Wer budget- und umweltbewusst in Südostasien reisen möchte, kommt früher oder später nicht um sie herum: Schlafbusse. Ob Kambodscha, Thailand oder Vietnam, Schlafbusse sind eine kostengünstige Möglichkeit, lange Strecken über Nacht zurückzulegen. Doch ist der Grenzübertritt von Laos nach Vietnam mit dem Schlafbus ein erholsames Abenteuer oder eine stundenlange Tortur?
Lohnt sich die Fahrt mit dem Schlafbus von Laos nach Vietnam?





Reisenden, die von Laos nach Vietnam fahren möchten, stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Entweder sie nehmen das Flugzeug oder den Schlafbus. Eine Stunde Flug vs. 23 Stunden im Bus. Da mir niedrige Kosten und Umweltbewusstsein wichtig sind, entscheide ich mich für den Landweg. Hierbei werden der Nam Phao International Checkpoint auf laotischer Seite und das Cầu Treo International Border Gate auf vietnamesischer Seite überquert, weshalb sich die Strecke insgesamt auf etwa 1.100 km beläuft. Die Reisezeit beträgt zwischen 22 und 24 Stunden, in meinem Fall sind es 23 Stunden.
Man hat die Wahl zwischen sogenannten „Semi-Schlafbussen“ und „VIP-Schlafbussen“, deren Preisniveau variiert und die insgesamt Platz für bis zu 44 Passagiere bieten. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich bei der VIP-Variante um eine etwas luxuriösere Option mit eigener Schlafkapsel und etwas mehr Privatsphäre. Am Ende des Busses gibt es eine kleine Toilette. Da keine Snacks oder Mahlzeiten bereitgestellt werden, sollte man sich bereits vor der Busfahrt um etwas Proviant kümmern. Tickets müssen vorab online erworben werden. Als Buchungsplattformen bieten sich in Asien vor allem 12GoAsia oder Bookaway an.
Fototipp: Die Schlafbusse sind sehr schmal und futuristisch beleuchtet. Um das einzufangen, empfehle ich, ans Ende des Busses zu gehen und mit einer niedrigen Kameraposition zu fotografieren. Das fängt die Ausmaße und die Lichtverhältnisse am besten ein.
Anreise zum Southern Bus Terminal in Vientiane
| Abfahrt: | Southern Bus Terminal, Vientiane, Laos |
| Strecke: | 1.100 km |
| Reisedauer: | 22 bis 24 Stunden |
| Must-Have: | Warme Kleidung, Ohrstöpsel |
| Kosten: | ab 28 Euro |
Die Abfahrt startet am Southern Bus Terminal in Vientiane. Dieses befindet sich am Rande der Stadt, weshalb man besonders zum Feierabendverkehr etwa eine Stunde Puffer einplanen sollte. Mit dem Taxi dauert die Fahrt nämlich etwa eine halbe Stunde, und Reisende sollten mindestens 30 Minuten früher am Bus sein.
Dort angekommen, finden wir zunächst keinen Schalter, der zu unserem Busanbieter gehört. Geht schon mal gut los. In WhatsApp bekommen wir keine Antwort und werden etwas nervös. Nach etwas Herumfragen finden wir jedoch unseren Bus und geben unser Gepäck ab, das sicher im Bauch des Busses verstaut wird. Zu meinem Erstaunen wird unser Gepäck trotz zugelassenem Maximalgewicht von 20 kg nicht kontrolliert.
Luxus-Ausstattung der Schlafbusse
Ich habe mich bei meiner Fahrt für einen der luxuriöseren Anbieter entschieden. Es gibt 20 Schlafkapseln, doch nur knapp die Hälfte ist tatsächlich belegt. Die Kapseln sind gut ausgestattet, und auch kleine Wasserflaschen stehen zur Verfügung. Das WLAN funktioniert auf unserer Fahrt leider nicht, eine vietnamesische eSIM vorab zu kaufen, ist also durchaus sinnvoll. Der Fernseher funktioniert, kann aber nicht eingestellt werden. Ein gutes Buch oder der Download eines Films für die Fahrt ist also empfehlenswert.
Vorab gab es keine Informationen zum Ablauf, zur Einreise oder zur Ausreise. Trotzdem: Die VIP-Kapseln haben ihren Namen definitiv verdient, der Bus ist modern und recht gut ausgestattet. Ich betrete den Bus und begebe mich auf die Suche nach meiner Schlafkapsel. Nachdem ich es mir bequem gemacht habe, stelle ich fest, dass ich genau in die Kabine passe und mich ausstrecken kann. Da ich nur 1,65 m groß bin, haben größere Passagiere also vermutlich ein Problem. Pünktlich um 18 Uhr geht die Fahrt auch schon los.
