Eigentlich kann ich Straßen nicht viel abgewinnen. Autos sind auch nicht meine große Leidenschaft. Bei der Großglockner Hochalpenstraße in den Hohe Tauern in Österreich bin ich trotzdem gespannt, was auf mich zukommen wird. So sitze ich wenig später auf dem Beifahrersitz, unterwegs von Bruck im Salzburger Land nach Heiligenblut in Kärnten und wir schrauben uns um Kehre um Kehre weiter nach oben bis hin zur bekannten Kaiser-Franz-Josefs-Höhe am Fuße des Großglockners (3.798 m).

Lohnt sich die Fahrt über die Großglockner Hochalpenstraße?

Die Großglockner Hochalpenstraße ist die höchstgelegene, befestigte Passstraße in Österreich. Die Panoramastraße verläuft über die beiden Gebirgspässe Fuscher Törl und Hochtor und verbindet die Orte Bruck im Bundesland Salzburg und Heiligenblut in Kärnten. Insgesamt führt die Straße über 36 Kehren und 47,8 km bis auf 2.504 Meter hinauf und bietet eine Aussicht auf die höchsten Berge in Österreich.

Die Straße, die heutzutage vor allem touristisch genutzt wird, hat ihre Wurzeln weit in der Vergangenheit. Schon vor 3.500 Jahren haben die Kelten und Römer den Weg über den Pass am Hochtor genutzt, um zwischen Süd und Nord Handel zu betreiben. Der Weg durchs Gebirge war kräftezehrend und durch Wetterumschwünge unberechenbar und gefährlich. Aus der Zeit von Christi Geburt steht am Hochtor auch eine Statue des Halbgottes Herkules.

Nach dem ersten Weltkrieg nahm die Erste Republik Österreich das Projekt zum Ausbau der Straße auf. Dadurch wurden erstens zigtausende Arbeitsplätze geschaffen und zum anderen erhoffte man sich durch den Aufschwung des Tourismus, dass eine gebührenpflichtige Straße die Kassen wieder auffüllen würde. Eröffnet wurde die Straße schließlich am 3. August 1935.

Instatipp: Mein Lieblings-Fotospot befindet sich an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Dort könnt ihr tolle Bilder vom Großglockner (3.798 m) und dem gigantischen Pasterzengletscher knipsen.

Anreise nach Bruck

Wir starten in Bruck im Salzburger Land. Von München sind es bis zum Ausgangspunkt knapp 2,5 Stunden Fahrzeit. Dort reihen wir uns hinter der Mautstation an einer langen Schlange ein. PKWs und Motorräder stehen dicht an dicht. Auch Rennradfahrer sind einige zu sehen. Die Straße ist auch mit dem Fahrrad ein beliebtes Ausflugsziel. Alternativ könnt ihr natürlich auch von der Kärntner Seite starten.

Die Befahrung der Glocknerstraße ist kostenpflichtig. Die Tageskarte für PKW und Wohnmobil kostet 37 Euro. Elektroautos müssen 27 Euro zahlen. Motorräder zahlen ebenfalls 27 Euro Maut, aber auch hier gibt es eine Ermäßigung bei E-Motorrädern auf 20,50 Euro. Wer sparen will, sollte nach 18 Uhr kommen. Dann gibt es Rabatte auf die Tageskarten.

Eine weitere Alternative ist Glocknerbus, der regelmäßig in der Hauptsaison die Strecke abfährt. Mit an Bord ist dann auch ein Nationalpark-Ranger. Bushaltestellen gibt es zum Beispiel in Hinterglemm, Saalbach, Zell am See, Bruck und Fusch sowie in Lienz, Winklern und Heiligenblut.

Voller Vorfreude in Richtung Großglockner

Start:Bruck
Strecke:47,8 km
Kehren:36
Zeitaufwand:ca. 6 Stunden
Beste Reisezeit:Juni bis Oktober

Bruck als Ausgangspunkt der Großglockner Hochalpenstraße gehört zum Bezirk Zell am See. Da seid ihr dem Nationalpark Hohe Tauern schon ganz nah. Wenn ihr auf das Kitzsteinhorn rauffahrt, könnt ihr bereits in Richtung Großglockner blicken. Die Luftlinie bis zum höchsten Berg Österreichs wirkt aus dieser Perspektive gar nicht weit. Bis wir den gigantischen Berg aber auf der Strecke entdecken, müssen wir einige Kehren überwinden.

Die Großglockner Hochalpenstraße ist übrigens im Winter nicht geöffnet. Erst nach massiven Schneeräumungsarbeiten in Frühjahr wird die Fahrbahn vom Schnee befreit. Riesige Schneefräsen machen sich jährlich von Salzburger und von Kärntner Seite auf und treffen schließlich beim Durchstich am Hochtor aufeinander. Das Ergebnis sind eine schneefreie Fahrbahn und häufig meterhohe Schneewände am Straßenrand. Jetzt kann’s losgehen!

