Ein schmaler Steg schlängelt sich entlang tosender Wasserfälle, während sich unter mir der Almbach in schäumenden Kaskaden seinen Weg bahnt. Die Almbachklamm bei Marktschellenberg ist eine der schönsten Klammen Bayerns – wild, kühl und voller Magie. Auf knapp drei Kilometern windet sich der Weg über Brücken und Stege durch die enge Schlucht, vorbei an etlichen Wasserfällen und der berühmten Kugelmühle. Am Ende öffnet sich die Klamm und belohnt mit weiten Blicken in die Berchtesgadener Berge.
Lohnt sich die Wanderung durch die Almbachklamm?






Die Almbachklamm liegt am Fuße des Untersbergs im Berchtesgadener Land, nur wenige Kilometer von Salzburg entfernt. Auf rund drei Kilometern führt der gesicherte Steig über Brücken, Stege und Treppen tief hinein in eine Welt aus Fels und Wasser. Rund 29 Brücken queren den tosenden Almbach, der sich im Verlauf der Jahrtausende durch die enge Schlucht gefressen hat. Betreten kann man die Klamm von beiden Seiten, meist beginnt der Weg jedoch an der historischen Kugelmühle. Hier werden seit Jahrhunderten aus Felsbrocken runde Marmorkugeln geschliffen.
Die Wanderung durch die Klamm ist nicht schwierig, erfordert aber Trittsicherheit und festes Schuhwerk. Im Sommer bietet sie eine kühle Auszeit, im Frühling und Herbst besticht sie durch ihr Wechselspiel von Wasser, Licht und Farben.
Fototipp: Die spektakulärsten Aufnahmen gelingen von den Brücken aus, wenn man das Wasser aus der Vogelperspektive einfängt. Besonders bei gutem Wetter leuchten die Becken in intensivem Türkis. Ein Stativ lohnt sich, um mit Langzeitbelichtungen das Wasser seidig wirken zu lassen.
Anreise zur Almbachklamm
| Strecke: | 6,3 Kilometer |
| Gehzeit: | 2,5 Stunden |
| Höhenmeter: | 426 hm |
| Schwierigkeit: | leicht |
| Einkehrtipp: | Wirtshaus Kugelmühle |
Vom Hauptbahnhof Berchtesgaden erreicht man die Almbachklamm bequem mit dem Bus. Zunächst folgt man der Linie 840 in Richtung Salzburg, die halbstündlich verkehrt. Nach etwa 15 Minuten Fahrt steigt man an der Haltestelle Marktschellenberg Kugelmühle aus – direkt am Eingang zur Klamm.
Wer in Berchtesgaden und Umgebung übernachtet, fährt mit der Kurkarte sogar kostenlos. Von Salzburg aus nimmt man dieselbe Linie in die Gegenrichtung, ebenfalls nur eine knappe Viertelstunde Fahrt.
Mit dem Auto gelangt man über die B305 direkt bis zum Parkplatz an der Kugelmühle. Dort stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Von Parkplatz oder Bushaltestelle erreicht man die Klamm in wenigen Minuten.
Eintritt ins Reich des Wassers
Schon wenige Schritte hinter dem Eingang umfängt mich eine eigene Welt: kühl, feucht, geheimnisvoll. Schmale Holzstege schmiegen sich eng an die Felswände, und das Rauschen des Almbachs übertönt jedes Gespräch. Ich blicke hinab ins tiefe Grün des Wassers, das sich mit sprühender Gischt durch die Schlucht zwängt.
Jeder Schritt offenbart neue Perspektiven: Hier ein Wasserfall, der wie ein Vorhang aus Silber über die Steine stürzt, dort eine moosbewachsene Wand, die im Schatten geheimnisvoll glitzert. Ich passiere enge Durchgänge, wo sich die Felsen fast zu berühren scheinen, und breite Kessel, in denen das Wasser schäumend kreist. Überall tost, sprudelt und rauscht es.
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Über Stege zwischen Felsen
Auf dem weiteren Weg entgegen der Fließrichtung wird der Bach immer ruhiger. Das wildeste Stück liegt nun hinter mir. Doch der Weg bleibt abwechslungsreich: Mal führt er über Brücken, mal über Treppen, mal auf schmalen Pfaden entlang steiler Wände. Die Luft ist frisch und klar, fast so, als würde man den Bach selbst einatmen. Besonders eindrucksvoll ist der Sulzer Wasserfall, der sich über mehrere Stufen hinweg auf insgesamt 114 Metern seinen Weg bahnt.
Die vielen Brücken und Stege eröffnen immer neue Blickwinkel. Manchmal stehe ich direkt über dem tosenden Wasser, manchmal tief in der Felswand. Am Ende der Almbachklamm öffnet sich die Schlucht, und der Weg verzweigt sich in verschiedene Richtungen. Hier sind mehrere Gipfelbesteigungen möglich. Ich entscheide mich für den Rückweg und genieße die drei Kilometer gleich noch einmal.
Die historische Kugelmühle
Direkt hinter dem Kassenhäuschen der Klamm erwartet mich ein besonderes Highlight, das ich mir extra für nach der Wanderung aufgespart habe: die historische Kugelmühle. Seit dem 17. Jahrhundert werden hier Steine vom Untersberg in mühsamer Handarbeit zu Marmorkugeln geschliffen.
Die kleinen Kugeln, glatt und glänzend, wurden früher als Kinderspielzeug in alle Welt exportiert. Heute sind sie ein beliebtes Souvenir und erinnern an die lange Geschichte dieses Ortes. Direkt nebenan befindet sich eine gleichnamige Gaststätte mit typisch bayerischen Gerichten.
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Fazit
Die Wanderung durch die Almbachklamm ist ein unvergessliches Erlebnis für alle Sinne: spektakulär, erfrischend und leicht erreichbar. An bewölkten Tagen wirkt die Schlucht besonders mystisch, bei warmem Sonnenschein bietet sie eine willkommene Abkühlung. Ihr müsst nicht wie ich denselben Weg zurückgehen – am Ende der Klamm könnt ihr auch weiterwandern, zum Beispiel zur Kneifelspitze, einem vergleichsweise niedrigen Vorberg des Untersbergmassivs mit Top-Aussicht auf den Watzmann. Alternativ führt der Weg nach Ettenberg zur Wallfahrtskirche und ins Wirtshaus.
Wer länger in der Region unterwegs ist und nicht jeden Tag wandern möchte, besucht Salzburg mit seiner barocken Altstadt oder fährt mit der Seilbahn auf den nahegelegenen Untersberg, um den Panoramablick zu genießen.

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