Fairytale Canyon: Skurile Felsenlandschaft Kirgistans

Stell dir eine Landschaft vor, die eher an den Mars oder den Wilden Westen erinnert als an das grüne Herz Zentralasiens. Zwischen schroffen, feuerroten Sandsteinformationen und schimmernden Mineralgesteinen fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Der Fairytale Canyon in Kirgistan verdankt seinen Namen den bizarren Felsgebilden, die wie steinerne Mauern und Burgen in den Himmel ragen. Lohnt sich der Abstecher in diese märchenhafte Schlucht?

Lohnt sich der Besuch im Fairytale Canyon in Kirgistan?

Der Fairytale Canyon (auf Kirgisisch Skazka) liegt am Südufer des riesigen Yssykköl-Sees in der Region Yssykköl im Osten Kirgistans. Über Millionen von Jahren haben Wind, Wasser und Erosion die farbenprächtigen Sandstein- und Tonformationen auf einer Höhe von rund 1.600 Metern über dem Meeresspiegel geformt.

Der Eintritt kostet aktuell 50 Som (unter 1 Euro) pro Person. Die Temperaturen können im Sommer leicht über 30 °C steigen, weshalb sich vor allem die frühen Morgen- oder späten Nachmittagsstunden für einen Besuch anbieten, wenn das Sonnenlicht die roten Felsen besonders intensiv leuchten lässt.

Fototipp: Die schönsten Fotos gelingen am späten Nachmittag, wenn das warme Sonnenlicht die roten Sandsteinformationen förmlich zum Glühen bringt und tiefe Schatten in die Schlucht wirft. Falls du eine Drohne mitbringst, kannst du das rote Labyrinth und den kontrastreichen Yssykköl-See aus der Vogelperspektive einfangen.

Anreise zum Fairytale Canyon im Osten Kirgistans

Lage:Ost-Kirgistans
Anreise:Sammeltaxi/Mietwagen
Eintritt:50 Som
Beste Reisezeit:Mai – September
Guide:nicht notwendig

Wer international anreist, landet meist am Flughafen Manas in Bischkek, von wo aus es rund 310 Kilometer bis zum Canyon sind. Alternativ gibt es den zweitgrößten Flughafen des Landes in Osch im Süden, was einer spektakulären Roadtrip-Strecke von etwa 650 Kilometern entspricht. Für die Weiterreise im Land lassen sich zwar lokale Sammeltaxis (Marschrutkas) von Karakol oder Bökönbajew aus organisieren, ich empfehle jedoch ausdrücklich einen Mietwagen.

Ein eigener Geländewagen bietet euch auf den teils unbefestigten Straßen Kirgistans die maximale Flexibilität. Von der Hauptstraße A363 führt eine kurze, staubige Schotterpiste direkt zum Parkplatz am Canyoneingang. Wer mit dem Mietwagen anreist, kann den Stopp perfekt mit einer Fahrt entlang des gesamten Südufers des größten Sees des Landes verbinden und spontan an verlassenen Strandabschnitten stoppen.

Wetterbericht im Auge behalten

Vor dem Aufbruch solltest du unbedingt den aktuellen Wetterbericht prüfen, da starker Regen die lehmigen Pfade schnell in eine extrem rutschige Angelegenheit verwandelt. Zudem ist festes Schuhwerk mit griffigem Profil unverzichtbar. Im Canyon gibt es keinerlei befestigte Wege, sondern meist nur lose Kiespfade, staubige Passagen und recht steile Fels- und Lehmhänge, die Trittsicherheit erfordern. Bring außerdem ausreichend Trinkwasser und verlässlichen Sonnenschutz mit, da die karge Felslandschaft weder eine Wasserquelle noch Schatten bietet.

Insbesondere die Mittagszeit im Hochsommer von Juni bis August sollte gemieden werden. Eine Offlinekarte ist hilfreich, um die Orientierung im Labyrinth zu behalten. Der Eintritt kann vor Ort mit Bargeld in passenden Scheinen bezahlt werden und dann kann man sich in dem Canyon und allen Nebenarmen relativ frei bewegen. Alles, was du an Müll mitbringst, solltest du auch wieder mitnehmen, da es hier praktisch keine Infrastruktur gibt.

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©Mumemories

Erste Schritte im roten Labyrinth des Fairytale Canyons

Mein erster Eindruck auf dem kleinen Parkplatz ist bereits überwältigend: Schon nach meinen allerersten Schritten habe ich das Gefühl, die zivilisierte Welt hinter mir zu lassen, und stehe plötzlich mitten in einer surrealen Kulisse aus leuchtendem Rot, Orange und strahlendem Gelb. Einen fest vorgegebenen Rundweg gibt es hier nicht. Stattdessen schlängeln sich unzählige schmale Pfade durch die gesamte Schlucht.

Ich lasse mich zu Beginn einfach völlig frei treiben und klettere spontan auf die nächstgelegenen Hügel, um mir erst einmal einen Überblick über dieses labyrinthartige Areal zu verschaffen. Dieser erste Panoramablick zieht mich komplett in seinen Bann – erst recht, als am Horizont dunkle Gewitterwolken aufziehen.

Die „Chinesische Mauer“ im Canyon

Mein absolutes Highlight ist ein Spaziergang auf dem Kamm entlang der Hauptformation, die nicht ohne Grund als „Chinesische Mauer“ bekannt ist. Dieser schmale, natürliche Grat aus versteinertem Ton- und Lehmgestein zieht sich wie eine steinerne Festung durch den Canyon. Beim vorsichtigen Aufstieg knirscht der lose Kies leise unter den Sohlen, doch oben angekommen verschlägt es einem schlagartig den Atem.

Während bei meinem Besuch im Juni mittags die flimmernde Hitze über den Felsen liegt und kaum ein Tourist die Stille in der Schlucht stört, blicke ich auf der einen Seite tief in eine zerklüftete Wüstenlandschaft aus tiefroten und gelben Tonspitzen. Auf der anderen Seite bildet der tiefblaue Yssykköl-See auf 1.600 Metern Höhe den wohl spektakulärsten Farbkontrast Kirgistans. Wer weiter in die abgelegenen Seitentäler vordringt, entdeckt verschiedenste Skulpturen, die an schlafende Drachen erinnern und durch Jahrtausende von Wind- und Wassererosion geformt wurden. Je nach Sonnenstand verändern sich die leuchtenden Rot- und Orangetöne im Minutentakt und ermutigen dazu, auf noch unentdeckten Pfaden weiterzuwandern.

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Fazit

Der Fairytale Canyon ist für mich ein absolutes Must-see bei einer Rundreise durch Kirgistan. Die surreale Marslandschaft aus feuerroten Sandsteinformationen lässt sich wunderbar flexibel auf eigene Faust erkunden und bietet einmalige Ausblicke, die im Kopf bleiben. Durch die unkomplizierte Anreise über asphaltierte Straßen am Yssykköl-See und die überschaubaren Pfade ist dieses farbenprächtige Naturwunder die perfekte Ergänzung für jeden Roadtrip.

Wer in der Region unterwegs ist, sollte den Canyon zudem mit zwei weiteren Highlights kombinieren: Eine mehrtägige Wanderung oder ein Ausritt auf Pferden zum hochgelegenen Bergsee Song Köl gehört zu den prägendsten Erlebnissen im Land. Alternativ lohnt sich eine Trekkingtour zum malerischen Ala-Köl-See, dessen leuchtend türkisfarbenes Wasser zwischen mächtigen Viertausendern liegt.

Lage

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