Ich bin immer wieder fasziniert, wie unterschiedlich unsere Mittelgebirge in Deutschland sind. Und wer hätte gedacht, dass man in Nordhessen so gut wandern kann? Hier habe ich eine wundervolle Rundwanderung, einmal rund um den Hohen Meißner, unternommen. Die Tour führt über schmale, fast schon alpine Pfade, vorbei an bizarren Vulkanfelsen und in das Reich der Frau Holle. Und das Beste: Ich war zur Zeit der Mohnblüte da. Da erstrahlen die Felder bei Germerode in den schönsten Farben.
Lohnt sich Runde um den Hohen Meißner?
Der Hohe Meißner in Nordhessen, oberhalb von Germerode, ist der vielleicht bekannteste Berg Deutschlands. Wetten, ihr kennt ihn fast alle, wusstet es bisher aber gar nicht? Rund um den Berg in Nordhessen spielt nämlich das Märchen von Frau Holle, das von den Gebrüder Grimm niedergeschrieben wurde. Und auch vor dieser weltbekannten Version waren sich die Menschen vor Ort schon sicher: Am Hohen Meißner liegt der Eingang in ihr Reich.
Die Rundwanderung über den Premiumwanderweg P1 ist wahrscheinlich sogar noch ein kleiner Geheimtipp. Rund 13 km Wegstrecke gilt es zu meistern, wenn ihr die Runde komplett wandern möchtet. Und dabei geht es vorwiegend über schmale Pfade, die fast schon alpinen Charakter haben. Wir spazieren durch dichte Wälder und kommen an bizarren Felsformationen vorbei. Neben der fantastischen Natur punktet die Runde vor allem durch die tief verwurzelte Sagenwelt rund um Frau Holle, mit der ihr unterwegs immer wieder in Berührung kommt.
Fototipp: Die beste Zeit für schöne Fotos ist im Frühsommer. Dann blühen die Mohnfelder in Germerode. Die liegen zwar nicht direkt auf dem Weg des P1, aber ein Abstecher für ein Erinnerungsbild lohnt sich definitiv. Besonders gut gefällt mir der schmale Pfad durch die Felder hindurch, der Mohnwanderweg.
Anreise zum Hohen Meißner
| Strecke: | 13,7 km |
| Höhenmeter: | 507 hm |
| Gehzeit: | 5 Stunden |
| Einkehrtipp: | Mohntenne |
| Beste Reisezeit: | Juni, während der Mohnblüte |
Wir starten am Naturfreundehaus Meißnerhaus. Von Kassel dauert die Fahrt mit dem PKW etwa 40 Minuten. Hier gibt es einen großen kostenlosen Parkplatz. Ihr könnt den Ausgangspunkt im Geo-Naturpark Frau-Holle-Land aber genauso auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. So geht es beispielsweise mit Straßenbahn oder Bus aus der Innenstadt nach Hessisch-Lichtenau und dort dann mit dem regionalen Bus weiter bis zur Haltestelle „Hotel Meißner Berggasthof“.
Alternativ gibt es auch ansonsten immer wieder Parkplätze am Streckenrand, z.B. in Schwalbenthal oder am Frau-Holle-Teich. So könnt ihr wahlweise auch woanders in die Tour einsteigen, oder eben nur bestimmte Spots besuchen, die euch besonders interessieren.





Schmale Wanderpfade und Natur pur
Auf den ersten Metern geht’s direkt erstmal bergab. Das ist natürlich angenehm zum Reinkommen, aber es wird einem auch sofort bewusst, dass man das später auch wieder hoch laufen muss. Denn obwohl wir im Mittelgebirge unterwegs sind und die Gegend erstmal gar nicht so steil aussieht, gilt es insgesamt etwa 500 Höhenmeter zu überwinden. Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten, also packt euch ausreichend Wasser und ein paar Snacks ein.
Von der Kitzkammer ins Schwalbenthal
Von einem auf den anderen Moment ist es, als treten wir in eine andere Welt ein. Die Stille des Waldes umhüllt uns. Und nur wenige Augenblicke später kommen wir bereits zur Kitzkammer. Basaltstelen liegen so übereinander, dass es aussieht, als hätte man sie per Hand akkurat aufgestapelt. Es ist immer wieder faszinierend, was die Natur für kunstvolle Ort schaffen kann. Die Sage erzählt übrigens, dass Frau Holle hier faule und unartige Mädchen in Katzen verwandelt und in der Kammer eingesperrt haben soll.
Durch diese idyllische Kulisse windet sich der schmale Pfad weiter über die Seesteine bis hin zum beeindruckenden Blockmeer. Schließlich erreichen wir Schwalbenthal, ein altes, heute verlassenes Bergbaudorf. Man kann noch immer die alten Stollen entdecken, in denen früher unter Tage Braunkohle abgebaut wurde.



Die schönste Aussicht an der Kalbe
Und dann kommen wir zu meinem persönlichen Lieblingsplatz auf der Tour. Wir steigen zur Kalbe auf. Von hier oben habt ihr eine sensationelle Aussicht hinab auf Germerode, auf die umliegenden Mohnfelder und bei klarer Sicht sogar bis in den Thüringer Wald und die Rhön. Direkt unterhalb liegt der Kalbesee. Mit seiner dunklen und super ruhigen Wasseroberfläche sieht er inmitten der Bäume irgendwie magisch aus.
Doch das eigentliche Naturschauspiel wartet direkt dahinter. Denn dort ragt die Stinksteinwand auf. Hier brennt es tatsächlich im Inneren des Berges. Die Kohle, die hier ehemals abgebaut wurde, hat sich vor Jahrhunderten durch einen Flözbrand selbst entzündet und glimmt bis heute unaufhörlich weiter. Wenn der Wind günstig steht, könnt ihr sogar den typischen Schwefelgeruch in der Nase vernehmen.
Am Fuße der Kalbe befindet sich der Frau-Holle-Teich. Der See liegt wildromantisch vor uns. Seerosen überwuchern ihn. Und er übt schon seit der Eisenzeit eine Faszination auf die Menschen der Region aus. Früher dachte man, das Gewässer sei unendlich tief. Und der Legende nach soll am Grunde dieses stillen Gewässers das silberne Schloss der Frau Holle stehen.



Fazit
Die gesamte Runde ist super faszinierend, weil hinter jeder Kurve ein neues Highlight, ein grandioser Ausblick oder ein geschichtsträchtiger Ort wartet. Dadurch wird’s unterwegs auch nie langweilig und man hat immer ein nächstes Zwischenziel, auf das man hinfiebert. Richtig gut finde ich auch, dass es sich häufig auch um echte, schmale Wanderwege und nicht um breite, langweilige Forststraßen handelt.
Und wenn ich euch noch einen Tipp mitgeben darf, dann kommt unbedingt im Frühsommer. Zu dieser Zeit erblüht rund um Germerode der Schlafmohn in seiner vollen Pracht. Es wirkt fast schon kitschig schön, wenn die Felder in leuchtendem Pink und Violett erstrahlen. Anschließend könnt ihr in der „Mohntenne“ einkehren. Hier hab ich zum ersten Mal eine Mohnbratwurst gegessen. Und auch der saftige Mohnkuchen ist ein super Abschluss für einen gelungenen Wandertag.


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