt, empfängt uns an der Station Seegrube (1.905 m) strahlender Sonnenschein. Nur die Gipfel der umliegenden Berge schauen aus der dichten Wolkendecke hervor. Das sieht richtig toll aus! Wir gehören zu den ersten heute am Berg, trotzdem herrscht rundherum bereits ein reges Treiben. Aber sobald wir die Terrasse der Seegrube hinter uns lassen, lassen wir auch den Trubel der Stadt schlagartig zurück.

Der Pfad quert bald eine steile Felsflanke. Er zeigt uns sofort, worauf wir uns eingelassen haben. Denn der Aufstieg ist „Karwendel pur“. Loser Kalkstein und schottrige Pfade erfordern von Beginn an volle Konzentration und gute Wanderschuhe mit tiefem Profil. Unterwegs gibt es bis zum Gipfel keine Hütte und kein Wasser, packt euch also auch ausreichend Riegel und eine volle Trinkflaschen ein.

Karwendel-Schotter & die Sage der Frau Hitt

Der Weg führt weiter bergauf in Richtung Frau Hitt Sattel. Und es wird zunehmend steiler. Wir müssen schon jetzt immer mal wieder die Hände zur Hilfe nehmen. Und vor allem müssen wir die Augen offenhalten. Denn die Markierungen sind schnell zu übersehen. Aber wenn ihr euch hier versteigt, kann das ein bisschen ungemütlich werden.

Schließlich taucht vor uns die berühmte Felsformation der Frau Hitt auf. Der Sage nach handelt es sich dabei um eine versteinerte Riesenkönigin. Auf jeden Fall sieht es sehr imposant aus, wie die Felsnadel einfach so gen Himmel ragt. Wir halten uns allerdings links und steuern direkt auf den Grat der Brandjochspitze zu.

Luftige Kletterpassagen & Gipfelglück ganz allein

Spätestens jetzt schlägt das Herz eines jeden Bergsportlers höher. Entweder vor Freude, oder weil das Adrenalin pumpt. Der Pfad geht in eine feine Gratwanderung über. Kurze, steile Kletterstellen verlangen vollen Körpereinsatz. Stellenweise helfen recht neu angebrachte Drahtseile über die ausgesetztesten Passagen hinweg. Wer sich schnell unwohl fühlt oder zusätzliche Sicherheit sucht, sollte hier definitiv ein Klettersteigset anlegen. Die Kombination aus tiefer Aussicht und luftigem Steig macht die Tour zwar extrem spannend, aber eben auch anspruchsvoll.

Umso überwältigender ist das Gefühl, als wir schließlich das Gipfelkreuz erreichen. Wir haben das 360-Grad-Panorama ganz für uns alleine. So schauen wir weit über das wilde Karwendel hinweg, mit der Westlichen Karwendelspitze und der Birkkarspitze, die gut sichtbar sind. Auf der anderen Seite liegt Innsbruck tief unter uns. Am Horizont blicken wir auf die Stubaier Alpen, und sogar die Hohen Tauern sind auf der anderen Seite zu sehen. Wahnsinn!

Fazit

Die Tour auf die Vordere Brandjochspitze ist eine echte Traumtour für alle, die eine alpine Herausforderung suchen und auf der viel besuchten Nordkette die Einsamkeit genießen wollen. Beim Abstieg begegnen uns allerdings weitere Wanderer, die fast alle umdrehen, weil ihnen das Gelände im oberen Bereich zu steil und zu ausgesetzt ist. Es ist also wichtig, auf sich selbst, sein Können und das Bauchgefühl zu hören.

Wenn ihr die Tour gemeistert habt, könnt ihr entweder direkt zur Seegrube zurücklaufen (Betriebszeiten der Bergbahn beachten), oder zu Fuß zur Hungerburg absteigen. Das sind allerdings insgesamt über 1.700 Tiefenmeter. Dafür kommt ihr auf diesem Weg noch an der idyllischen Höttinger Alm vorbei und hier gibt’s richtig leckeren Apfelstrudel.

Und wenn euch die Tour zur Brandjochspitze begeistert hat, dann würde ich euch fürs nächste Mal den Innsbrucker Klettersteig empfehlen. Wie der Name schon sagt, ist hier definitiv ein Klettersteigset und auch ein Helm Pflicht. Dafür geht’s richtig spektakulär über den Grat oberhalb der Stadt hinweg.

Lage

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