Ich freue mich riesig, das UNESCO Weltkulturerbe, den berühmten Mont Saint-Michel, endlich live zu sehen. In der Normandie liegt der der Berg des heiligen Michaels friedlich auf einer Insel mitten im Wattenmeer. So kenne ich das zumindest von den Fotos. Als ich ankomme, ist jedoch weit und breit kein Wasser zu sehen und ich frage mich wieso überhaupt eine Brücke vom Festland hinüber führt. Nach einiger Zeit wird es mir klar, als mit tönendem Lärm die Flutwelle heranrollt.

Lohnt sich ein Besuch von Mont Saint-Michel?

Sowohl die Normandie als auch die Bretagne zählen das berühmte Kloster Mont Saint-Michel zu ihren Must-Sees. Geografisch liegt es in der Normandie, allerdings war das nicht immer so. Durch die weiche Sandküste änderte der Grenzfluss Couesnon über die Jahrhunderte öfter seiner Verlauf. Das Kloster war also auch schon einmal Teil der Bretagne.

10.000 Besucher strömen hier im Juli und August an, um das architektonische Meisterwerk zu bewundern. Was leider nicht so gut strömt, sind die Sandmassen, die die täglichen Flutwellen anspülen und die Küste verlanden lassen. Seit 2008 finden große Wasserbaumaßnahmen statt, zur Erhaltung des Inselcharakters von Mont Saint-Michel.

Die Ursprünge des Klosterbergs stammen aus dem Jahr 708 n. Chr. Auf der Insel ist dem Bischof Aubert von Avranches laut Legende der Erzengel Michael Engel erschienen, der ihn mit dem Bau einer Kapelle beauftragt haben soll. Heute ist der Klosterberg sogar nach dem Engel benannt. Natürlich kurbelt so eine Geschichte den Pilgertourismus zu dieser Zeit mächtig an und irgendwie erfüllt diese Legende noch heute das mystische Ambiente der alten Stadt.

Mit den ganzen Pilger-Einnahmen und den Finanzspritzen vieler Herzöge, Könige und Bischöfe konnte die Kirche zur Klosteranlage und bis ins Jahr 1520 zur fast uneinnehmbaren Festung ausgebaut werden. Ab 1793, also kurz nach Beginn der französischen Revolution, diente das architektonische Meisterwerk sogar fast 100 Jahre als Gefängnis.

Instatipp: Entlang der Brücke, die zum Klosterberg führt kann man schöne Panoramafotos machen. Wer ein gutes Objektiv hat, kann sogar vom Festland gute Bilder machen. Für die romantische Stimmung gibt es hier verschiedene Blumen oder Schafsherden für den Bildvordergrund.

So kommt ihr zum Mont Saint-Michel

Von Paris aus ist man mit dem Auto etwa vier Stunden unterwegs, hauptsächlich über die Autobahn. Mit dem Zug gibt es auch Verbindungen, allerdings muss man von Paris aus mehrmals umsteigen und der Endbahnhof liegt fast 10 Kilometer entfernt. Es gibt aber einen Pendlerbus, der einen direkt vom Bahnhof nach Mont Saint-Michel bringt.

Seit 2008 kann man durch den Renaturierungsprozess nicht mehr direkt bis zum Kloster heranfahren und dort parken, sondern nur beim Besucherzentrum auf dem Festland. Das liegt etwa zwei Kilometer vor dem Kloster. Die letzten Kilometer müssen mit einem Shuttlebus zurückgelegt werden, da die Brücke zum Kloster nur von offiziellen Shuttles genutzt werden darf.

Das Shuttle ist im Preis für den kostenpflichtigen Parkplatz inbegriffen. Der kostet pro Tag 15 Euro. Von 19:00 bis 1:00 Uhr morgens gibt es ein vergünstigtes Abendticket. Vor Ort könnt ihr der Beschilderung zum Shuttle folgen. Selbstverständlich könnt ihr den Weg auch zu Fuß zurücklegen. Am frühen Morgen oder beim Sonnenuntergang am Abend ist das ein netter Spaziergang.

Eintrittstickets online buchen

Da gerade zur Mittagszeit viele Besucher und Busgruppen vor Ort sind, würde ich empfehlen, am frühen Morgen vor 10 zur Besichtigung zu kommen oder nach 17 Uhr. Dafür bietet es sich an, eine Nacht in der Umgebung zu übernachten. Es gibt sogar auf dem Klosterberg selbst Hotels, allerdings ist das nicht ganz günstig. Am Festland gibt es einige Übernachtungsmöglichkeiten und sogar einen Campingplatz, je weiter entfernt, desto günstiger wird das Ganze.

