Staunend drehe ich mich einmal um die eigenen Achse. Ich bin umgeben von mächtigen Dolomitengipfeln. Zwischen den riesigen Felswänden und freistehenden Steintürmen mitten in der Rosengartengruppe fühle ich mich plötzlich ganz klein. Beinahe ehrfürchtig setze ich einen Schritt vor den anderen. Stets darauf bedacht, mit den Augen möglichst viel Panorama aufzusaugen. Schon jetzt ist klar, diese zweitägige Hüttentour in Val di Fassa in Trentino ist eine Wanderung, die ich lange in Erinnerung behalten werde.

Lohnt sich eine Hüttenwanderung im Rosengarten?

Der Rosengarten ist in Italien unter dem Namen Catinaccio bekannt und eine Bergkette, die sich über Teile von Trentino und Südtirol erstreckt. Die Ausläufer auf der Südtiroler Seite gehören großteils zum Naturpark Schlern-Rosengarten und seit 2009 wurde die Gruppe wie viele andere Regionen der Dolomiten von der UNESCO zum Welterbe Dolomiten ausgezeichnet.

Die zirka 8 km lange Bergkette hat mehrere Gipfel. Höchste Erhebung ist der 3.004 m hohe Kesselkogel. Der zweithöchste Gipfel ist die 2.981 m hohe Rosengartenspitze. Darüber hinaus sind vor allem die eindrucksvolle Westwand der Rotwand (2.806 m), die fingerförmig anmutenden Vajolettürme (2.821 m) und die sagenumwobene Laurinswand (2.813 m) bekannt.

Für uns führt die zweitägige Tour, auf der etwa 1.300 Höhenmeter überwunden werden, von Vigo di Fassa in Trentino zuerst zu den Vajolettürmen, dann unterhalb des Kesselkogels über den Antermoia-Pass bergab zum Antermoia-See und zur Antermoia-Hütte. Am Folgetag geht es dann zurück ins Tal.

Instatipp: Ein tolles Fotomotiv ist die Gartlhütte vor der imposanten Kulisse der Vajolettürme. Besonders schön sieht es aus, wenn die Felswände noch von der Sonne beschienen werden.

Anreise nach Val di Fassa in Trentino

Von München ins Val di Fassa sind es mit dem Auto etwas über vier Stunden Fahrzeit. Bedenkt dabei, dass ihr quer durch Österreich fahrt, also eine Vignette für die österreichischen Autobahnen benötigt.

Die 10-Tages-Vignette kostet 9,40 Euro. Ihr könnt beim Vignettenkauf übrigens direkt die Brennermaut mitbezahlen. Das sind 10 Euro pro Strecke. Wenn ihr die Maut für den Brenner schon vorab löst, könnt ihr möglichen Stau umfahren und euch ganz links einordnen, um direkt passieren zu können. In Italien wird die Maut dann je nach gefahrener Strecke direkt an den Automaten gezahlt.

Parken könnt ihr direkt an der Seilbahnstation in Vigo di Fassa. Dort befinden sich kostenlose Parkplätze und ihr könnt das Auto auch über Nacht stehen lassen. Nach Vigo di Fassa ist die Anreise auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. So fährt ein EuroCity-Zug von München über Innsbruck bis nach Bozen. Von dort geht es mit dem Bus weiter. Dafür solltet ihr ungefähr 5:30 Stunden einkalkulieren.

Vorbereitung und Ausrüstung

Länge:19 km
Gehzeit:8 Std.
Höhenmeter:1.255 m
Höchster Punkt:2.770 m
Beste Jahreszeit:Juni bis September

Für unsere Hüttenübernachtung ist ein 35-Liter-Rucksack empfehlenswert. Darin finden der Hüttenschlafsack und ein kleines Handtuch Platz. Reserviert euch den Schlafplatz an der Antermoia-Hütte außerdem am besten vorab telefonisch und packt ausreichend Bargeld ein. Die Verpflegung und Übernachtung kann auf den meisten Hütten nur bar gezahlt werden. Der Hüttenwirt spricht Deutsch.

Ansonsten hab ich ein Wechselshirt und eine Leggings zum Schlafen dabei. Außerdem frische Socken, ein Fleece und eine Isolationsjacke. Im Gebirge kann es auch im Sommer plötzlich kalt werden. Um für alle Wetterumschwünge gewappnet zu sein, gehören auch eine regenfeste Hardshelljacke, Handschuhe und eine Mütze ins Gepäck. Zudem solltet ihr an einen Sonnenbrille und Sonnencreme denken. Darüber hinaus dürfen Erste-Hilfe-Set und Stirnlampe nicht fehlen.

Neben ausreichend Wasser und ein paar Snacks haben wir zudem das Klettersteigset und Steinschlaghelm eingepackt. Denn geplant ist, den Kesselkogel über den Klettersteig zu überschreiten. Ansonsten solltet ihr euch je nach Jahreszeit für knöchelhohe, stabile Wanderschuhe mit guter Profilsohle entschieden. So kann man auch das eine oder andere Schneefeld im Herbst oder im Frühjahr passieren.

Durchquerung des Rosengartens

Die ersten Meter fahren wir mit der Seilbahn von Vigo die Fassa nach oben. Die Großraumgondel bringt uns in wenigen Minuten zum Panoramapunkt Ciampedie auf 2.000 m Höhe. Die einfache Fahrt kostet 10,50 Euro.

