Luft anhalten und abtauchen, hinein in die raue See, um Auge in Auge mit einem der größten Raubtiere der Meere zu sein – dem Weißen Hai. Vielerorts wird die Sensation an den Küsten Südafrikas angepriesen. Wie hoch sind aber die Chancen, den Riesen zu sehen? Was bekommt man geboten und ist die Aktivität wirklich tierfreundlich? Ich habe mich getraut in den Käfig hinabzusteigen und berichte von meiner schaurig kalten Erfahrung.

Lohnt sich das Shark Cage Diving in Südafrika?

Gansbaai oder auch Gans Bay wird als die Hauptstadt des Great White Sharks angepriesen. Mehrere Anbieter locken mit dem ultimativen Adrenalin Erlebnis im Käfig. Um Cage Shark Diving durchzuführen, braucht ihr keinen Tauchschein, wohingegen beim Shark Diving ohne Käfig, häufig Vorkenntnisse empfehlenswert sind. Einen Hai zu sehen, fand ich immer schon spannend, so dass ich mich schnell überreden ließ für zirka 140 Euro eine 4,5 Std. Tour zu buchen. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde und stieg mit einem mulmigen Gefühl ins Boot.

#südafrika #tauchen

Instatipp: Bilder vom Boot aus der Vogelperspektive schießen! Oft wird einem erst bei der Anfütterung das Ausmaß der Hai bewusst, wenn man diese von oben sieht.

Anreise nach Gansbaai

Gansbaai liegt 170 km und etwa 2,5 Stunden von Kapstadt entfernt. Einst ein ruhiges Fischerdorf ist Gansbaai weltweit bekannt geworden durch seinen Hai-Tourismus. Mit rund 15.000 Einwohnern ist der Ort aber immer noch ein ruhiges Städtchen, was ebenso zum Ausruhen und Relaxen einlädt. Viele nutzen Gansbaai jedoch nur als Durchreise der Garden Route und weniger zum Übernachten. Wer ein Shark Cage Diving bucht, sollte 5 bis 6 Stunden einrechnen. Neben dem Weißen Hai kann man auch Bronzehaie und Rochen sehen. Die beste Zeit ist zwischen Mai und September.

Ausrüstung zum Tauchen wird gestellt

Eine Tour mit Shark Cage Diving Gansbaai kann man am Besten mindestens einen Tag früher über das Internet, vor Ort oder telefonisch buchen. Touren finden täglich zwischen 6 und 12 Uhr statt. Einen Abend zuvor wird wetterbedingt, die genaue Uhrzeit am nächsten Morgen mitgeteilt. Eine Neoprenanzug, Tauchbrille, Handtuch und sogar Duschen werden bereitgestellt. Getränke und Snacks gibt es kostenlos an Bord. Ihr solltet Wechselkleidung, Schwimmsachen, Sonnencreme, einen Hut und unbedingt eine Unterwasserkamera wie z.B. eine Go Pro dabei haben.

Head down, shark is coming

Obwohl ich mich wirklich gefreut hatte, endlich mal einen Weißen Hai sehen zu können, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Nach einer ausgiebigen Sicherheitseinweisung an Land und an Bord zwänge ich mich in den Taucheranzug und teste meine Tauchmaske. Das Boot schunkelt in dem doch relativ harten Seegang. Dann wird der Käfig zur Hälfte ins Wasser hinuntergelassen und der Köder ausgeworfen. Es dauert knapp 15 Minuten bis es heißt: „Head down, shark is coming“. Ich hole tief Luft und presse mich an den Stäben des Käfigs hinunter, mein Herz schlägt mir bis zum Hals.

Nichts für schwache Nerven

Obwohl ich einen Taucheranzug anhabe, zittere ich vor Aufregung und schaffe es kaum Bilder zu schießen, als dieses gigantische weiße, 4 Meter große Etwas nur dicht an den Stäben vorbei rast und diese erbeben lässt. Ich klammere mich fest an die hintersten Stäbe, denn plötzlich sehe ich auch von rechts einen ebenso großen Hai vorbei ziehen. Ich muss nach oben und schnappe nach Luft. Da wir 20 Personen an Bord sind, geht es hier abwechselnd im 10-15 Minuten-Takt. Nach drei Malen entscheide ich mich, das Spektakel von Bord aus zu betrachten und fange erst jetzt wieder an mich zu entspannen.

Fazit

Wasser und Adrenalin haben es zu einer nervenaufreibenden Erfahrung werden lassen. Die Crew an Bord ist geschult und versucht auch informatives Wissen weiterzugeben. Ein Teil der Einnahmen gehen zurück in Forschung und Erhaltung, aber dennoch: ich würde es nicht wieder tun. Ich empfinde es rückblickend als schlichtweg falsch, Haie, die auf Nahrungssuche sind, mit einer „Attrappe“ anzulocken. Der Mensch hat hier leider mehr Spaß, als der Hai selber. Auch wenn man etwas für sein Geld geboten bekommt, gibt es sicherlich tierfreundlichere Wege, dem weißen Riesen näher zu kommen.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Gansbaai bietet auch einfache Beobachtungstouren an, ohne einen Köder auszuwerfen, zum Beispiel mit der „White Shark Company“. Ansonsten bietet die Stadt eine wunderschöne Küste, an der es lohnt, etwas länger zu verweilen. Wandern im Nature Reserve, Mountainbiken am Strand und Pferdereiten sind beliebte Aktivitäten in Gansbaai. Ein tolles Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit ist das „Benguela Restaurant De Kelders“. Hervorragende Küche mit einem exquisiten Ausblick aufs Meer ist genau das, was man nach einem aufregenden Tag gebrauchen kann.

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