Steilster Wanderweg der Alpen? Gemmiweg in Leukerbad

Ich blicke auf eine senkrecht aufragende Felswand. Sie erhebt sich fast 1.000 Meter in die Höhe. Von hier unten wirkt es beinahe so, als müsse man richtig gute Klettertechniken beherrschen, um dort hochzukommen. Aber der Gemmiweg in Leukerbad ist in vielen kleinen Serpentinen in den Fels geschlagen. Und je höher ihr kommt, umso mehr schneebedeckte Gipfel und Gletscher des Wallis kommen ringsum zum Vorschein.

Lohnt sich die Wanderung über den Gemmiweg in Leukerbad?

Von unten wirkt die Felswand über Leukerbad schier undurchdringlich. Senkrecht ragt das massive Gestein empor, und man kann sich kaum vorstellen, dass sich hier tatsächlich ein historischer Pfad nach oben schlängelt. Doch der Gemmiweg gilt nicht ohne Grund als einer der spektakulärsten und steilsten Wanderwege der Alpen. Knapp 970 Höhenmeter gilt es auf einer Strecke von gerade einmal 4,6 Kilometern zu überwinden. Eine schweißtreibende Tour, aber wer die Zähne zusammenbeißt, wird mit einer atemberaubenden Kulisse und einer faszinierenden Zeitreise belohnt.

Wenn ihr die Passhöhe erreicht, empfängt euch oben eine völlig andere Welt. Neben dem imposanten Blick auf die Walliser Viertausender wartet der türkisblaue Daubensee, der idyllisch in die hochalpine Landschaft eingebettet ist.

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Fototipp: So kurios das klingen mag, aber das beste Fotomotiv wartet beim Runterfahren mit der Seilbahn. Stellt euch in Fahrtrichtung auf die rechte Seite und fotografiert die Felswand, die ihr gerade hochgelaufen seid, aus der Luft. Dann sieht man richtig, wie imposant der Weg in den Fels gehauen ist.

Anreise nach Leukerbad

Höhenmeter:970 m
Strecke:4,6 km
Gehzeit:ca. 2 Stunden
Einkehrtipp:Bergrestaurant Gemmipass
Beste Reisezeit:Juni bis Oktober

Die Anreise nach Leukerbad ist auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln recht easy möglich. Aus vielen deutschen Städten ist es sogar minimal schneller, als wenn ihr euch ewig ins Auto setzen würdet.

Per Zug geht es je nach Verbindung beispielsweise über Basel, weiter nach Visp und nach einem erneuten Umstieg bis Leuk. Auf den letzten Metern fährt dann ein Bus. So seid ihr ab Frankfurt am Main beispielsweise rund 6:10 Stunden mit der Bahn unterwegs, während ihr mit dem Auto regulär rund 7 Stunden (ohne Pausen) benötigt.

Der Tour zum Gemmiweg startet in unmittelbarer Nähe der Talstation der Gemmibahn. Hier gibt es einen Parkplatz, die Parkflächen sind allerdings beschränkt. Wenn ihr vor Ort übernachtet, würde ich empfehlen, das Auto am Hotel stehenzulassen. Ansonsten müsst ihr sehr früh dran sein.

Erst der Schatten, dann der „Backofen“

Zu Beginn geht es zunächst durch ein schattiges Waldstück bergauf. Hier ist es noch angenehm kühl und wir folgen einer breiten Forststraße. So bringen wir die Muskeln auf den ersten Metern ohne großartige Schwierigkeiten auf Betriebstemperatur und grooven uns langsam ein. Sobald wir den Wald verlassen, treten wir direkt in die imposante Felswand ein.

Von nun an ist der Gemmiweg richtig exponiert. Die Sonne knallt hier unbarmherzig rein und die schroffen Felsen strahlen die Hitze ab wie ein riesiger Backofen. Ausreichend Wasser, Sonnenschutz, Kopfbedeckung und eine gute Grundkondition sind auf dieser Tour also absolute Pflicht. Der Weg selbst ist zwar steil und fordert die Waden heraus, aber bestens ausgebaut, breit genug und an den ausgesetzten Stellen mit einer Art Zaun gesichert.

