Obertauern gilt als Schneeschüssel der Alpen. Und auch ich wurde bisher jedes Mal von dicken Schneeflocken begrüßt, wenn ich in dem bekannten Skiort im Salzburger Land angekommen bin. Am nächsten Tag gab’s dann meist strahlenden Sonnenschein und schon allein durch diese Kombination blicke ich auf perfekte Skitage in Obertauern zurück.

Lohnt sich Skifahren im Skigebiet Obertauern?

Rund 100 Pistenkilometer gibt es in Obertauern zu entdecken. Mehr als die Hälfte der Abfahrten ist blau markiert. So eignen sich viele Teile des Skigebiets für Einsteiger und Familien mit Kindern oder für Skifahrer, die gern genussvoll Skifahren. Von den sogenannten Super Seven, den sieben höchsten Punkten im Skigebiet führen allerdings auch einige anspruchsvolle rote und schwarz-markierte Pisten hinab, die auch für fortgeschrittene Skifahrer zur Herausforderung werden können.

Pisten:100 km
Max. Höhe:2.313 m
Längste Abfahrt:5 km
Skipasspreis:6 Tage ab € 239,50
Gletscher:Nein

Neben dem Skifahren ist Obertauern für sein lebendiges Après-Ski mit geselligen Hüttenabenden, Konzerten und Nachtclubs bekannt. Aufgrund der Corona-Situation wird es aber in der kommenden Skisaison 2020/21 deutlich ruhiger zugehen.

Der Skiort selbst liegt auf einer Höhe von 1.740 Metern, ist damit der höchstgelegene Wintersportort im Salzburger Land und gilt als schneereichster Skiort Österreichs. Pro Jahr fallen über 880 cm Schnee in Obertauern. Die Anzahl der Tage mit Schneebedeckung beträgt im Durchschnitt über 7 Monate (214 Tage). Deshalb wird das Skigebiet oft als Schneeschüssel der Alpen bezeichnet.

Pistenplan


Alle Abfahrten und Liftanlagen in Obertauern im Überblick. Zum Vergrößern des Pistenplans bitte auf das Bild klicken.

Instatipp: Die Gamsleiten 2 wirkt aus der Ferne noch steiler, als wenn ihr euch im Hang selbst befindet. Ein cooles Fotomotiv bekommt ihr, wenn ihr mit der Schaidbergbahn nach oben fahrt und dann etwas neben der Bergstation geradewegs auf denn imposanten Steilhang blickt.

Anreise ins schneereiche Obertauern

Auch ich habe Obertauern im Winter noch nie schneefrei erlebt. Egal, ob ich zum Saisonstart im November oder für die letzten warmen Frühlingsskitage rund um Ostern anreise, ich werde immer von Schneemassen begrüßt. Das ist erstaunlich. Denn auf der etwa 2,5-stündigen Fahrt von München ins Skigebiet ist es meist herbstlich kahl und trist. Schnee ist oftmals erst auf den letzten Metern zu sehen.

Dann nämlich geht es von Altenmarkt im Pongau kurvenreich über die Tauernstraße bergauf. Und da ist es mir nun schon mehrfach passiert, das sich die Landschaft mit jedem Höhenmeter verändert. Auf einmal erscheinen die ersten weißen Flecken am Fahrbahnrand, die spätestens beim „Willkommen in Obertauern“-Schild zu massiven Schneebergen angewachsen sind. Die Fahrbahn wird auf den letzten Metern weiß. Und plötzlich seid ihr mitten im Winterwunderland. Ich liebe diese Einfahrt jedes Mal wieder.

Weil wir aber auch schon stecken geblieben sind und das im nächtlichen Schneegestöber nicht wünschenswert war, rate ich euch dringend, Schneeketten einzupacken und bei Bedarf auch unbedingt anzulegen. Ihr tut euch sonst wahrlich keinen Gefallen.