Holprige Fahrt im Schlafbus bis Vietnam
Von den ca. 40.000 km Straßen in Laos sind lediglich 5.400 km asphaltiert. Und das macht sich im Bus deutlich bemerkbar. Die Straßen sind holprig und kurvig, wir werden also ziemlich gut durchgeschüttelt. Vorhang zu, doch an Schlaf ist so nicht zu denken. Gegen Mitternacht erreichen wir jedoch den Nam Phao International Checkpoint und parken dort bis zum frühen Morgen. Hier werden wir am Morgen die Grenze nach Vietnam überqueren.
Doch zunächst versuchen wir, etwas Schlaf zu bekommen. Über Nacht wird die Toilette abgesperrt und die Bustür offen gelassen, um die Toiletten auf dem Parkplatz zu benutzen. Es wird ziemlich frisch im Bus. Gut, dass ich mehrere Lagen Kleidung mitgenommen habe. Gegen 7 Uhr werden wir geweckt, um Laos zu verlassen und die Grenze nach Vietnam zu überqueren.
Nervenaufreibender Grenzübertritt nach Vietnam
Der Grenzübertritt nach Vietnam zieht sich über etwa zwei Stunden. Unsere Koffer und Rucksäcke müssen wir die ganze Zeit bei uns behalten. Auf laotischer Seite bekommen wir zunächst unsere Ausreisestempel. Im Gedränge spricht niemand Englisch, Informationen gibt es kaum. Etwas gestresst verlassen wir das Büro und sehen, dass die Reisebusse ohne weitere Erklärung bereits in Richtung vietnamesischer Grenze weiterfahren.
Also schultern wir unser Gepäck und laufen den nächsten Kilometer bis zur eigentlichen Grenze zu Fuß. Abenteuerlich ist dafür fast noch untertrieben. Die Organisation lässt jedenfalls einiges zu wünschen übrig. An der vietnamesischen Grenze angekommen, werden wir gruppenweise zu den Kontrollen geschickt. Unsere Reisedokumente werden geprüft, anschließend werden beim Grenzübertritt 50.000 Dong in bar fällig, umgerechnet etwa 1,60 Euro. Warum diese Gebühr erhoben wird, erfahren wir nicht. Alternativ werden auch laotische Kip akzeptiert.
Mit den Stempeln im Pass beginnt der nächste kleine Suchlauf: Wo ist unser Bus? Ich bin erleichtert, als wir ihn endlich wiederfinden und ich mich zurück in meine Kabine legen kann. Zum Glück sind die Straßen in Vietnam deutlich besser, sodass man hier sogar noch ein paar Stunden Schlaf nachholen kann. Stopps gibt es unterwegs kaum; umso glücklicher bin ich über jeden Snack, den wir dabeihaben. Am nächsten Tag gegen 17 Uhr erreichen wir schließlich die Nuoc Ngam Bus Station in Hanoi.
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Fazit
Die ganze Busfahrt hat etwas Paradoxes: Der Schlafbus wirkt so futuristisch und modern mit der blauen Beleuchtung und den kleinen Kapseln. Doch draußen zieht an uns die Landschaft von Laos vorbei, eines der am wenigsten entwickelten Länder Südostasiens. Ich habe vor der Fahrt bereits viele Videos von den modernen und komfortablen Schlafreisebussen in der Region gesehen und war gespannt, ob diese in echt genauso sein würden. Und tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht: Das Innenleben des Busses katapultiert mich in die Zukunft. Oder eben nach Vietnam.
Lohnt sich also die Fahrt mit dem Schlafbus von Vientiane nach Hanoi? Ich würde sagen: Jein. Zeit und Budget sind die ausschlaggebenden Punkte. Für mich hat sich der Bus definitiv gelohnt. Ein Abenteuer, bei dem man leicht andere Reisende kennenlernen kann und dabei noch auf Umwelt und Budget achtet. Mein Tipp: Die Busstation „Nuoc Ngam Bus Station“ in Hanoi liegt am Linh Dam Lake. Hier könnt ihr euch nach der Ankunft etwas die Beine vertreten und viele günstige und authentische vietnamesische Restaurants finden.
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