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Gemmi-Challenge: Gratis-Therme für die Schnellsten

Wenn ihr es gerne sportlich mögt, könnt ihr mal schauen, wie schnell ihr bis nach oben kommt und die Zeit stoppen. Es gibt nämlich die offizielle Gemmi-Challenge. Männer, die den Aufstieg von der Talstation bis zur Bergstation in unter 60 Minuten schaffen, und Frauen, die weniger als 65 Minuten benötigen, werden belohnt. Sie erhalten eine kostenlose Talfahrt mit der Gemmibahn sowie einen Gratis-Eintritt in die Leukerbad Therme.

Aber keine Sorge, das ist natürlich kein Muss. Und auch wir sind weit weg von diesen Top-Zeiten. Man kann den Weg bergauf nämlich auch genießen und ihn mehr oder weniger entspannt in 2 – 2,5 Stunden bestreiten. So entspannt es eben die Höhenmeter auf der kurzen Strecke zulassen. Denn anstrengend wird es trotzdem.

Auf den Spuren der Geschichte: Von Alemannen, Goethe und Picasso

Der Pfad windet sich in unzähligen kleinen Serpentinen die Wand hinauf. Unvorstellbar, dass die Gemmi bereits um das Jahr 800 von den Alemannen genutzt wurde, um ins Mittelwallis zu gelangen. Mit ihrer Ansiedlung hielt damals auch die deutsche Sprache im Oberwallis Einzug. Der Pass war also nicht nur eine reine Handelsroute, sondern auch eine Brücke zwischen den Kulturen. Der Name „Gemmi“ selbst geht vermutlich auf lateinische Begriffe für Weg oder Durchgang zurück.

Seit dem 13. Jahrhundert ist der Weg in seiner heutigen Form dokumentiert. Und er hat schon so manche prominente Persönlichkeit ins Schwitzen gebracht. Vor uns wanderten hier bereits Größen wie Johann Wolfgang von Goethe, Mark Twain, Lenin oder Pablo Picasso durch die Wand. Ich hab durchaus Respekt davor, dass die Menschen diesen Weg früher ohne moderne Wanderausrüstung gemeistert haben. Vor allem, weil der Pfad damals wahrscheinlich nicht ansatzweise so gut ausgebaut war.

Genialer Ausblick auf die 4.000er im Wallis

Leukerbad unter uns wird mittlerweile immer kleiner. Ich bin zwar ordentlich am Schwitzen, aber gleichzeitig auch beeindruckt, wie schnell wir Höhenmeter um Höhenmeter überwinden. Sobald ihr dann den Pass überschreitet, verwandelt sich die schroffe Felslandschaft schlagartig. Vor euch erstreckt sich das Hochplateau mit dem leuchtenden, türkisblauen Daubensee. Es fühlt sich magisch an, nach dem heißen und steilen Aufstieg auf das kühle Nass zu blicken.

Von der Aussichtsplattform am Gemmipass erwartet uns außerdem ein herrlicher Blick über die Schweizer Bergwelt. Direkt vor uns liegen namhafte 4.000er wie der Dom, das Weißhorn, Dente Blanche und sogar das Matterhorn ist gut zusehen!

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Fazit

Der Gemmiweg ist ein absoluter Klassiker in den Alpen, den man einmal im Leben gegangen sein sollte. Das Zusammenspiel aus der dramatischen Kulisse der senkrechten Felswand und dem fantastischen Ausblick oben macht die Mühen des Aufstiegs im Nu vergessen. Zumindest mental. Die Beine erinnern sicher auch in den kommenden Tagen noch an die Strapazen. Deswegen macht es euch einfach und nehmt für den Rückweg die Gemmibahn. Die schwebende Kabine bringt euch in gerade einmal 6 Minuten sanft zurück ins Tal.

Und unten angekommen gibt es nur ein Ziel: Badesachen anziehen und ab in das heiße Thermalwasser von Leukerbad, um die müden Wandermuskeln wieder aufzufrischen. Wenn ihr länger in der Gegend seid, kann ich außerdem noch einen Abstecher zum Thermalquellen-Weg empfehlen. Der führt in die eindrucksvolle Dalaschlucht hinein.

Lage

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