Vom Hotel direkt auf die Piste

Das gute ist aber, dass ihr das Auto nur zum Anreisen und später wieder zum Abreisen benötigt. Denn während des Aufenthalts könnt ihr es getrost stehen lassen. Ihr müsst auch nicht auf einen Skibus zurückgreifen, sondern fast alle Hotels liegen direkt an der Piste. Dass ich meine Ski nur ein paar Meter vom Skikeller auf die Piste werfen kann, erlebe ich selten.

Vorzeigehotels in Obertauern sind zum Beispiel das Hotel Steiner, ein 4-Sterne Superior Hotel mit großem Wellnessbereich oder Das Kohlmayr mit Außenpool. Nur wenige Meter vom Skilift entfernt liegt auch das Hotel Alpenland. In dem 4-Sterne-Haus hab ich selbst schon übernachtet und abends den Tag im Whirlpool mit Blick auf die Skipiste ausklingen lassen.

Doch in Obertauern könnt ihr auch verhältnismäßig kostengünstige Unterkünfte für die ganze Familie finden. So ist zum Beispiel das Alpenvereinshotel Wismeyerhaus ein Tipp. Allerdings müsst ihr das Auto dort etwas entfernt parken, denn das Haus liegt nicht nur an der Piste, sondern quasi mitten im Skigebiet. Das Gepäck wird vom Hausherrn dann mit dem Skido über die präparierte Abfahrt transportiert.

Über die Tauernrunde einmal quer durchs Skigebiet

Noch etwas, das ich an Obertauern sehr cool finde ist übrigens die Tatsache, dass ihr an einem beliebigen Punkt ins Skigebiet einsteigt und dann einmal um den Skiort rundherum zurück zum Ausgangspunkt fahren könnt, ohne einen Lift doppelt zu benutzen. Dazu könnt ihr euch an der Beschilderung der Tauernrunden orientieren.

Die roten Schilder weisen euch den Weg im Uhrzeigersinn und die grüne Beschilderung führt gegen den Uhrzeigersinn. Beide Varianten sind ca. 12 Kilometer lang. Ich selbst bin letztes Jahr an der Zehnerkarbahn gestartet und die grüne Skirunde gefahren. Hier müsst ihr nur einmal ganz am Anfang während der Auffahrt mit der Gondelbahn die Ski ausziehen und könnt ansonsten während der restlichen Skirunde die Bretter bei jeder Liftfahrt anbehalten. Auch das ist einmalig in den Alpen. Mir ist zumindest keine andere Skirunde bekannt, wo man ohne Abschnallen der Skier durchfahren kann.

Ein abwechslungsreiches Element zwischendurch ist die Fahrt durch die Geisterbahn. Dazu folgt ihr den hölzernen Figuren durch den Wald und steht plötzlich vor einer Röhre, die mit einem Vorhang abgetrennt ist. Durch den Vorhang geht’s hinein ins Dunkle. Und plötzlich regen und stöhnen ringsum aufgestellte Figuren, die einem Horror-Comic entsprungen sein könnte. Die Geisterbahn ist eigentlich ein Teil des Kinderlands, aber auch ich als alter Freizeitpark-Liebhaber fand das Element spannend.

Herausforderung an der Gamsleiten II

Fortgeschrittene Skifahrer, die auf der Suche nach einer Herausforderung sind, sollten sich an der Gamsleiten II versuchen, wobei diese Abfahrt leider nicht immer geöffnet hat. Schon die Auffahrt mit dem 2er-Sessellift ist ein Abenteuer. Denn da geht fast immer ein eisiger Wind und die Liftfahrt ohne Haube und Sitzheizung wird für Frostbeulen wie mich immer sehr, sehr kalt und lang.

Die Abfahrt selbst solltet ihr nicht unterschätzen. Mit einem Gefälle von bis zu 100 Prozent zählt sie zu den steilsten Skiabfahrten der Alpen. Zudem ist die Piste unpräpariert. Bei Neuschnee erwartet euch dort ein Tiefschneetraum, an den Tag darauf ist der Schnee allerdings oft zu unterschiedlich hohen Hügeln zusammengefahren. Das erschwert die Abfahrt nochmals. Das steilste Stück im unteren Teil könnt ihr allerdings zur Not umfahren, wenn’s euch dann doch zu heikel wird. Wetten, dass ihr so oder so die Beine spüren werdet?