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Zwischenstopps einplanen

Natürlich könnt ihr auf der Straße einfach durchfahren und die verschiedenen Aussichten, bei denen sich Berg- und Talblicke abwechseln, aus dem Auto genießen. Zwischendurch warten aber auch insgesamt 12 sogenannte Erlebniswelten auf euch. Außerdem gibt es Wege für kurze Spaziergänge und ausgedehnte Wanderungen. Selbst Kinderspielplätze sind am Wegesrand zu finden.

Zum Beispiel gibt es an der Fuscher Lacke auf 2.262 m Höhe einen empfehlenswerten Rundweg um einen kleinen See. Außerdem lohnt sich ein Besuch des Mankei Wirts, denn der zieht Murmeltiere selbst auf. So könnt ihr zuerst die Beine ein bisschen vertreten und euch stärken, bevor ihr euch mit dem Auto weiter nach oben schraubt. Am höchsten Punkt der Passstraße (2.504 m) befindet sich eine Ausstellung über die vormalige Nutzung des Passes als Handelsroute.

Auf der anderen Seite, am Schöneck auf 1.953 m, gibt es schließlich die Rundwanderung namens „Wunderwelt Glocknerwiesen“ zu entdecken. Auf dem 10 minütigen Spaziergang könnt ihr die Tier- und Pflanzenwelt der Umgebung auf euch wirken lassen. Sehenswert ist auch die Edelweiß-Spitze (2.571 m). Eine kurze Stichstraße führt von der eigentlichen Glocknerstraße weg und zum höchsten Aussichtspunkt. Dort blickt ihr bei gutem Wetter auf über 30 Dreitausender.

Geniale Aussicht auf Großglockner und Pasterze

Für meinen persönlichen Lieblings-Stopp haben wir den höchsten Punkt schon längst hinter uns gelassen. Von Salzburg kommend ist die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe die vorletzte Erlebniswelt. Wir parken das Auto in der kostenlosen Parkgarage und steigen aus. Der Blick ist überwältigend. Vor mir erhebt sich der 3.798 m hohe Großglockner, der höchste Berg in Österreich. Außerdem schaue ich geradeswegs auf die Pasterze, den größten Gletscher der Ostalpen.

Für Besucher ist vor dem Ausblick extra ein Fotopoint errichtet. Per Selbstauslöser könnt ihr eure ganze Gruppe ablichten lassen und die Fotos später im Internet einsehen. Auch ich muss einige Fotos knipsen und kann mich kaum sattsehen. Doch es warten hier noch weitere Aktivitäten auf uns. Denn von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe gehen gleich drei Wanderwege weg. So könnt ihr beispielsweise über den Gamsgrubenweg wandern oder über den Panoramaweg Kaiserstein zur Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte aufsteigen. Bei Letzterem werden euch Ferngläser zur Tierbeobachtung bereitgestellt. Vielleicht entdeckt ihr ja eine Gams oder einen Steinbock?

Ein dritter Weg führt in etwa 30 Minuten Gehzeit zum nun Kilometer langen Pasterzengletscher hinab. Alternativ könnt ihr auch mit den roten Waggons der Gletscherbahn in Richtung der riesigen Eisfläche fahren. Von dort führt schließlich ein Wanderweg am Margaritzenstausee vorbei in Richtung Glocknerhaus. Für diese Strecke solltet ihr nochmals 1,5 Stunden einplanen.

Fazit

Es lohnt sich, einmal über die Großglockner Hochalpenstraße zu fahren. Ich rate euch aber davon ab, nur im Auto sitzen zu bleiben. Dann verpasst ihr einiges der landschaftlichen Schönheit. Packt also vorab die Wanderschuhe mit ein, zieht bequeme Sachen an, in denen ihr euch gut bewegen könnt und erkundet die Landschaft auch abseits der asphaltierten Straße. Es gibt unglaublich viel zu sehen und so viel zu staunen.

Da ist es ratsam, nicht nur ein paar Stunden, sondern besser gleich einen ganzen Tag für das Befahren der Straße einzuplanen. Denn so könnt ihr euch auch Zeit lassen und vielleicht sogar die eine oder andere Wanderung mitnehmen oder einfach die genialen Ausblicke bei einem Einkehrschwung genießen.

Wenn ihr die Möglichkeit habt, früh im Jahr zu kommen, empfiehlt sich die Zeit nach der Schneeräumung. Dann könnt ihr mit etwas Glück, je nach Schneelage, noch über Eiswände am Straßenrand staunen. Das ist übrigens auch ein Tipp für Radfahrer. Die Räumungsarbeiten sind oft schon mindestens einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Straße abgeschlossen. Nutzt dieses schmale Zeitfenster, um mit dem Rennrad und ohne Verkehr die Kehren zu erkunden.

Lage

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