Nachi-Wasserfall: Japans höchster Wasserfall

Ein einzelnes Ahornblatt treibt über das Steinbecken am Eingang des Schreins. Zwischen den Räucherstäbchen steigt Rauch auf. Sonst verrät nichts, dass das Heiligtum langsam erwacht. Eine helle Felswand durchschneidet das Grün der Kii-Berge. 133 Meter stürzt der Nachi-Wasserfall in die Tiefe und durchbricht die Stille der Morgenstunden. Ich bin wegen des Wasserfalls gekommen. Doch seine Bedeutung geht weit über ein Fotomotiv hinaus.

Lohnt sich der Besuch des Nachi-Wasserfalls?

133 Meter stürzt der Nachi-Wasserfall aus den Bergen der Kii-Halbinsel in die Tiefe. Der Nachi-no-Taki gilt als Japans höchster Wasserfall mit durchgehendem Gefälle. Menschen verehrten ihn schon lange, bevor der Schrein Nachi Taisha und der Tempel Seiganto-ji entstanden. Heute gehören Wasserfall, Schrein und Tempel zum Heiligtum Nachisan – einer der wichtigsten Stationen am Kumano Kodō.

Das historische Pilgerwegenetz führt durch die Berge der Präfektur Wakayama und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zusammen mit dem Jakobsweg in Spanien zählt der Kumano Kodō zu den beiden einzigen Pilgerwegen weltweit mit dieser Auszeichnung. Vom Heiligtum fällt der Blick auf die dreistöckige Pagode Sanjū-no-tō. Dahinter rauscht der Nachi-Wasserfall die Felswand hinab. Das Tosen des Wassers füllt die Stille des Heiligtums.

Fototipp: Um das berühmte Motiv mit der Pagode Sanjū-no-tō und dem Nachi-Wasserfall aufzunehmen, lohnt sich eine Kamera mit leichtem Teleobjektiv. Dadurch rücken Pagode und Wasserfall optisch näher zusammen und der Wasserfall wirkt deutlich gewaltiger. Mit dem Smartphone gelingt das Motiv ebenfalls – nur mit mehr Abstand zwischen beiden.

Anreise zum Nachi-Wasserfall

Lage:Kii-Halbinsel, Präfektur Wakayama
Anreise:Limited Express Kuroshio
Must-Do:Onsen
Einkehrtipp:Thunfischauktion in Kii-Katsuura
Beste Reisezeit:Frühling/Herbst

Für den Nachi-Wasserfall verlasse ich die klassische Japan-Route. Statt Richtung Hiroshima geht es von Kyoto tief hinein auf die Kii-Halbinsel. Fast fünf Stunden dauert die Fahrt mit dem Schnellzug. Bevor der Limited Express Kuroshio den Bahnhof verlässt, besorge ich mir noch eine Bento-Box. Die Fahrt wird lang.

Rechts öffnet sich immer wieder der Blick auf den Pazifik, bevor der Zug in Kii-Katsuura hält. Sowohl der Japan Rail Pass als auch der JR West Kansai WIDE Area Pass gelten auf dieser Strecke. Vom Bahnhof bringt mich ein Bus in rund 30 Minuten bis zur Haltestelle Nachi-no-Taki-mae. Von dort sind es nur wenige Schritte bis zum Wasserfall. Wer den Ort wie die Pilger erreichen möchte, folgt stattdessen einem Abschnitt des Kumano Kodō zu Fuß.

Unbedingt Bargeld abheben

In Japan stehen Automaten an jeder Ecke. Sie verkaufen kalte und warme Getränke und alles dazwischen. Snacks gibt es ebenfalls überall. Auch in abgelegenen Regionen kommst du damit gut durch den Tag. In Kii-Katsuura und rund um den Nachi-Wasserfall wird Bargeld schnell wichtiger als Karte. In vielen kleinen Läden geht ohne Cash nichts.

Ich hebe es lieber schon in Kyoto ab, bevor ich rausfahre. Geldautomaten gibt es zwar im Ort, aber je nach Anbieter können Gebühren anfallen. Bequeme Kleidung und festes Schuhwerk reichen völlig aus. Falls du den Kumano Kodō stilecht erleben möchtest, verleiht das Daimonzaka-jaya Gewänder im Stil der Heian-Zeit.

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Vor den ersten Besuchern

Kurz vor neun erreiche ich das Heiligtum Nachisan. Vor dem Schrein Nachi Taisha sind die Wege leer. Nur einige Miko in roten Gewändern bereiten die Anlage auf die Öffnung vor. Sie fegen die Steinplatten, wischen Holzbalken und richten Opfergaben her. Pazifische Luft trifft auf Bergfrische. Die immergrünen Hänge der Kii-Berge schließen das Gelände ein.

Ein Besucher verbeugt sich vor dem zinnroten Schrein. Wenige Schritte weiter steht der Seiganto-ji-Tempel aus hellem Zypressenholz. Shintō und Buddhismus teilen sich hier seit Jahrhunderten denselben Ort. Die Stille ist dicht. Zwischen Schrein, Wald und Bergen verschwindet das Gefühl, im Japan des 21. Jahrhunderts zu stehen.

Zwischen Tempel, Schrein und Nachi-Wasserfall

Die dreistöckige zinnrote Pagode Sanjū-no-tō bricht die grüne Kulisse. Dahinter stürzt der Nachi-Wasserfall in die Tiefe. Zehn Minuten löse ich den Blick nicht, bevor ich zum Handy greife. Über dem Wasserfall spannt sich ein heiliges Shimenawa. Daran wehen weiße Shide – die gezackten Papierstreifen kenne ich aus unzähligen Anime. Sie kennzeichnen den Wasserfall als heiligen Ort und weisen auf die Anwesenheit einer Gottheit hin.

Die Stille am Nachisan durchbrechen nur der Wind und das ferne Rauschen des Wasserfalls. Ein steiler Treppenweg führt zum Hiro-Schrein am Fuß des Wasserfalls. Gegen Mittag füllt sich der Platz. Der Wasserfall bleibt lauter. Ein Sonnenstrahl bricht durch die jahrhundertealten Baumkronen und zeichnet einen Regenbogen über die Felswand.

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Fazit

Es riecht nach feuchtem Holz, als ich den Rückweg über den Daimonzaka antrete. Breite Steinstufen führen durch den alten Zedernwald. Die mächtigen Stämme sind so dick, dass drei Menschen sie kaum umfassen könnten. Selbst am späten Nachmittag dringt nur wenig Sonnenlicht durch die Kronen. Zurück in Kii-Katsuura suche ich mir eines der zahlreichen Onsen aus. Das Freiluftbecken blickt auf den Pazifik. Zufällig habe ich es ganz für mich allein. Spätestens hier verschwinden die letzten Zweifel am Umweg auf die Kii-Halbinsel. Beim nächsten Mal würde ich meine Reise gleich um diese Region herum planen.

Kii-Katsuura bietet nicht nur eine außergewöhnliche Onsenkultur, sondern auch Japans größte Anlandung von frischem Thunfisch. Frühaufsteher können die Auktion am Fischmarkt sogar live verfolgen. Wer mehr Zeit mitbringt, wandert weitere Etappen des Kumano Kodō. Unterkünfte entlang der Pilgerroute solltest du jedoch möglichst früh buchen.

Lage

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