Urige Hütten am Pistenrand

Spätestens nach der anspruchsvollen Abfahrt ist Zeit für einen Einkehrschwung. Im gesamten Skigebiet liegen viele urige Hütten am Pistenrand, so dass man nie lange danach suchen muss. Ein Tipp ist die kleine urige Achenrain Hütte, wo einfache und deftige Speisen auf der Karten stehen. Leckere Flammkuchen gibt es zum Beispiel in der Gamsmilchbar. Die modern anmutende Hütte mit der großen Glasfassade liegt neben der Bergstation der Zehnerkarbahn auf 2.200 m Höhe.

Dort solltet ihr unbedingt die legendäre Gamsmilch probieren. Doch Vorsicht. Das, was sich wie ein Kindergetränk anhört, hat es in sich. Die Milch ist nämlich nach einer geheimen Rezeptur mit Rum verfeinert und wird warm serviert. Ich hebe mir die Hütteneinkehr dort also immer für das Ende des Skitags auf.

Après-Ski, Nachtclubs & Schatzsuche

Wenn ihr anschließend noch nicht direkt ins Hotel zurück möchtet, sondern noch mit anderen Wintersportfreunden auf denn Skitag anstoßen wollt, seid ihr in Obertauern auch richtig. Insgesamt gibt es 25 Hütten und Schirmbars, in denen ihr den Tag ausklingen lassen könnt. Dazu gehören zum Beispiel die Edelweißalm. Täglich ab 15:30 Uhr steigen dort die Après-Ski-Partys. Auch im Gruberstadl, im Latschnschirm und im Lazy Flamingo steigen verrückte Veranstaltungen, Mottopartys und Live-Acts.

Bis tief in die Nacht wird in der Lürzer Alm im Dorfzentrum gefeiert. Die Location könnt ihr zum einen mit den Ski, aber auch gut zu Fuß erreichen. So könnt ihr zum Beispiel nach dem Skitag erst duschen, gemütlich Abendessen und dann nochmal ins Nachtleben eintauchen. Die Lürzer Alm steht aber genauso für urige Hüttenabende und ich war dort auch schon zum Abendessen à la carte.

Wenn ihr das Skifahren mit dem Feiern verbinden und auf Gleichgesinnte treffen wollt, dann empfehle ich euch die Events zum Saisonstart oder Saisonende. Im November und Dezember gibt es in der Regel zwei Wochenende, an denen der Beginn der Skisaison mit Konzerten und großen Partys zelebriert wird. Im Frühjahr findet schließlich noch das sogenannte Gamsleiten Kriterium statt. Das ist eine Art Schatzsuche im Schnee. Beim letzten Mal gab es als Hauptpreis einen BMW zu gewinnen.

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Fazit

Obertauern lohnt sich vor allem für Familien und Skifahrer, die die Überschaubarkeit des Skigebiets zu schätzen wissen. Auch Nachtschwärmer und Gruppenreisende, die zur Après-Ski-Musik feiern möchten, finden Obertauern mit seinen zahlreichen Skihütten ein ansprechendes Angebot.

Außerdem kommen bei mir immer Kindheitserinnerungen an den Schnee und weiße Weihnachten hoch, wenn ich nach Obertauern einfahre. Alles wirkt so gemütlich und nach Skiurlaub pur. Mit der Schneesicherheit aufgrund der Höhe des Skiorts geht allerdings auch einher, dass der Höhenunterschied zu den Bergen ringsum gar nicht mehr so groß ist. Wer beim Skifahren auf eine Vielzahl von langen Abfahrten steht, wird in Obertauern eher nicht so fündig. Aber Muskelkater vom Skifahren könnt ihr hier genauso wie in jedem anderen Gebiet bekommen.

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