Reiteralpe: Aussichtsreiche 2-Gipfel-Tour im Saalachtal

Das neue Gipfelkreuz mit künstlerisch verziertem Edelweiß funkelt in der Sonne, die Aussicht steht ihm in nichts nach. Hier oben am Großen Bruder bekomme ich langsam wieder ein Gefühl für die Zivilisation, als ich aus 1.864 Metern Höhe auf kleine österreichische Orte hinabblicke. Nun aber zurück zur Reiter Alm, zu kleinen verstreuten Kasern und einer Landschaft, die es so auch vor hundert Jahren gegeben haben könnte.

Wanderung auf die Reiteralpe zwischen Saalachtal und Berchtesgaden

Im Westen von Berchtesgaden erhebt sich die mächtige Reiteralpe, ein Gebirgsstock mit riesiger Karsthochfläche auf etwa 1.500 Metern Höhe. Mehrere Gipfel bieten eine tolle Aussicht ins tiefe Tal und auf die umliegenden Berge. Hinauf geht es über verschiedene Zustiege auf bayerischer und österreichischer Seite. Ich entscheide mich für die Tour zum Weitschartenkopf und zum Großen Bruder über einen mittelschweren Zustieg vom österreichischen Dorf Reit im Salzburger Saalachtal, das auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.

Zunächst geht es ein ganzes Stück über Waldwege und dabei immer wieder an Bachläufen und kleinen Wasserfällen vorbei. Besonders idyllisch finde ich eine kleine Lichtung mit Almhütte und Kuhherde. Oberhalb der Baumgrenze öffnet sich das Gelände zunehmend, bis schließlich die große Freifläche der Reiteralpe sichtbar wird. Hier oben sind die verschiedenen Gipfel ausgeschildert. Zum Weitschartenkopf und zum Großen Bruder hält man sich eher links. Beide Berge belohnen den ausdauernden Wanderer – beziehungsweise die Wanderin in meinem Fall – mit einem exquisiten Panorama über das Berchtesgadener Land.

Fototipp: Das schönste Foto entsteht am Großen Bruder. Hier wurde vor Kurzem ein ganz besonderes neues Gipfelkreuz aufgebaut. Nehmt es in den Vordergrund und positioniert euch so, dass man auch die umliegenden Gipfel und das Tal im Bild hat.

Anreise nach Reit (Unken) im Saalachtal

Strecke:21,1 km
Höhenmeter:1.665 hm
Gehzeit:9:15 h
Einkehrtipp:Neue Traunsteiner Hütte
Übernachtung:möglich

Ausgangspunkt ist das kleine Dorf Reit, das gut mit dem öffentlichen Bus erreichbar ist. Von Bad Reichenhall, das man in knapp 2 Stunden mit der Regionalbahn von München erreicht, fährt die Linie 260 stündlich Richtung Zell am See. Bis nach Unken Reit dauert die Fahrt etwa 20 Minuten. Macht euch dort am besten ein Foto von den Rückfahrtszeiten.

Dort angekommen, muss nur eine kleine Brücke überquert werden und ihr seid im Ort. Alternativ ist die Anreise mit dem Auto möglich. Parkplätze finden sich im Ortsbereich von Reit. Von München braucht man rund 2,5 Stunden.

Zur Grundausrüstung gehören wie immer Sonnen- und Regenschutz, Wanderschuhe und genug Proviant. Wer in der Neuen Traunsteiner Hütte übernachten möchte, sollte außerdem an einen Hüttenschlafsack, genug Bargeld und persönliche Hwygieneartikel denken.

Aufstieg von Reit

Ich verlasse Reit auf einem Forstweg, der schnell in den Wald führt. Die hohen, zu dieser Jahreszeit hellgrünen Bäume verbergen die tief hängenden Wolken. Der Weg wird irgendwann zu einem Pfad, der immer wieder einem Gebirgsbach begegnet. Das Wasser rauscht laut zwischen Steinen und Wurzeln, während der Weg stetig an Höhe gewinnt. Dann regnet es, was sehr unpraktisch ist, weil ich nämlich zweimal den Bach auf zwei Holzbrettern überqueren muss. Durch die Nässe sind die so glitschig geworden, dass ich die einfache Brücke sicherheitshalber nur auf allen Vieren betrete.

