Ich stehe am Grat unterhalb des Gipfels. Die Kapuze ist tief ins Gesicht gezogen. Und dennoch peitschen mir Windböen mit aller Kraft Schneeflocken in die Augen. Der Fels unter meinen Füßen ist rutschig. Und wenn ich mich nach links über den Abhang beuge, geht es steil bergab. Vor allem bei der Witterung wirkt die Tour zum Hochgrat mega spektakulär. Denn obwohl der Berg „nur“ etwas über 1.800 Meter hoch ist, fühlt es sich an diesem Tag an, als sei ich im Hochgebirge unterwegs.

Lohnt sich die Wanderung zum Hochgrat im Allgäu?

Der Hochgrat ist mit seinen 1.834 m Höhe der höchste Gipfel der insgesamt 14 Berge, die die Nagelfluhkette im Allgäu bilden. Er gilt außerdem als Hausberg von Oberstaufen. Ihr könnt den Berg von beiden Seiten erwandern, mit der Seilbahn nach oben fahren, oder gar eine längere Tour über den Grat mit verschiedenen Zwischengipfeln planen.

Wir haben uns für den direkten Weg entschieden und sind in etwa 2,5 Stunden zum Gipfel aufgestiegen. Dabei gilt es knapp 1.000 Höhenmeter zu überwinden und ihr kommt unterwegs an einigen der sogenannten Baumveteranen vorbei. Darunter ist auch einer der ältesten Bäume Deutschlands.

Anreise zur Hochgratbahn

Start der Tour ist an der Talstation der Hochgratbahn. Von Oberstaufen liegt die Bahn knapp 20 Autominuten entfernt. Auf dem Weg kommt ihr durch Steibis durch und folgt anschließend der Beschilderung bis zu der geräumigen Parkfläche.

Die Parkgebühr könnt ihr nur in Bar zahlen. Das Tagesticket kostet 5 Euro. Doch immerhin nimmt der Automat auch Scheine und wechselt sogar. Wenn ihr mit der Hochgratbahn auffahren möchtet, oder euch ein Ticket für die Rückfahrt kauft, zeigt unbedingt den Parkschein vor. Denn dann bekommt ihr zwei Euro Parkgebühr zurückerstattet.

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Job-WG Allgäu


Auf der Gratwanderung hat mich Pia aus der Job-WG Allgäu begleitet. Sie testet zusammen mit zwei weiteren Teilnehmerinnen 30 Jobs in den unterschiedlichsten Unternehmen im Allgäu. Die Palette der Unternehmen ist bunt – vom Großkonzern bis zum Startup, von der Klinik bis zum Wellnesshotel und von der Brauerei bis zur Metzgerei. Von ihren Erfahrungen berichtet sie im Video oben.

Idyllischen Almen am Wanderweg

Direkt neben der Seilbahnstation führt ein geteerter Weg bergauf. Zuerst noch idyllisch an einem gluckernden Bach entlang und dann über freie Felder. Doch der harmonische Schein der saftig grünen Wiesen trügt an diesem Tag. Die Vögel verstummen und dicke, schwarze Wolken ziehen auf. Das alles geht rasend schnell. Und kaum habe ich begriffen, wie sich die Natur ändert, schon stehe ich mitten in einem Hagelschauer.

Ich ziehe die Kapuze tiefer über das Gesicht und stapfe tapfer Schritt für Schritt weiter nach vorne. Doch der Wetterumschwung bringt auch was Gutes mit sich. Denn wir kommen an einigen uralten Bäumen vorbei. Die schroffe Rinde und die knorrige Gestalt zeugt davon, dass sie wirklich schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Teilweise sind die Stämme moosbewachsen. Und das sieht natürlich vor der unheimlichen Kulisse mit den schwarzen Wolken und dem besonderen Licht magisch aus. Wie aus einem Mystery-Film entsprungen.

Vorbei an der 1.000-jährigen Ureibe

Einen besonders alten Baum passieren wir drei Kehren später. Auf einer Weide steht eine uralte Eibe. Sie wird oft als 1.000-jährige Eibe bezeichnet. Laut der Schätzung ist sie um die 600 bis 800 Jahre alt. Von Weitem sieht der gedrungene Nadelbaum noch unscheinbar aus. Doch je näher wir kommen, umso mehr staune ich über die verschlungenen Äste. Markant ist außerdem der hohle Stamm.

Einige Höhenmeter oberhalb gibt es nochmals einen Grund zum Anhalten und Staunen. Diesmal zieht allerdings kein Baum unsere Aufmerksamkeit auf sich, sondern wir werden von einem rauschenden Geräusch an den Wegesrand gelockt.

Dort stürzt nämlich unmittelbar neben dem Pfad ein Wasserfall in die Tiefe. Faszinierend ist dabei, dass das Wasser nicht nah an der Felswand entlangläuft, sondern durch den Überhang frei in die Tiefe fällt. Stark!

Über den Gipfelgrat zum Gipfelkreuz

Höchster Punkt:1.834 m
Gehzeit:5 Stunden
Höhenmeter:985 m
Einkehrtipp:Alpe Schilpere
Beste Reisezeit:Mai bis Oktober

Kurz darauf erreichen wir den Grat unterhalb des Gipfels. Wir befinden uns auf einer Höhe mit der Bergstation. Und auf Höhe der Schneefallgrenze. Die macht sich auch sogleich bemerkbar. Als möchte sie es uns beweisen, saust wieder eine dieser dunklen Wolken heran. Kurz darauf stehen wir mitten im Schneegestöber.

So wird der spektakuläre, aber unschwierige Aufstieg über den Grat zu einer Herausforderung. Schneeflocken peitschen mir ins Gesicht. Starke Windböen fordern meinen Gleichgewichtssinn heraus. Und es ist fühlt direkt 10 Grad kälter geworden. Ich fühle mich wie auf einer Expedition im Hochgebirge.

Umso dankbarer bin ich, endlich das Gipfelkreuz zu berühren. Geschafft! Ich versuche das Panorama zu genießen und lasse den Blick über Zugspitze, Nebelhorn, Fellhorn und den Hohen Ifen schweifen. Sogar bis in die Schweizer Alpen kann ich schauen. Trotz der Witterung. Wie muss dann dieser Ausblick wohl bei gutem Wetter sein?

Fazit

Die Tour zum Hochgrat ist eine mittelschwere und sehr schöne Wanderung. Der Grat im oberen Bereich ist durch Stufen und durch ein Drahtseil zum Festhalten an den schwierigen Stellen entschärft. Wer schon öfter in den Bergen war und trittsicher ist, sollte dort keine Probleme haben. Für mich war das das beste Stück der Tour.

Zurück ging es dann über den selben Weg. Einziger Unterschied: Wir haben noch einen Abstecher zur Alpe Schilperle eingelegt und zwischen freilaufenden Kühen mit dem überaus netten Hüttenwirt auf den abenteuerlichen Tag angestoßen. Alternativ könnt ihr auch die Überschreitung machen und auf der anderen Seite des Gipfels absteigen. Oder aber ihr düst mit der Bahn hinab.

Übrigens war die Witterung an diesem Tag zwar rau, aber nicht gefährlich. Sobald ein Gewitter aufzieht oder der Wind euch beeinträchtigt, solltet ihr natürlich umdrehen und abbrechen. Das gilt bei jeder Tour.

Lage

Praktische Links

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