Vor mir öffnen sich die elektrischen Türen der Seilbahnstation. Da staune ich zum ersten Mal. Denn ich blicke geradewegs auf eine imposante Felslandschaft. Am Horizont erheben sich die Rosengartenspitze und auch die Vajolettürme sind schon in der Ferne zu sehen.

Wir halten auf die steilen Felswände zu. Zuerst geht es einige Minuten durch den Wald und schließlich oberhalb der Baumgrenze über eine breite Forststraße nach oben in Richtung Vajolethütte. Immer wieder scanne ich mit den Augen die steilen Berghänge ab. Dafür muss ich den Kopf weit in den Nacken legen, denn die Gipfel überragen mich um etliche Meter. Ich fühle mich winzig klein zwischen den mächtigen Gesteinsriesen.

Vorbei am Kletterparadies Vajolettürme

Und nun geht es näher zu ihnen hin. Ein schmaler Pfad zweigt in Richtung der Vajolettürme ab. Über Felsstufen geht es steil nach oben. Besonders ausgesetzte Passagen sind mit einem Drahtseil gesichert. Der Wanderweg ist beliebt. Das ist an den speckigen Tritten zu erkennen, über die schon etliche Wanderer vor mir aufgestiegen sind und die mich nun zur Vorsicht mahnen. Denn gerade bei Feuchtigkeit kann der Weg somit sehr glatt sein.

Etwa 30 Minuten später erreichen wir schließlich die Gartlhütte. Da stehe ich im sogenannten „Gartl“, dem Schuttkar zwischen Laurinswand und den Vajolettürmen. Der Legende nach soll hier der Rosengarten des Zwergenkönigs Laurin gelegen haben. Jener Garten, der so verwunschen sei, dass er nur beim Alpenglühen zur Zeit des Sonnenauf- und Sonnenuntergangs zu sehen sei.

Wir verweilen einen Moment auf der Terrasse der Gartlhütte und staunen über die Aussicht. Die filigranen Vajolettürme setzen sich aus drei Hauptnadeln zusammen. So blicke ich auf den Winkler-Turm, den Stabeler-Turm und den Delago-Turm, die allesamt Ende des 19. Jahrhunderts erstbestiegen und nach den jeweiligen Kletterern benannt wurden. Und während ich mir die filigranen Felsnadeln so ansehe, kann ich verstehen, warum sie auch heute noch so eine Faszination auf Kletterer ausüben.

Sonnenaufgang an der Antermoia-Hütte

Weiter geht es in Richtung Kesselkogel. Eigentlich haben wir die Überschreitung geplant. Ein einfacher Klettersteig der Schwierigkeit B führt über den Gipfel. Doch aufgrund des Wintereinbruchs vertagen wir die Tour und gehen den Normalweg um den Kesselkogel herum zum Antermoia-Pass. Von dort aus geht es ausschließlich bergab weiter in Richtung des herzförmigen Antermoia-Sees und der Antermoia-Hütte.

Wie schön die Umgebung rund um die Hütte tatsächlich ist, sehen wir erst am nächsten Morgen. Langsam bahnen sich die Sonnenstrahlen ihren Weg über die umliegenden Bergflanken und tauchen die gegenüberliegenden Hänge in ein warmes Licht. Sanfte Nebel steigen über dem See auf. Fluffige Wolken umspielen die Gipfel. Die Szenerie wirkt wie gemalt. Nur, dass man ein solches Gemälde wohl als kitschig und übertrieben abstempeln würde.

Für einen noch besseren Blick erklimmen wir die paar Höhenmeter in Richtung Mantel. Von dort haben wir eine 360-Grad-Aussicht. Wir schauen zurück auf die Antermoia-Hütte und dahinter auf den Kesselkogel. Auf der anderen Seite lasse ich die Augen über die faszinierende Dolomitenlandschaft streifen. Zu sehen sind fast alle bekannten Gipfel, darunter die Seceda mit den Geislerspitzen, man kann Platt- und Langkofel erkennen, ich genieße die Sicht auf das Sella Massiv und die Marmolada und kann bis zur Lagorai-Gruppe im Val di Fiemme hinüberblicken. Genial!

Fazit

Anschließend geht es bergab durch das Val de Dona zurück ins Fassatal. Der Abstieg ist teilweise sehr steil und fordert die Knie. Dafür solltet ihr also noch ein paar Kraftreserven übrig haben. Doch wenn ihr konditionell fit und trittsicher seid, lohnt sich die Tour definitiv. Es ist immer wieder schön, in den Dolomiten unterwegs zu sein und ihr seht den Rosengarten aus ganz verschiedenen Perspektiven.

Im Rosengarten gibt es übrigens noch mehr Hütten zur Einkehr und zum Pause machen. Ihr könnt die Länge der Tour dadurch auch beliebig variieren und beispielsweise eine weitere Hüttenübernachtung an der Grasleitenpasshütte unterhalb des Kesselkogels einplanen. So habt ihr am Folgetag dann ausreichend Zeit für die Überschreitung des Kesselkogels durch den Klettersteig.

Lage

Praktische Links

Kommentar verfassen