Es schaut fast aus wie gemalt. Vor meinen Füßen leuchtet das Wasser des Mooserboden-Stausees intensiv türkis. Daneben sind satt grüne Bergwiesen zu sehen und dahinter erheben sich schroffe, vergletscherte Berggipfel der Hohen Tauern. Dieser Kontrast an den Hochgebirgsstauseen in Zell am See-Kaprun macht mich kurzzeitig sprachlos. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll.

Lohnt sich ein Besuch der Hochgebirgsstauseen in Kaprun?

Die beiden Stauseen Wasserfallboden und Mooserboden liegen auf einer Höhe von 2.040 Metern oberhalb von Kaprun im Salzburger Land in Österreich. Eingebettet inmitten der hochalpinen Landschaft in der Glocknergruppe der Hohen Tauern wirken sie fast wie zwei Fjorde.

Die beiden Stauseen mit ihren gewaltigen Staumauern gelten als eines der wichtigsten Bauwerke der Nachkriegszeit in der Region. Im Jahr 1955 wurden die beiden Staumauern am Mooserboden, die Drossensperre und die Moosersperre fertiggestellt. Heutzutage wird über die beiden Stauseen noch immer Strom gewonnen. Zudem gelten die Hochgebirgsstauseen als Touristenmagnet.

Instatipp: Einer der besten Fotospots ist unterhalb der Höhenburg. Dort steht ein großer Felsen neben dem Wegesrand. Wenn ihr euch hinauf stellt, sieht es aus, als steht ihr am Abgrund. Mit Weitwinkel könnt ihr an dieser Stelle außerdem beide Staumauern gleichzeitig auf dem Foto abbilden.

Anreise nach Kaprun

Um die Hochgebirgsstauseen zu erreichen, müsst ihr das Auto im kostenfreien Parkhaus am Alpenhaus Kesselfall oberhalb von Kaprun stehen lassen. Von München kommend erreicht ihr das Parkhaus in knapp drei Stunden.

Von dort aus geht es in den Sommermonaten jeweils ab 8:10 Uhr mit dem Bus weiter nach oben. Etwa auf der Mitte müsst ihr in den Lärchenwand Schrägaufzug umsteigen und der letzte Teil wird dann wieder mit dem Bus zurückgelegt. Pro Person kostet die Berg- und Talfahrt 24 Euro. Im Winter ist die Auffahrt zu den Hochgebirgsstauseen nicht möglich.

Für Frühaufsteher und Bergsteiger gibt es an den Wochenenden um 6:30 Uhr den Bergsteigerbus. Der fährt ohne Umstiege durch. Allerdings müsst ihr euch dort vorab telefonisch einen Platz reservieren. Letzte Talfahrt ist im Hochsommer, also im Juli und August, um 17 Uhr.

Tipp: Setzt euch bei der Auffahrt im Bus am besten auf die linke Seite. Der Bus fährt nämlich am tiefer gelegenen Wasserfallboden vorbei und die Straße verläuft rechts davon. So könnt ihr das tiefblaue Wasser schon beim Hochfahren bestaunen.

Wilde Bergwelt, Gletscher und türkisblaues Wasser

Region:Zell am See-Kaprun
Höhenlage:2.040 Meter
Bergbahn-Ticket:24 Euro (Hin/Rück)
Must-Do:Klettersteig Staumauer
Beste Reisezeit:Juni bis Oktober

Der Bus hält vor dem Bergrestaurant Mooserboden. Beim Aussteigen fällt sofort auf, dass es in dieser Höhenlage deutlich kühler ist als im Tal. Packt euch also eine warme Jacke ein.

Dann geht es auf Erkundungstour. Zuerst am Bergrestaurant vorbei und ganz nah ans Wasser heran. Hinter dem Bergrestaurant könnt ihr mit gutem Schuhwerk die Steine überwinden und bis zur Wasserkante vorlaufen. Ich halte eine Hand ins kühle Nass. Nicht nur die Umgebungsluft ist kalt, auch das Wasser hat es in sich. Aber es handelt sich hierbei ja nicht um Badeseen.