Dann erreiche ich eine Lichtung. Kühe versammeln sich hier um eine einfache Berghütte. Kaum zücke ich meine Handykamera, drehen sie mir ihren Hintern zu. Weiter geht’s. Noch ein paar Höhenmeter müssen überwunden werden, dann komme ich zu dem absolut magischen Hochplateau der Reiter Alpe.

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Einkehr in der Neuen Traunsteiner Hütte

Vergesst Mittelalterspektakel oder Escape-Games: Das hier ist die wahre Zeitreise. Keine U-Bahn, keine Ampel, kein Auto in Sicht, stattdessen eine riesige Freifläche, die sich hier auf deutschem und österreichischem Staatsgebiet verteilt. Unzählige einfache Holzhäuser liegen hier verstreut und in wenigen Wochen werden hier auch zahlreiche Kühe grasen. Die Sonne ist jetzt auch wieder da. Müde brechen sich ihre Strahlen durch die Nebenschwaden, die über den Waldstücken hängen. Dass all das hier auf über 1.500 Metern liegt, fällt überhaupt nicht auf, dank der Gipfel drum herum.

Wanderschilder leiten den Weg. Linksherum. Ich komme an ein paar Hütten vorbei und stehe plötzlich vor einem dreistöckigen, stattlichen Holzhaus: die Alte Traunsteiner Hütte aus dem Jahr 1901, die heute als Selbstversorgerhütte genutzt wird. Wer hier oben einkehren oder übernachten will, muss noch ein wenig weitergehen: Die Neue Traunsteiner Hütte ist nur unwesentlich später gebaut worden, im Jahr 1938. Das stattliche Gebäude wirkt von Weitem fast wie ein Resort. Auf der großen Sonnenterrasse kann man sich Schupfnudeln oder einen Kaiserschmarrn schmecken lassen.

Panorama über Reiter Alpe

Zum eigentlichen Tagesziel geht es noch ein bisschen höher hinauf: Der Pfad zieht sich über Wiesenhänge und schmale Steige nach oben, vorbei an Latschenfeldern und ein paar schüchternen Schafen. Etwa anderthalb Stunden dauert es, bis ich den Gipfel des Weitschartenkopfs erreiche, der von einem einfachen Holzkreuz markiert ist. Oben bietet sich die perfekte Rundumsicht, zurück auf die Reiter Alpe, aber auch ins tiefere Tal, von dem ich in der Früh gekommen bin. Wer nicht in der Traunsteiner Hütte eingekehrt ist, findet hier noch einmal einen großen, freundlichen Picknickplatz.

Von hier aus sehe ich auch den Nachbargipfel, den Großen Bruder. Um hinüberzukommen, muss ich wieder ein kleines Stück abwärts und dann am Hang entlang quer durch die Latschen. Etwa eine Stunde später habe ich mein zweites Tagesziel erreicht, markiert durch ein ganz besonders schönes, neues Gipfelkreuz. Von hier aus entfaltet sich das eindrucksvollste Panorama der gesamten Tour. Unter mir fallen die Hänge steil ab, vor mir sehe ich zahlreiche österreichische Gipfel. Und hinter mir, mächtig und beeindruckend, blicke ich auf das Große Häuselhorn (2.284 m), das Wagendrischelhorn (2.251 m) und das Stadelhorn (2.286 m). Wer Glück hat, sieht Wolken ziehen, die sich über die Kämme legen und das Licht verändern. Dieser Abschnitt ist definitiv der visuelle Höhepunkt der Tour.

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Fazit

Natürlich ist die Reiter Alpe kein Geheimtipp, trotzdem gehören die Touren hinauf zu den eher weniger begangenen im Berchtesgadener Land und Salzburger Saalachtal. Und das, obwohl der Weg zum Großen Bruder für mich zu den schönsten in der Region gehört. Gut öffentlich erreichbar, abwechslungsreich, Top-Aussicht. Bei Regen wirkt die Wanderung rau und ursprünglich, bei Sonne offen und weit. Unten dominiert der Wald, weiter oben die karge Hochfläche und ganz oben das Panorama.

Wer mehr Zeit hat, kann noch eine Nacht auf der Neuen Traunsteiner Hütte einplanen (wenn möglich vorher reservieren!) und von dort noch weitere Gipfel ansteuern. In Bad Reichenhall lohnen sich außerdem die historische Altstadt von Bad Reichenhall und die Alte Saline.

Lage

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