Entstehung:ab 708 n. Chr.
Einwohner:30
Must-Do:Besichtigung Abtei
Öffnungszeiten:9:00 – 19:00 Uhr Hauptsaison
9:30 – 18:00 Uhr Nebensaison
Beste Reisezeit:Sommer

Ihr kommt rund um die Uhr und kostenlos in die kleine Siedlung am Fuße der Abtei gehen, das Kloster selbst ist in der Hauptsaison von 9:00 bis 19:00 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Holt euch am besten vorher online ein Ticket, um längere Wartezeiten am Eingang zu vermeiden. Ihr dürft die Abtei aber auf keinen Fall verpassen, wenn ihr schon mal dort seid. Die Aussicht von ganz oben ist bombastisch und außerdem kann man auf verschiedenen Stockwerken die jeweiligen architektonischen Baustile beobachten, die über die Jahrhunderte der Bauzeit einfach oben drauf gesetzt wurden, das ist wirklich spannend.

Allein für die Besichtigung der Abtei würde ich mit ca. 1,5 Stunden planen. Da ist die Erkundung der kleinen Gassen im Dorf selbst aber noch nicht mitgerechnet, ebenso wenig wie eine Entdeckungstour im Wattenmeer bei Ebbe.


Auf Zeitreise durch das Kloster

Schon beim Betreten der Stadt durch das Stadttor komme ich aus dem Staunen kaum heraus. Die schnuckeligen, kleinen Gässchen, die zum Kloster hinaufführen, laden zum Verweilen und Fotos machen ein. Es drängen sich hier nur leider zu den Stoßzeiten sehr viele Menschen durch den beengten Raum. Abseits der „Hauptgasse“ mit den ganzen Souvenirläden finde ich allerdings ein paar nette Fleckchen, wo man den Ort in Ruhe genießen kann.

Mir gefällt es zum Beispiel auf der Stadtmauer, auf der man entlang laufen kann, sehr gut. Trotzdem ist bei den Touristenmassen kaum zu glauben, dass in dem kleinen Dorf sogar 30 Menschen dauerhaft leben.

Sehr faszinierend ist meiner Meinung nach, das geschichtlich gewachsene Gesamtbauwerk von oben nach unten zu erkunden. Je weiter man sich in den Berg vorarbeitet, desto dicker werden die Wände und runder die Bögen. Denn zu Beginn wurde im romanischen Stil gebaut. Um besonders viel über die einzelnen Baustile und Epochen zu erfahren, kann ich euch eine geführte Tour nur an Herz legen.

Das Naturspektakel der heranrollenden Flut

Nicht nur die Geschichte ist mega spannend am Mont Saint-Michel, auch die umliegende Landschaft ist einzigartig und hat ihren Reiz. Die Mini-Insel liegt Luftlinie einen Kilometer von der Küste entfernt, mitten im Wattenmeer. Sie hat nur einen Umfang von 830 Metern. Auf engstem Raum wurde hier deshalb vor allem in die Höhe gebaut. Natürlich ist es da imposant, wenn man ganz oben auf einer der Aussichtsterrasse steht und sieht, wie über die graue Wattlandschaft plötzlich der Atlantik heranrollt.

Und dieses Ereignis ist wirklich spektakulär. So eine schnelle Flut habe ich überhaupt noch nie irgendwo gesehen. Der Tidenhub, also der unterschiedliche Wasserstand zwischen den Gezeiten, beträgt hier bis zu 13m. Entsprechend rauschend kommt das Meer zur Flut auch daher! Das ist kein Witz, das hört man, wenn die Flut kommt. Sogar IM Kloster.

Bei Ebbe kann man durch die Sandlandschaft um die ganze Festung herum spazieren. Und auch von dort sehr schöne Bilder machen. Barfuß macht das ganze erst richtig Spaß.

Achtung: Ihr solltet immer nur so weit nach draußen laufen, dass ihr rechtzeitig zur Flut wieder zurück sein könnt, denn das Wasser kommt sehr schnell und macht den Mont Saint-Michel dann wieder zur Insel, die dann nur über die Brücke oder schwimmend erreicht werden kann. Wer das nicht alleine machen will, weil es zu gefährlich ist, kann auch hierfür geführte Touren buchen.

Fazit

Ein Besuch von Mont Saint-Michel lohnt sich auf jeden Fall, die Architektur und die Geschichte dieses Ortes sind wirklich toll und einzigartig in der Menschheitsgeschichte. Nicht nur das Kloster selbst, auch die Umgebung sind eine intensive Erkundung wert, vor allem für Geschichtsinteressierte und Naturliebhaber.

Es ist definitiv empfehlenswert, die Besuchszeit nach Touristenmenge, aber auch nach Ebbe und Flut-Zeiten zu planen, denn die heranrollende Flut zu sehen, ist einfach nur Wow. Vor allem zum Sonnenuntergang ist die Gegend nochmal eine Spur romantischer und es bieten sich atemberaubende Fotomotive.

Lage

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