Ich trete ein in die enge Schlucht, und sofort verschluckt mich das Rauschen des Wassers. Die Seisenbergklamm wirkt wie eine andere Welt: moosbewachsene Felsen, steile Wände und ein wilder Gebirgsbach, der sich seinen Weg durch das Gestein bahnt. Über schmale Holzstege führt der Weg direkt durch dieses Naturschauspiel. Die Luft ist kühl und feucht, jeder Schritt begleitet vom Donnern des Wassers.
Lohnt sich die Wanderung durch die Seisenbergklamm?





Die Seisenbergklamm liegt im Salzburger Saalachtal, unweit von Berchtesgaden, und zählt zu den beeindruckendsten Klammen der Region. Über Jahrtausende hat sich die Saalach hier tief in das Gestein eingeschnitten und eine spektakuläre Schlucht mit bizarren Felsformationen geschaffen. Bereits 1831 errichteten Holzknechte einen Triftweg durch die rund 600 Meter lange Klamm: ein einfacher Pfad, der dazu diente, Holz mithilfe des Wassers ins Tal zu transportieren.
Heute führt ein gut gesicherter Steig auf Holzstegen und durch schmale Felspassagen entlang des tosenden Wassers. Die Klamm ist etwa 600 Meter lang und relativ leicht begehbar. Informationstafeln entlang des Weges geben Einblicke in die Entstehung der Schlucht und die geologischen Besonderheiten. Danach führt der Wanderweg weiter durchs Hintertal. Wer noch weiter wandern möchte, kommt sogar bis ins Klausbachtal.
Fototipp: Die besten Fotos gelingen mit längerer Belichtungszeit, um das Wasser weich und fließend darzustellen. Besonders spannend sind Perspektiven von den Holzstegen, die sich durch die enge Schlucht ziehen.
Anreise nach Weißbach bei Lofer
| Strecke: | 5,5 km (einfach) |
| Höhenmeter: | 545 hm |
| Gehzeit: | 2:15 Stunden |
| Einkehrtipp: | Gasthof Hirschbichl |
| Schwierigkeit: | leicht |
Die Seisenbergklamm erreichst du am besten über den Ort Weißbach bei Lofer im Salzburger Land, nur wenige Kilometer von der deutsch-österreichischen Grenze entfernt. Von Berchtesgaden aus kannst du dafür mehrmals täglich den Almerlebnisbus nehmen, achte darauf, dass die Verbindung wirklich bis Weißbach bei Lofer fährt und nicht schon bei der Station Hirschbichl endet. Der Bus hält direkt am Eingang der Klamm.
Alternativ kannst du auch das Auto nehmen. Von Berchtesgaden aus dauert die Anfahrt etwa 45 Minuten. Parkplätze befinden sich direkt am Eingang der Klamm. Die Klamm ist Teil eines Rundwanderwegs, der sich gut mit weiteren Highlights der Region kombinieren lässt. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, da die Wege durch die Feuchtigkeit rutschig sein können.
Wanderung startet direkt an der Seisenbergklamm
Meine Wanderung startet direkt bei der Klamm. Unter mir rauscht der Gebirgsbach mit beeindruckender Kraft, während sich das Wasser über Stufen und Felsen seinen Weg bahnt. Ich folge den Holzstegen, die sich an die Felswände schmiegen, und spüre die Gischt des Wassers auf der Haut. Die Felsen in der engen, dramatischen Schlucht ragen steil empor, teilweise so nah, dass sie den Himmel fast verdecken.
Die Atmosphäre ist überwältigend. Jeder Abschnitt der Klamm wirkt anders, mal öffnet sich der Raum leicht, dann wird es wieder eng und dunkel. Stellenweise hat das Wasser riesige Hexenkessel gebildet, in die es nun hinein und hinaus sprudelt. Es ist dieses Wechselspiel aus Enge, Licht und Bewegung, das die Seisenbergklamm so besonders macht.
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Leichter Weg über Wald und Wiese
Nach der Seisenbergklamm setze ich die Wanderung in Richtung Hirschbichl fort. Der Weg führt zunächst moderat ansteigend durch Wald, vorbei an der Vorderkaserklamm und entlang der rauschenden Saalach. Im Vergleich zur engen Klamm wirkt die Landschaft hier deutlich offener, die Wege sind breiter und angenehmer zu gehen. Je weiter ich komme, desto alpiner wird die Umgebung.
Die Wälder werden lichter, und immer wieder öffnen sich Ausblicke auf die umliegenden Berge. Es geht an vereinzelten Höfen und Almflächen vorbei. Der Anstieg bleibt gleichmäßig und ist technisch nicht besonders anspruchsvoll. Dadurch eignet sich die Strecke auch für entspannte Wanderungen mit etwas Kondition.
Einkehr im Gasthaus Hirschbichl
Am Ende erreiche ich den Hirschbichl, einen historischen Passübergang an der Grenze zwischen Österreich und Bayern. Im gleichnamigen Gasthof kann man von Anfang Mai bis Mitte Oktober wunderbar einkehren. Euch erwartet authentische Pinzgauer Küche mit Zutaten aus der Region: Kasknödel, Schweinebraten, Rindsgulasch. Anschließend geht es entweder zu Fuß zurück oder weiter durch das Klausbachtal Richtung Ramsau. In beide Richtungen verkehrt außerdem der Almerlebnisbus.
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Fazit
Das Tolle an der Wanderung durch die Seisenbergklamm ist die Mischung aus dramatischer Schlucht, tosendem Wasser und lieblicher Almlandschaft. Besonders lohnt es sich am Morgen oder späten Nachmittag, wenn das Licht die Felsen in Szene setzt. In Kombination mit der Weiterwanderung Richtung Hirschbichl wird daraus eine abwechslungsreiche Tagestour, die sich auch für Alpenanfänger eignet.
Wer richtig viel Power hat, wandert einfach weiter bis nach Ramsau. Dann habt ihr auch ein weiteres Highlight in der Umgebung mit abgeklappert: das Klausbachtal mit Adler-Aussichtspunkt und Alm-Museum. Direkt angrenzend findet ihr den wunderschönen Hintersee mit der kleinen Insel, der ultimative Foto-Spot. Vom Hintersee aus könnt ihr dann den Bus nach Berchtesgaden nehmen oder ab Klausbachtal mit dem Almerlebnisbus zurück nach Weißbach bei Lofer fahren. Wer etwas länger in Weißbach bei Lofer bleiben möchte, sollte dort unbedingt einen Abstecher in die Lamprechtshöhle einplanen.
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