Es donnert, als ich die Schlucht betrete. Unter meinen Füßen fließt ein Bach, wenige Schritte entfernt rauscht ein Wasserfall im Crescendo. Island hat über 10.000 Wasserfälle, die die Landschaft zu einer märchenhaften Kulisse formen. Manche Kaskaden prahlen am Straßenrand, wie der berühmte Seljalandsfoss, oder stürzen direkt auf die Ringstraße herab. Doch es gibt auch solche, die verborgen liegen – wie eben den Gljúfrabúi an der Südküste.
Lohnt sich eine Tour zum verstecketen Gljúfrabúi in Island?




Verborgen in einer Schlucht stürzt der Gljúfrabúi 40 Meter in die Tiefe – seine von außen sichtbare Fallkante verrät sein Versteck hinter den Felsen. Der Wasserfall liegt nordwestlich des berühmten Seljalandsfoss, beide sind vom selben Parkplatz an der Straße 249 erreichbar. Die Schlucht ist begehbar und führt durch eine Felsspalte direkt an den Wasserfall.
Der Zugang verläuft entlang eines flachen Bachbettes. Die unmittelbare Nähe zum Seljalandsfoss ermöglicht es, beide Wasserfälle auf einen Schlag zu erleben. Auf Isländisch bedeutet Gljúfrabúi „Bewohner der Schlucht“. Über Steine und durchs Wasser führt ein knöcheltiefer Bach zum verborgenen Naturschauspiel. Wer wagt, wird nass!
Fototipp: Platziere die Kamera niedrig, um den Wasserfall noch gewaltiger wirken zu lassen. Klettere auf den Felsen und drehe dich zum Wasserfall. So wirkt das Foto dynamisch, als würdest du dich ihm nähern. Bei Tageslicht durchdringen Sonnenstrahlen die Felsöffnung und lassen das fallende Wasser wie einen silbernen Schleier erscheinen. Der Kontrast zu den moosgrünen Felsen verstärkt die mystische Atmosphäre.
Anreise nach Hvolsvöllur
| Lage: | Südküste Island |
| Fallhöhe: | 40 m |
| Anreise: | Mietwagen |
| Must-Have: | Wasserdichte Kleidung |
| Beste Reisezeit: | Nebensaison |
Der Gljúfrabúi liegt an der Südküste Islands, weniger als einen Kilometer vom berühmten Seljalandsfoss entfernt. Von Reykjavík aus fährst du knapp 120 km auf der Ringstraße Richtung Osten, bis du kurz vor dem Seljalandsfoss die Abzweigung zur Straße 249 erreichst. Nach wenigen hundert Metern gelangst du zum Parkplatz, von dem aus du beide Wasserfälle zu Fuß erkunden kannst. Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden. Für das Parken wird eine Gebühr erhoben.
Während der Seljalandsfoss schon von Weitem sichtbar ist, versteckt sich der Gljúfrabúi hinter einer Felswand. Wer den Wasserfall hautnah erleben will, muss durch die Felsspalte gehen und durch einen knöcheltiefen Bach waten.
Falls du eine mehrtägige Reise mit einem Mietwagen planst, bietet sich eine Übernachtung in Hvolsvöllur an, knapp 30 km vom Seljalandsfoss entfernt. Das Midgard Base Camp in Hvolsvöllur ist eine ideale Ausgangslage für den Besuch der beiden Wasserfälle. Von dort aus dauert die Fahrt etwa 30 Minuten entlang der Ringstraße.
Wasserdichte Kleidung
Wenn du die beiden Wasserfälle aus nächster Nähe erleben willst, sind eine Regenjacke und eine wasserdichte Hose essenziell. Mit rutschfesten und wasserfesten Schuhen mit gutem Grip vermeidest du nasse Füße und minimierst die Gefahr auszurutschen – besonders, wenn du durch den Bach zum Gljúfrabúi watest oder auf den Felsen vor dem Wasserfall klettern möchtest.
Pack am besten auch Wechselkleidung ein, vor allem Socken und gegebenenfalls eine Hose. Je nach Jahreszeit und Wetter kann die Tiefe des Bachs variieren. Damit gibt es keine Ausrede, nicht in die Schlucht zu gehen und das Abenteuer in vollen Zügen zu genießen.
Auch interessant: Westmännerinseln – Island im Kleinformat auf Heimaey


Im Schatten des Seljalandsfoss
„Schon mal hinter einem Wasserfall gestanden?“, fragt der Tourguide, als wir den Parkplatz am Seljalandsfoss erreichen. Der deutlich bekanntere Wasserfall stürzt 60 Meter in die Tiefe und bildet einen Vorhang, hinter dem ein Pfad verläuft.
Der Spaziergang hat jedoch seinen Preis – trocken kommt hier niemand hindurch. Doch keiner von uns ahnt, dass dies nur die Ouvertüre ist. Folgt man dem Pfad, erreicht man nach wenigen Minuten die Schlucht, in der sich der Gljúfrabúi verbirgt.
Durch die Felsspalte direkt in den Mythos
Inmitten der Höhle donnert Wasser den Felsen hinunter. Die kalte Dusche lasse ich mir nicht ausreden. Der Wasserfall spielt ein wortloses Gedicht, das an den Wänden des Felsenatriums hallt. Gischt sprüht ins Gesicht, während ich mich mit Händen und Füßen dem Wasser nähere.
Licht bricht ein und schneidert dem Wasserfall ein silbernes Kleid. Die zarte Wildnis versetzt mich in einen Mythos – die rutschige Realität erdet mich zurück. Bilder und Klänge wechseln im Sekundentakt, doch scheint die Zeit stillzustehen. Noch am Eingang ahne ich kaum, dass der Bewohner der Schlucht ein fließendes Juwel ist.
Auch interessant: Skógafoss in Island – Ein majestätischer Wasservorhang
Fazit
Der Seljalandsfoss ist zwar einer der Hauptakteure jeder Islandreise, doch der Gljúfrabúi versetzt dich in eine Zauberwelt. Außer Neugier und gegebenenfalls nassen Füßen erfordert der Abstecher in die Schlucht keinen besonderen Aufwand. Wer vom Verborgenen gereizt ist, taucht in ein mystisches Setting ein. Im Stillen donnert Gljúfrabúi und verzaubert seinen Besucher mit Moosduft und Sprühnebel. Ich empfehle, die Wasserfälle am frühen Morgen zu besuchen, bevor Reisebusse und Touristengruppen den Ort stürmen. Mit etwas Glück hast du den versteckten Wasserfall für dich allein.
Wenn du von den Wasserfällen noch nicht genug hast, erreichst du in nur 30 Minuten Autofahrt den nächsten Geheimtipp: den Kvernufoss. Ein kurzer Wanderweg führt dich durch ein malerisches Tal direkt zum Wasserfall. Das Tal erinnert an Midgard – an den Mythos von Mensch, Feuer und Eis.
Schreibe einen Kommentar