Anschließend überschreite ich die Staumauer, die so breit ist, dass eine Straße oben entlangführt. Rechts und links ist die Mauer mit einem Geländer begrenzt. So könnt ihr locker hinüber spazieren, die Ausblicke genießen und seid trotzdem stets sicher.

Ich lasse die Augen über die vergletscherte Bergwelt ringsum streifen. Bekannt ist vor allem das Große Wiesbachhorn (3.564 m), das erfahrene Bergsteiger von den Stauseen aus sogar besteigen können. Auf der anderen Seite ragt das Kitzsteinhorn imposant in die Höhe (3.203 m).

Klettersteig an der 107 Meter hohen Staumauer

Wer auf der Suche nach Adrenalin ist, sollte zusätzlich das Klettersteigset samt Klettersteighandschuhen einpacken. Oder ihr leiht es euch vor Ort aus.

Über den Mobo 107 könnt ihr nämlich die 107 Meter hohe Mooserbodensperre erklimmen. Der Klettersteig weist eine Schwierigkeit von A-B auf, ist also technisch nicht sonderlich schwierig. Mir haben beim Aufstieg dennoch die Beine gezittert. Ich habe Probleme mit Höhe, sobald es zu steil und zu luftig wird. Übrigens ist die Mooserbodensperre gar nicht die höchste der drei Staumauern. Noch höher ist die 120 Meter hohe Limbergsperre am tiefer gelegenen Wasserfallboden.

Entspannter geht es im Inneren der Staumauer zu. Täglich gibt es mehrere Führungen durch die Mauer hindurch. Dann geht es im Gänsemarsch durch enge Gänge, vorbei an Rohren und Kabeln in die Tiefe des technischen Wunderwerks hinein. Die einstündige Führung kostet pro Person 6 Euro.

Geniale Aussicht von der Höhenburg

Ich für meinen Teil genieße den Tag diesmal mit festem Boden unter den Füßen und bei Tageslicht. So gehe ich die leichte Wanderung zur Höhenburg an. Der Hügel liegt zwischen den beiden Staumauern Mooserbodensperre und Drossensperre. Etwa 20 Minuten dauert es über den schmalen Pfad zum Gipfelkreuz. Dabei geht es über Stufen und Steine hinweg.

Von oben genieße ich die Aussicht auf das türkisblaue Wasser aus der Vogelperspektive. Hinter mir liegt weiter entfernt der Wasserfallboden. Der untere Speichersee leuchtet noch mehr als der Mooserboden direkt vor meinen Füßen. Ich blicke von oben auf die imposanten Staumauern hinab. Und obwohl ich mich für Technik in der Natur nur selten begeistern kann, finde ich die massiven Konstruktionen beeindruckend.

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Fazit

Ein Besuch der Stauseen am Mooserboden lohnt sich also definitiv. Achtet darauf, dass das Wetter gut ist. Denn nur dann leuchtet das Wasser so schön blau und nur dann könnt ihr auch die Aussicht auf die vergletscherte Bergwelt genießen.

Nehmt euch für die Auffahrt zu den Stauseen außerdem einen Tag lang Zeit. Schon das Hoch- und Runterkommen dauert ein wenig. Dafür solltet ihr insgesamt 1-2 Stunden einrechnen. Und auch an den Stauseen selbst wollt ihr euch sicher nicht stressen, sondern alles genießen und entdecken.

Weil die Stauseen generell ein beliebtes Ausflugsziel sind, empfiehlt es sich, die Ferienzeit und Wochenenden zu meiden, sofern das möglich ist. Aber auch in der Hochsaison verteilen sich die Menschen. Wir waren mitten im Hochsommer unterwegs und hatten trotzdem immer ruhige Punkte nur für uns.

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