Korsika gilt als einer der wenigen Geheimtipps für Wanderziele in Europa. Denn der Tourismus ist noch sehr verhalten und außerhalb der größeren Städte fast gar nicht zu finden. Auch ist die französische Inseln von allen Mittelmeerinseln diejenige, die am bergigsten ist, sodass sich Wanderer auf vielen Wanderwegen austoben können. Welche Gipfel, Bergtouren und Wanderungen es zu erkundet gibt, erkläre ich euch in meinem Erfahrungsbericht.

Lohnt sich Wandern auf Korsika?

Korsika wird auch als das Gebirge im Meer bezeichnet und hat insgesamt über 70 Gipfel zu bieten. Mehr als 50 davon sind sogar über 2.000 Meter hoch. Der höchste Berg der französischen Insel Korsika ist der Monte Cinto mit 2.706 Metern, der etwa so hoch ist wie der große Watzmann in den Berchtesgadener Alpen. Wer lieber Distanz anstatt Höhenmeter mag, nutzt die 2.000 Kilometer Wanderwege auf Korsika, darunter den korsischen Fernwanderweg GR 20 mit einer Länge von 180 Kilometern. Auch herrliche Küstenwanderungen sind möglich. In der Karte unten sind interessante Orte eingetragen.

#korsika #wandern

Instatipp: Besonders schöne Motive für Instagram und Co. bieten die Mare e Monti Wanderwege ab Calenzana, die sowohl das Gebirge als auch die Küste umfassen. Hier findet ihr wunderschöne Aussichten, die absolut fototauglich sind.

Anreise nach Korsika

Wer während der Saison von Mai bis Oktober nach Korsika reisen will, kann von zahlreichen deutschen Städten direkt oder mit einmal umsteigen nach Bastia fliegen. Der kleinere Flughafen Calvi wird auch von Köln/Bonn angeflogen. Eine weitere Möglichkeit ist eine Autofähre von Frankreich oder Italien. Allerdings sollte hier weit im Voraus gebucht werden. Auch Flexibilität in den Reisedaten schadet keineswegs, weil ein Ticket mit Moby Lines oder Corsica Ferries gerne auch mal 400 Euro kosten kann.

Wanderurlaub mit Entschleunigung

Auch wenn ich zu einem Zeitpunkt auf Korsika war, wo Entschleunigung noch nicht so gehypt wurde, war schon bei der Ankunft deutlich – hier geht alles etwas langsamer. Und das ist aus meiner Sicht auch ideal für einen Wanderurlaub, denn ich brauche dafür nichts außer der Natur. Das Wetter im September hat die perfekte Temperatur für einen sportlichen Urlaub und die Luft duftet nach Pinienwäldern, während gerade die Sonne untergeht. Schon bei meiner Ankunft bin ich von Korsika begeistert.

Unbedingt Französisch aufpolieren

So begeistert ich von dem ersten Eindruck war, so schwierig wurde es beim Einchecken. Mein damaliger Freund und ich brachten zusammen sechs europäische Sprachen mit – leider war Französisch keine davon – und das war ein echtes Problem. Deswegen kann ich jedem nur raten, das eigene Schulfranzösisch etwas aufzupolieren oder wenigstens die Zahlen und Höflichkeitsfloskeln zu lernen, damit ihr auf Korsika nicht so steckenbleibt wie wir damals. Um die Touren zu planen, gibt es reichlich Kartenmaterial. Die Wege sind aber nur mittelmäßig gut ausgeschildert.

Wanderung durch das Tavignanotal

Beim Wandern werden Sprachkenntnisse dann wiederum jedoch schnell unwichtig, denn oftmals ist man auf den Touren ganz allein unterwegs und trifft keine Menschenseele. Mein persönliches Highlight beim Wandern auf Korsika war der Weg im Vallée du Tavignano. Dieser startet ab der Zitadelle und folgt einem alten Hirtenpfad vorbei an schroffen Felsen, schmalen Stegen, über eine Hängebrücke und glasklaren Berggewässern. Auf dieser Route habt ihr also Geschichte, sportliche Herausforderungen, ein bisschen Nervenkitzel und Möglichkeiten zum Baden oder Erfrischen in einem.

Fazit

Korsika ist fantastisch zum Wandern. Ich war zwei Wochen dort und hätte locker noch zwei weitere bleiben können. Denn die Natur ist ursprünglich, der Tourismus ist (glücklicherweise) auf das notwendige Minimum reduziert. Weitere lohnenswerte Wanderziele sind übrigens der Lac de Capitello, der mit 42 Metern tiefste See der Insel oder das Felsloch in den Bergen namens Trou de la Bombe. Imposant ist auch der Gebirgszug Aiguilles de Bavella, der an die Dolomiten erinnert, und besonders idyllisch sind die ursprünglichen Dörfer in der Hügellandschaft von Castagniccia. Die Insel ist also ein absoluter Traum und wer nicht mindestens einmal dort gewesen ist, der hat echt etwas verpasst.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Wer den GR20 Fernwanderweg nicht geht, wird zwangsläufig ein Mietwagen oder Motorrad nehmen, um die Insel zu erkunden. Denn die öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus und Bahn sind schlecht für Besucher geeignet. Die Fahrzeiten sind sehr unregelmäßig. Beim Autofahren ist allerdings besondere Vorsicht geboten, da ihr die Straßen oft mit Vierbeinern teilen müsst. So kann es sehr gut sein, dass hinter einer Kurve in aller Seelenruhe ein Hausschwein über die Straße latscht oder dass sich in den Bergen eine komplette Ziegenherde auf dem Asphalt niedergelassen hat. Deswegen unbedingt vorsichtig fahren und lieber etwas langsamer als ihr es zu Hause tun würdet.

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